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Spotify-Family-Betrug: So geht das aber nicht, Spotify!

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Spotify hat eine kuriose Definition einer Familie. (Foto: Pixabay.com / deepanker70)
geschrieben von Christian Erxleben

Spotify hat genug von falschen „Familien“, die das Premium-Abonnement Spotify Family ausnutzen. Deshalb will der Streaming-Dienst jetzt die Adressen über Google Maps abgleichen. Doch sowohl das Vorgehen als auch die Definition von Familie ist ein Unding. Ein Kommentar.

Spotify hat seine Nutzungsbedingungen zum 13. September 2019 überarbeitet. Eine der entscheidenden Veränderungen steht gleich in Punkt 2 A). Dieser betrifft das Premium-Abonnement Spotify Family. Dort heißt es nun:

Um das Premium Family-Abo nutzen zu dürfen, müssen der Hauptnutzer und die bis zu fünf (5) Inhaber von Unterkonten Familienmitglieder sein, die ihren Wohnsitz an derselben Adresse haben.

Die konkrete Änderung: Um das Familien-Abonnement zu nutzen, müssen alle Familienmitglieder also (immer) am selben Ort wohnen.

Millionen-Verluste durch „falsche“ Spotify-Familien

Warum geht der schwedische Streaming-Dienst diesen Schritt? Die Antwort findet sich in den Bilanzen des Unternehmens.

Derzeit hat Spotify rund 232 Millionen Nutzer rund um den Globus. 47 Prozent – also rund 108 Millionen Menschen – sind Premium-Abonnenten. Diese würden im Normalfall nach Ablauf der Testphase 9,99 Euro im Monat zahlen.

Da dieser Betrag jedoch vielen Nutzer zu hoch ist, schließen sie sich zusammen und nutzen gemeinsam ein Familien-Abo von Spotify. Das verstößt zwar offiziell gegen die Richtlinien, spart aber massig Geld. Schließlich liegt der Betrag pro Person bei sechs „Familienmitgliedern“ nur noch bei etwa 2,50 Euro.

Wenn man bedenkt, dass Schätzungen davon ausgehen, dass knapp die Hälfte aller Premium-Abos auf Spotify Family entfallen, entsteht hier schnell ein immenser Schaden.

Spotify Family und die verkrustete Definition von Familien

Es ist also durchaus verständlich, dass auch Spotify ein Interesse daran hat, die Betrügereien zu beenden. Und das ist absolut richtig. Problematisch wird das Konstrukt jedoch, wenn wir auf die Umsetzung achten.

Denn dieser liegt einerseits eine absolut veraltete Definition von Familien zu Grunde. Denn welche Familie lebt denn an nur an einem Ort?

Was ist beispielsweise mit getrennt lebenden Eltern? Was ist mit Familien, die aufgrund des Arbeitsplatzes eines Elternteils keine dauerhafte gemeinsame Wohnung haben? Wie ist es um Kinder bestellt, die für die Schule oder das Studium in einen anderen Ort ziehen? Und was ist mit Pendlern, die den Großteil des Tages nicht zu Hause sind?

Eine Familie hat viele Formen der Definition. Doch der Wohnort ist sicherlich die schlechteste Instanz.

Datenabgleich über Google Maps

Andererseits stellt sich jedoch die Frage des Datenschutzes. Denn Spotify will die neue Adresse mit Hilfe von Google Maps automatisch abfragen. Stimmen die Adressen der einzelnen Nutzer nicht überein, behält sich Spotify das Recht vor, das Abonnement zu kündigen.

Spotify selbst behauptet zwar, dass die Adressen nur für den Abgleich genutzt und nicht gespeichert werden. Ob wir uns in Zeiten von Datenmissbrauch und Datenskandalen jedoch auf derartige Aussagen verlassen können, steht auf einem anderen Blatt Papier.

Genauso fragwürdig ist es, dass Spotify sich nicht mit einem Datenabgleich begnügt. Vielmehr soll es von „Zeit zu Zeit“ immer wieder zu Überprüfungen kommen. Das nimmt dann schon Züge von Überwachung an. Vertrauen sieht anders aus.

