Wirtschaft

Zensur in China: Warum ist es so still um Alibaba-Gründer Jack Ma?

Jack Ma, Alibaba-Gründer
Hat die chinesische Regierung Angst vor Jack Ma? (Foto: Screenshot / YouTube)
geschrieben von Christian Erxleben

Jack Ma gehört zu den wichtigsten und bekanntesten Personen der chinesischen Wirtschaft. Doch seit mehreren Monaten gibt es keine Meldungen mehr rund um den Alibaba-Gründer. Ist der Milliardär verschwunden? Vermutlich nicht. Vielmehr zeigt sich die Macht Chinas.

Jack Ma gilt als verschwunden

Am 4. April 1999 hat Jack Ma das chinesische E-Commerce-Unternehmen Alibaba gegründet. Heute zählt Alibaba zu den wichtigsten Firmen des Landes und der Gründer zu den reichsten Menschen der Welt. Trotzdem schützen weder Erfolg noch Einfluss in China davor, in den Fokus der Regierung zu geraten.

Welche Auswirkungen das konkret hat, erlebt Jack Ma seit Ende Oktober 2020 am eigenen Leib. Er gilt seit seinem Auftritt auf einem Finanzforum im Spätherbst des vorigen Jahres als verschwunden.


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In einem Gespräch auf dem Podium hat der Alibaba-Gründer öffentlich die internationale Finanzregulierung der chinesischen Regierung kritisiert. Auch vor den einflussreichen, staatlichen Banken machte Ma keinen Halt.

Ma-Vertrauter bestätigt Kontakt mit Alibaba-Gründer

Seit jenem kritischen Auftritt ist es um den sonst aktiven Milliardär sehr ruhig geworden. Deswegen haben sich in den vergangenen Wochen und Monaten immer mehr Medien mit der Frage beschäftigt, was eigentlich mit Ma passiert ist. Ist er untergetaucht? Lebt er noch?

Zumindest letztere Frage scheint nun beantwortet. Gegenüber David Faber, der als Journalist beim Nachrichtensender CNBC arbeitet, bestätigte eine nicht genannte Vertrauensperson, dass Jack Ma keinesfalls verschwunden, sondern lediglich untergetaucht ist.

Darum ist Alibaba-Gründer Jack Ma untergetaucht

Und auch der Grund für das bewusste Verschwinden des Milliardärs und die anhaltende Stille um den Gründer ist nun bekannt geworden. Dahinter steckt nach Recherchen der Financial Times die chinesische Regierung selbst.

Die Regierung hat alle Medien des Landes angewiesen, die komplette Berichterstattung rund um Jack Ma selbst, sein Unternehmen Alibaba sowie alle dazugehörigen Firmen, Vorgänge und Personen zu unterlassen. Somit wird klar: China hat Ma zur Staatsangelegenheit erklärt.

Was bedeutet das konkret? Alle Medien in China dürfen nur mit ausdrücklicher Erlaubnis über das laufende Kartellverfahren und andere Angelegenheiten berichten.

Sollten irgendwelche Unternehmensmitteilungen dem offiziellen Standpunkt widersprechen, veröffentlichen Sie sie nicht, verbreiten Sie sie nicht, zitieren Sie keine ausländischen Medien.

So zitiert die Financial Times die Anweisung der chinesischen Regierung an alle Publikationen.

China hat vor Jack Ma Angst

Die Anordnung und das strikte Vorgehen gegen Ma selbst und sein Unternehmen verdeutlichen, dass mehr dahinter steckt als die Kritik aus dem Oktober 2020. Vielmehr stellen der E-Commerce-Gigant und sein Gründer in gewisser Weise eine Gefahr für die Regierung in Peking dar.

Als reichster Mann Chinas hat Ma viel Einfluss in der chinesischen, asiatischen und auch globalen Weltwirtschaft. Er hat gute Beziehungen zu vielen wichtigen Personen und Entscheidern, was es wiederum schwieriger macht, ihn zu isolieren.

Indem die chinesische Regierung jedoch den vermutlich teuersten Börsengang der Geschichte von Ant Financial in sprichwörtlich letzter Sekunde im November 2020 verhindert und nur wenige Tage darauf ein Kartellverfahren aufgrund der Monopolstellung von Alibaba gestartet hat, zeigt China, wie wichtig es der Regierung ist, den Einfluss von Ma einzudämmen.

Ob das letztendlich dauerhaft gelingt, werden die kommenden Wochen und Monate zeigen. Fest steht jedoch schon heute, dass das Vorgehen gegen Jack Ma und Alibaba nur eines untermauert: China ist weit entfernt davon, eine Demokratie zu sein.

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Über den Autor

Christian Erxleben

Christian Erxleben ist seit Ende 2017 Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Ressortleiter Social Media und Head of Social Media bei BASIC thinking tätig. Durch seine Arbeit im Social-Media- und Marketing-Ressort der INTERNET WORLD Business, am Newsdesk von Focus Online und durch sein Journalismus-Studium sowie sein redaktionelles Volontariat hat er in den Bereichen der Redaktion und des Social Media Managements mehrjährige, fundierte Erfahrung gesammelt. Beruflich und privat beschäftigt er sich mit Social Media, New-Work-Konzepten und persönlicher Entwicklung.

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