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Was wir von Rezo und seiner Pressekritik lernen können

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Was als "Zerstörung der Presse" betitelt wird, ist eher eine Liebeserklärung an guten Journalismus. (Foto: Screenshot / YouTube)
geschrieben von Philip Bolognesi

YouTuber Rezo klärt in seinem aktuellen Video „Die Zerstörung der Presse“ über Presse-Wahrheiten und Verschwörungstheoretiker auf. Doch was ist davon zu halten? Ein Kommentar.

In seinem neuesten YouTube-Video will der seit seiner „Zerstörung der CDU“ bekannte Rezo erneut aufklären. Vor allem mit Verschwörungstheoretikern und der Presse beziehungsweise deren Vertretern, die sich als Journalisten verstehen.

Sein einstündiges Video nennt der 27-jährige Rezo „Die Zerstörung der Presse“ und sicherte sich bereits mit dem Titel ein paar Millionen Klicks. Doch zunächst lockte er wohl damit diejenigen an, die sich in Theorien der Verschwörung und einer Welt der journalistischen Lügenpresse wohlfühlen.

Rezo und die Presse: Von der Zerstörung zum Appell

Doch zunächst einmal zu den Fakten: Rezo belegt seine Thesen dank einer sorgfältigen Recherche mit stichhaltigen Daten und Argumenten. Das ist aller Ehren wert und sollte auch manche selbsternannte Journalisten und Medienhäuser, die ihren eigenen Habitus auf Reichweite und Klicks ausrichten, stark zu denken geben.

Gleichzeitig prangert Rezo das fehlende Vertrauen an. Denn immer mehr Menschen vermuten, dass die Medien wie die Politiker auch das Thema Corona größer machen, als es sich eigentlich darstellt.

Verursacher dafür seien jedoch nach Rezo die Medien selbst – und zwar Vertreter des Boulevard-Journalismus, die nicht auf den Gewinn von Erkenntnis aus sind, sondern auf Polarisierung.

Reißerische Headlines, erfundene Interviews und haarsträubende pseudo-logische Zusammenhänge werden in Windeseile fertig geklöppelt, ohne einem journalistischen Standard oder gar einem Kodex zu folgen.

Und das leuchtet ein: Es ist ein ständiges gegeneinander Antreten zwischen „wir da unten“ und „denen da oben“. So verkaufen Klatschmagazine und bildgewaltige Medienhäuser den eigenen Content. Wer ihn konsumiert, ist dabei zweitrangig. Denn die Motivation, die Inhalte zu rezipieren, differiert stark.

Rezos Appell: Gebt diesen Medien keine Reichweite, keinen Klick, recherchiert selbst und vertraut nur seriösen Pressevertretern.

Nachhaltiger Journalismus ist gefragt

Auch wenn sich Rezo an boulevardesken Techniken bei seinem Videotitel orientiert: An der Richtigkeit seiner Schlussfolgerung ändert das nichts. Rezo fordert, dass die Presse mehr in Vertrauen investieren müsse. Doch wie kann das gelingen?

Für mehr Nachhaltigkeit reicht es in meinen Augen schon aus, wenn sich Medienvertreter an ihre Ausbildung erinnern und den Gepflogenheiten und Standards des Journalismus im Alltag gerecht werden.

Das bedeutet Recherche, Prüfung nach Richtigkeit und Nachvollziehbarkeit sowie die Bereitschaft, Themen und Dinge aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Und am Ende auch eingestehen, Fehler begangen zu haben.

Denn auch wenn manche Journalisten Daten-getrieben arbeiten und demzufolge nur auf Sicht fahren – manche auch noch dabei blind –, sollten wir mit guten Beispiel voran gehen und der Aufgabe gerecht werden.


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Über den Autor

Philip Bolognesi

Philip Bolognesi arbeitet seit Anfang September 2018 in der Redaktion von BASIC thinking. Er hat Kommunikationswissenschaften studiert und ist zertifizierter Social-Media-Manager. Zuvor hat er als freiberuflicher Online-Redakteur für CrispyContent (Serviceplan Berlin) gearbeitet und mittelständische Unternehmen in ihrer Online-Kommunikation beraten. Ihn trifft man häufig im Coworking-Space Hafven in Hannover. Er ist begeisterter Tischtennisspieler, Fitness-Fan und permanent auf der Suche nach interessanten Themen aus den Bereichen Social Media, Marketing und Ernährung.

3 Kommentare

  • Eigentlich wäre das was Rezo an Inhalten liefert Stoff für den Schulunterricht. Aber ich vermute mal die Leiden des jungen Werthers und Walzers Werke sind wichtiiger.

  • Ich habe das auch in voller Länge gesehen und gerne. Finde es einen echten Grundkurs Journalismus. Könnte man, sollte man vielleicht sogar, Teil eines jeden Volontariats machen. Wenn ich so durch die Medienlandschaft zappe, dann ist es sogar bitter nötig. Well done, Rezo!

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