Spotify Family: Der falsche Ansatz zur Lösung des Problems

Fest steht jedoch, dass die gewählte Methodik von Spotify äußerst fragwürdig ist und im Zweifelsfall auch angreifbar ist.

Denn gerade die Definition einer Familie ist doch sehr weit hergeholt. Selbstverständlich hat Spotify das Recht, Familien nach dem eigenen Wunsch zu definieren. Ob das jedoch auf viel Gegenliebe stößt, darf bezweifelt werden.

Aus finanzieller Sicht ist es nötig und nachvollziehbar, den Betrug mit Spotify Family zu unterbinden. Der gewählte Weg ist jedoch definitiv der falsche.

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Über den Autor

Christian Erxleben

Christian Erxleben ist seit Ende 2017 Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Ressortleiter Social Media und Head of Social Media bei BASIC thinking tätig. Sein Weg zu BASIC thinking führte über die Nürnberger Nachrichten, Focus Online und die INTERNET WORLD Business. Beruflich und privat liebt und lebt er Social Media.

10 Kommentare

  • Der erste und wichtigste Punkt ist doch die an Verdummung grenzende Annahme von Spotify, dass jedes Mitglied des Spotify-Family-Accounts automatisch sich einen eigenständigen Premium-Account zulegen würde. Diese Annahme ist lächerlich und erinnert mich an die empirisch schon zig Mal widerlegte These, dass jeder Mensch, der einen Kinofilm illegal streamt, automatisch ins Kino gelaufen wäre, wenn es die Streaming-Möglichkeit nicht gegeben hätte.
    Wie kann man im Jahr 2019 noch von dieser empirie-feindlichen und naiven Annahme ausgehen?
    Spotify wird einfach nur zahlende Kunden verlieren und unterm Strich definitiv keinen zusätzlichen Gewinn erwirtschaften, sondern wahrscheinlich sogar Verluste machen, denn angepisste Kunden haben heutzutage die Möglichkeiten easy zu einem anderen Musik-Dienst zu gehen.

    • Daumen hoch… genauso ist es. Letztlich sollte Spotify froh sein, da sie so zahlende Kunden haben, die sie sonst vermutlich nicht hätten.

      • Naja, man sollte bedenken, dass viele dieser Kunden Spotify mehr Geld kosten als diese zahlen! Für die Verwertungsgesellschaften und Künstler ist es besser als illegal Streamen, für Spotify eben nicht. An auf diese Weise genutzten Accounts verdient Spotify nichts bzw. muss geld drauf legen. Ist ein logischer und auch richtiger Schritt den Missbrauch zu beenden.

        Gibt ne klare Definition:
        „Um das Premium Family-Abo nutzen zu dürfen, müssen der Hauptnutzer und die bis zu fünf (5) Inhaber von Unterkonten Familienmitglieder sein, die ihren Wohnsitz an derselben Adresse haben.“

        Betonung auf: „derselben Adresse“

        Ich finde eher den Artikel hier ne Frechheit. Als nächstes werden Läden an den Pranger gestellt, die Laden-Diebe zur Kasse bitten bzw. den Diebstahl verhindern. Die Menschheit wird eben immer erbärmlicher…

          • Hi Christian,
            die konkrete Definition von Familie setzt voraus, dass man in einer Bedarfsgemeinschaft lebt, also an der selben Adresse. Familie kommt von familia (lat.) was frei übersetzt „Hausgemeinschaft“ bedeutet.

            Auch bei rechtlichen Aspekten setzt „Familie“ eine Bedarfsgemeinschaft voraus. In vielen Fällen sogar min. drei Personen: Vater, Mutter, Kind – ggf. bei alleinerziehend 2, jedoch zwei Generationen an einer Adresse.

            Dass man an der selben Adresse gemeldet sein muss ist nichts neues. Man formuliert es nun präziser und kontrolliert die Vertragsbedingungen. Wer sich seit langem erfolgreich vertragswidrig verhalten hat und auf Kosten anderer schmarotzt hat, der sollte froh sein über das was er gestohlen hat und jetzt nicht jammern.

