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20 US-Dollar für Total-Spionage: Das perfide Konstrukt von Facebook Research

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Von der Nachricht bis zum Foto: Facebook Research durfte alle Informationen auslesen. (Foto: Pixabay.com / Free-Photos)
geschrieben von Christian Erxleben

Über die App „Facebook Research“ sammelte Facebook über Monate hinweg sämtliche Daten von Nutzern im Alter zwischen 13 und 35 Jahren. Für die Installation erhielten die Probanden 20 US-Dollar pro Monat. Ein geringer Preis für die Total-Spionage.

Für große Konzerne wie Facebook ist es essenziell, möglichst viele Informationen über ihre Nutzer und deren Verhalten zu erfahren. Deswegen ist es auch nicht verwunderlich, dass das Tracking-System von Facebook neben dem von Google wohl am ausgeprägtesten ist.

Selbstverständlich würde Facebook am liebsten noch mehr Informationen sammeln. Doch ein vollständiger Zugriff auf alle Dateien, Dokumente, Apps und Nachrichten ist selbst für Facebook schwer erhältlich.


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Ein Freifahrtschein für 20 US-Dollar im Monat

Deswegen wählte Facebook in den letzten Jahren einen anderen Weg. Das soziale Netzwerk entwickelte für iOS- und Android-Smartphones die App „Facebook Research“. Wenn Nutzer diese Anwendung installierten, übertrugen sie sämtliche Informationen automatisch an Facebook.

Darunter befinden sich laut dem US-amerikanischen Branchenmagazin Techcrunch, das das Modell enthüllte, unter anderem folgende Informationen:

  • Alle verschickten Nachrichten über Messenger und soziale Netzwerke
  • Zugriff auf alle Dokumente – einschließlich Fotos und Videos – sowie die installierten Apps
  • Sämtliche Browser-Aktivitäten, Suchanfragen und Standortdaten des Nutzers

Für die Installation und Weitergabe der Informationen erhielten die Nutzer pro Monat 20 US-Dollar von Facebook.

Verschleierung und Verstöße gegen Apples Richtlinien

Die Zielgruppe für die Total-Spionage waren Nutzer zwischen 13 und 35 Jahren. Bei den minderjährigen Nutzern forderte Facebook laut eigenen Angaben eine Zustimmungserklärung der Eltern ein. Ob und wie die Umsetzung und Überprüfung im Detail aussah, ist nicht klar.

Dass jedoch Facebook nicht direkt mit Facebook Research in Verbindung gebracht werden wollte, ist einleuchtend. Deswegen wurde die App über Beta-Tester und Entwickler wie Applause, Betabound und U-Test abgewickelt. Inzwischen ist die Anwendung zumindest aus dem iOS-App-Store verschwunden.

Damit entfernte Apple bereits die zweite Spionage-App von Facebook aus dem eigenen Programm. Bereits vor knapp drei Jahren hatte Facebook mit der VPN-Netzwerk-App „Onavo VPN“ gegen die Richtlinien von Apple verstoßen und war im Sommer 2018 aus dem App Store geflogen.

Damals hatte Apple die Regeln für Anwendungen verschärft. Dienste, die lediglich dafür da sind, um zu überprüfen, welche Apps ein Nutzer sonst noch installiert hat, oder Dienste, über die das Verhalten für Marketing-Zwecke analysiert wird, sind verboten.

Facebook verneint Behauptungen zu Facebook Research – und könnte Probleme bekommen

Auf die Kritik von Apple zu Facebook Research reagierte der Konzern von Mark Zuckerberg laut Techcrunch mit dem Hinweis, dass man nicht gegen die Regeln des App Stores verstoßen habe, nur fünf Prozent aller Nutzer Minderjährige waren, bei allen die elterliche Bestätigung vorliege und dass außerdem kein Zusammenhang zwischen Facebook Research und Onavo bestehe.

Ob Apple diese Begründung genügt, ist fraglich. Vielmehr wird bereits spekuliert, ob der Konzern aus Cupertino den Entwicklern von Facebook ihre Sonderstellung entzieht. Theoretisch wäre es sogar denkbar, dass alle Anwendungen des Facebook-Konzerns aus dem App Store fliegen. Das ist jedoch aufgrund der Popularität eher nicht zu erwarten.

Facebook braucht auch weiterhin Daten

Selbst wenn Apple Facebook diesen Datenstrom abdreht: Das soziale Netzwerk wird weiterhin Wege und Methoden suchen, um an möglichst detaillierte Informationen zu gelangen. Dass Facebook dabei nicht immer vollkommen offen auf die Nutzer zugeht, dürfte ebenfalls niemand bezweifeln.

Letztendlich liegt es folglich bei uns Nutzern, unsere Daten besser zu schützen. Sobald wir Apps den Zugriff auf alle unsere Daten geben, tragen wir auch selbst eine Teilschuld. Anstelle auf Funktionen – oder in diesem Fall ein wenig Geld – zu schauen, müssen wir unser Gehirn viel öfter einschalten und nachdenken!

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Über den Autor

Christian Erxleben

Christian Erxleben ist seit Ende 2017 Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Ressortleiter Social Media und Head of Social Media bei BASIC thinking tätig. Sein Weg zu BASIC thinking führte über die Nürnberger Nachrichten, Focus Online und die INTERNET WORLD Business. Beruflich und privat liebt und lebt er Social Media.

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