Unternehmen

Interessantes Fan-Projekt scheitert an Copyright-Verstoß: Nintendo geht entschieden gegen “Super Mario 64”-Remake vor

super-mario-64-icon
geschrieben von Jürgen Kroder

super-mario-64-hd

Vor ein paar Tagen verbreitete sich unter Gamern eine Nachricht wie ein Lauffeuer: Ein Hobby-Programmierer erstellte mit Unity ein Remake des Kult-Spiels „Super Mario 64“ und veröffentlichte es als kostenloses Online- und Download-Spiel. Die Freude war groß, hielt aber nicht lange an.

Hochauflösendes PC-Remake

Erik Roystan Ross ist ein Informatik-Student, der unter anderem den „Super Character Controller“ für Unity programmierte. Damit lassen sich Games, die mit Unity entwickelt werden, mit Gamepads steuern. Um die Leistungsfähigkeit des „Super Character Controllers“ unter Beweis zu stellen, setze er eine Demo um, die für Wirbel sorgte: „Super Mario 64 HD“.

Hierbei handelte es sich um eine Adaption des ersten Levels des bekannten N64-Klassikers. Diese konnte man seit dem 12. März gratis entweder im Browser spielen oder über diverse Mirror-Sites für Windows, OS X und Linux herunterladen. Während Super-Mario-Fans entzückt waren, gefiel das Hobby-Projekt Nintendo gar nicht. Der Spiele-Gigant ließ am 31. März die „Super Mario 64“-Adaption offline nehmen.

Das sagen die Parteien dazu

Wer nun versucht, das inoffizielle HD-Remake unter http://mario64-erik.u85.net/Web.html zu spielen, sieht statt dem Unity-Game die Mail des Anwalts von Nintendo of America. Er veranlasste, dass der Hoster Cloudflare das Game löschte, da Roystan Ross mit seinem Tech-Demo gegen das Copyright von Nintendo verstieß.

Gegenüber „HuffPo“ sagte ein Pressesprecher:

„Nintendo respects the intellectual property rights of others, and in turn expects others to respect ours. Nintendo is passionate about protecting its creative works developed to entertain its fans and takes the necessary steps to remove unauthorized content distributed via the Internet.“

Der Hobby-Entwickler verteidigt sich dazu mit den Worten:

I didn’t really expect for this project to get so popular, and was hoping it would function primarily as a educational tool and a novelty.

Enttäuschung und Verständnis

Was sagen die Fans dazu? Wie man auf diversen Webseiten und in Foren liest, sind die Meinungen gespalten. Während die einen Nintendo attackieren, können die anderen die Vorgehensweise nachvollziehen.

Ich verstehe beide Seiten. Einerseits spricht der Gamer in mir, der sich über das inoffizielle HD-Remake von „Super Mario 64“ (und dann auch noch für den PC!) freute.

Andererseits muss man sagen: Roystan Ross ist sein Projekt extrem naiv (oder bewusst provokant?) angegangen. Nur weil er die Umsetzung ohne kommerziellen Gedanken entwickelte, heißt das noch lange nicht, dass er fremdes Eigentum kopieren darf!

Denn bei seinem „Super Mario 64 HD“ handelte es sich nicht um eine künstlerische Weiterentwicklung, die sich mit ähnlich aussehenden Figuren an das Original anlehnt, sondern um eine in weiten Teilen identische Kopie. Wie Roystan in seinem Blog zugibt, hat er dafür sogar Daten von Nintendo verwendet:

All the art and animations were done by myself, with the exception of the Mario, Goomba and Power Star meshes, which are ripped (without animations) from Super Mario Galaxy. A large portion of the sounds are from existing Mario games, while the ones I found and edited myself are from freesound.org.

Somit ist verständlich, dass Nintendo auf sein Urherberrecht pocht und die „Adaption” aus dem Netz nehmen ließ. Roystan Ross kann froh sein, wenn er bei dieser Sache bislang noch mit einem blauen Auge davonkam.

Was haltet ihr von „Super Mario 64 HD“? Hätte Nintendo hier Fünfe gerade sein lassen müssen, weil es ein Fan-Projekt ist? Oder ist das Vorgehen gegen die Urherberrechtsverletzung nachvollziehbar?

Bilder: Roystan Ross / Nintendo


Vernetze dich mit uns!

Like uns auf Facebook oder folge uns bei Twitter


Über den Autor

Jürgen Kroder

Jürgen bezeichnet sich als Blogger, Gamer, Tech-Nerd, Autor, Hobby-Fotograf, Medien-Junkie, Kreativer und Mensch. Er hat seine unzähligen Hobbies zum Beruf gemacht. Und seinen Beruf zum Hobby. Obwohl er in Mainz wohnt, isst er weiterhin gerne die Maultaschen aus seiner Heimat.

5 Kommentare

Kommentieren