            Von den rund 10,00€/Monat regulär gehen etwa 7,3€ an das Plattenlabel, 0,68€ an die Künstler und max 2,1€ bleiben bei Spotify

            Spotify zahlt pro Stream. Die meisten Familien-Accounts sind nur aus Kostengründen ohne eine Familie zu sein. Bei 2,5€/Monat sind, wenn man die Betriebskosten einrechnet, die Kosten höher als wenn Spotify diese Scheinfamilie gar nicht als Nutzer hätte.

            Man kann von niemanden erwarten, dass jemand Dienstleistung erbringt, bei der er drauf zahlt, weil andere sich diese Leistung vorsätzlich erschleichen…
            …beim Schwarzfahren muss man sogar noch ne ordentliche Strafe zahlen. Also doch ganz harmlos, dass ggf. nur das Abo gekündigt wird…

          • Hi Thomas,

            es geht mir – wie mehrfach betont – nicht darum, dass diese Abos nicht gekündigt werden sollen. Ich bin einfach mit der Definition von Familie nicht einverstanden. Diese berücksichtigt beispielsweise nicht, wenn ein Kind auf dem Internat ist, oder ein Elternteil aufgrund der Arbeit in einer anderen Stadt wohnt. Aber ich merke schon, dass du hier anderer Meinung bist. Das ist in Ordnung. Deswegen ist es ja auch ein Kommentar.

            Liebe Grüße
            Christian

          • Hi Christian,

            in den beiden Fällen haben sowohl das Kind als auch das Elternteil den Hauptwohnsitz gewöhnlich an der selben Adresse. Damit wäre ja die Voraussetzung ja erfüllt. Man darf schlussendlich ja auch reisen…

            Gruß Thomas

  • Also ich finde es ziemlich hart, den Fehler jetzt beim Kunden zu suchen. Zumal der Vergleich mit einem Ladendieb völlig sinnfrei ist, es ist kein Diebstahl, wenn Spotify so etwas lange Zeit zu lässt. Spotify wird sich damit am Ende ein Eigentor schießen und Dienste wie Deezer, Amazon oder Youtube Music werden neue Kunden gewinnen.

    Die Menschheit als eine Bezeichnung zu benutzen, zeugt aber eh von einem niedrigen Bildungsstand, denn du bist genauso ein Teil dieser angeblich „erbärmlichen“ Menschheit.

    Spotify muss einen Weg finden, ohne seine Kunden zu verlieren, an den Problemen sind die selbst schuld. Zumal Spotify ja gerne auch den ein oder anderen Künstler um sein Geld betrügt, siehe den jüngsten Fall mit Eminem.

    • Bei Amazon muss jede Person 9,99€ zahlen – es ist nicht teurer als Spotify, für Personen die Spotify Family zutrifft ist Spotify sogar deutlich günstiger.

      Bei Deezer hat man Premium 9,99€ und Family 14,99€ – gleiche Preise wie bei Spotify und auch dort gilt: Family-Paket ist nur gültig für im selben Haushalt lebende!

      YouTube ist übrigens kein Musik-Streaming Dienst sondern ne Video Platform. Ist mobil von Nachteil, wenn man noch ein Video streamt (mehr Datenvolumen). Hier kostet Premium sogar 11,99€ und Family 17,99 – und jetzt rate mal was in den AGB steht: Family gilt nur bei Personen im selben Haushalt.

      „zeugt aber eh von einem niedrigen Bildungsstand“ interessante Annahme

      Inwiefern bei Eminem Forderungen bestehen wird sich noch zeigen, wie es wohl aussieht hat hier aber eher eine beauftragte Agentur in den USA versagt. Die Werke wurden von den Labels zur Verfügung gestellt und entsprechend entlohnt. Streitpunkt ist die Bezahlung von Verlagen, wo aber die Rechteeigentümer nicht so leicht zu finden sind bzw. die beauftragte Agentur wohl geschlampt hat. Zudem ist hier wichtig, dass für die USA hier besondere Regelungen zutreffen, sodass in dem Fall Pauschale Abgaben fällig werden, womit Eminem scheinbar unzufrieden ist. Wer hier inwiefern gegen Regelungen verstoßen hat wird sich aber erst zeigen. Bisher läuft das Verfahren noch bzw. ist erst gestartet…

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