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Webtracking: Facebook kritisiert Apple für Datenschutz – wie scheinheilig ist das?

Christian Erxleben
Facebook präsentiert sich als Retter des Internets. (Foto: Unsplash.com / Alina Sofia)

Anfang 2021 schränkt Apple auf seinem Betriebssystem iOS 14 das Tracking und die Datenübermittlung von persönlichen Nutzerdaten stark ein. Für den Kampf gegen das Webtracking kritisiert Facebook Apple mit einer großen Kampagne. Wie scheinheilig ist das eigentlich? Ein Kommentar.

Facebook startet große Datenschutz-Kampagne gegen Apple

Wer Facebook professionell nutzt, schaut vermutlich jeden Tag in der Facebook Business Suite vorbei. Dort empfängt seit dem 21. Dezember 2020 alle Social Media Manager und Marketing-Verantwortlichen ein großes Banner.

Die Überschrift des Pop-ups lautet: „So können die Änderungen von Apple deine Marketingaktivitäten beeinträchtigen.“ Darüber ist eine Animation einer Wissenschaftlerin zu sehen. Facebook will durch die Überschrift also direkt Angst erzeugen.

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Facebook informiert Social Media Manager und Marketer in der Business Suite.

Konkret bezieht sich Facebook auf die bevorstehenden Änderungen durch das Update von Apples Betriebssystem iOS 14. Denn spätestens Anfang 2021 müssen sich alle Apps die Erlaubnis zum Webtracking bei jedem iPhone-Nutzer individuell abholen.

Das erschwert die Datenübermittlung via iOS und erhöht den Datenschutz für Nutzer nachhaltig. Facebook sieht das anders. Das schreibt das Netzwerk in einem Statement:

Wir sind der festen Überzeugung, dass Unternehmen, die kostenlose Dienste gepaart mit Werbung anbieten, entscheidend zum Wachstum und Wohlstand des Internets beigetragen haben. Und wir glauben, dass personalisierte Anzeigen und Privatsphäre sich nicht gegenseitig ausschließen müssen. Wir unterstützen proaktive Maßnahmen für besseren Datenschutz und mehr Transparenz zur Datenverarbeitung. Aber Apples Richtlinienänderungen gehen unserer Meinung nach in die falsche Richtung.

Facebook beklagt, dass personalisierte Werbung erschwert wird

Facebook selbst macht sich Sorgen um „die Freiheit des Internets“ und das „Wachstum von Kleinunternehmen“ und spielt sich als großer Retter auf. In den darauffolgenden Absätzen jammert Facebook darüber, dass die Möglichkeiten beim Webtracking eingeschränkt werden.

Die Analyse-Möglichkeiten werden weniger. Ebenso wird es schwieriger Conversions bestimmten Personen zuzuordnen oder Nutzer mit personalisierten Inhalten anzusprechen. Das ist alles richtig.

Doch dann schiebt Facebook noch folgende Aussage hinterher. Die Beschränkungen rund um das Webtracking machen es Kleinunternehmen „viel schwerer, ihre Zielgruppe zu erreichen.“

Es geht beim Webtracking nicht um Kleinunternehmen, sondern um das Geschäftsmodell von Facebook

Und genau an dieser Stelle wird es scheinheilig. Denn tatsächlich sind die Aussagen von Facebook an dieser Stelle nicht unwahr. Apple verfolgt durch die neuen Datenschutz-Bestimmungen das Ziel, Nutzer besser vor Webtracking zu beschützen.

Das heißt: Apple will durch einen Hinweis darauf aufmerksam machen, dass Unternehmen wie Facebook, Instagram und Co. persönliche Informationen sammeln, um sie zur Personalisierung von Anzeigen zu nutzen. Dessen sind sich viele Nutzer außerhalb der Technologie-Szene noch immer nicht bewusst.

Durch die Änderungen bei Apple ist das Geschäftsmodell von Facebook akut gefährdet. Im gesamten Jahr 2019 hat Facebook beispielsweise einen Umsatz von 70 Milliarden US-Dollar generiert. Mehr als 90 Prozent davon entfallen auf das Werbegeschäft.

Oder anders ausgedrückt: Facebook ist finanziell extrem abhängig vom Anzeigengeschäft. Wenn das soziale Netzwerk nicht mehr in der Lage ist, Nutzer personalisiert anzusprechen, wandern kleine Unternehmen und Werbungtreibende zu Google, Tik Tok und Co. ab.

Dreist ist nun, dass sich Facebook als Opfer darstellt und versucht, Apple als Feind der Kleinunternehmer darzustellen.

Facebook ramponiert das eigene Image immer weiter

Es ist nicht das erste Mal, dass das Image von Facebook leidet. In den meisten Fällen geht es dabei um Datenschutz-Lücken, abgesaugte persönliche Daten oder fehlerhafte Messungen bei Anzeigen.

Facebook hat also mehrfach (unfreiwillig) unter Beweis gestellt, dass es offenbar nicht durchgängig dazu in der Lage ist, mit den persönlichen Informationen seiner Nutzer vertrauensvoll umzugehen.

Anstelle also Apple unter einem Vorwand für sein Bestreben nach mehr Datenschutz zu kritisieren, sollte sich Facebook lieber selbst sprichwörtlich an die eigene Nase fassen und den Wert persönlicher Daten höher einordnen.

Natürlich kann dadurch der Umsatz von Facebook sinken. Doch das ist nicht das Problem von Apple und auch kein Grund, Nutzer gegen ihren Willen digital auszuleuchten, zu filetieren und die gesammelten Informationen gewinnbringend zu vermarkten.

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Christian Erxleben arbeitet als freier Redakteur für BASIC thinking. Von Ende 2017 bis Ende 2021 war er Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Ressortleiter Social Media und Head of Social Media bei BASIC thinking tätig.