Wirtschaft

Robinhood verbietet Gamestop-Käufe, aber es gibt (noch) Alternativen

Stier, Wall Street, New York, NYC, USA
Robinhood-App verbietet Nutzern den Kauf von Gamestop-Aktien. (Foto: Pixabay.com / ArtTower)
geschrieben von Marinela Potor

Die Aufregung um den Handel mit Gamestop-Aktien reißt nicht ab. Die neueste Entwicklung in dem Börsendrama: Die Trading-App Robinhood verbietet Nutzern jetzt den Kauf der Aktie. Andere Trading-Apps sind dem Beispiel schon gefolgt. Doch Käufer haben schon Alternativen gefunden. 

Robinhood hatte genug. Am Donnerstag fügte die Trading-App neue Nutzer-Einschränkungen ein. Das verkündete das Unternehmen in einem Online-Statement.

Konkret betreffen die Einschränkungen den Kauf von Aktien, die im beliebten Reddit-Thread r/wallstreetbets gehypt werden. Dazu gehören unter anderem Gamestop ($GME), AMC ($AMC), Blackberry ($BB), Bed Bath & Beyond ($BBBY) und Nokia ($NOK).


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Zwar dürfen Investoren und Robinhood-Nutzer ihre bestehenden Positionen noch abschließen. Doch der Kauf neuer Aktien ist erstmal nicht mehr möglich.

Robinhood begründet die Maßnahme mit der aktuellen „Unbeständigkeit“ des Marktes.

Reddit-Gruppe wollte Wall Street den Mittelfinger zeigen…

Das bezieht sich auf den derzeitigen Börsenhype, den eine Gruppe von Reddit-Nutzern ausgelöst hat. Die Nutzer rufen in dem Online-Forum dazu auf, Aktien von Unternehmen wie Gamestop oder Blackberry zu kaufen.

Damit wollen die Nutzer den traditionellen Hedgefonds an der Wall Street den Mittelfinger zeigen, die auf den Leerverkauf der Aktien dieser Firmen gesetzt hatten.

Anstatt, dass die Kurse für Unternehmen wie Gamestop fielen, worauf die Investoren gesetzt hatten, explodierten sie nun durch die Reddit-Aktion, und zwar massiv.

Robinhood spielte dabei für die Reddit-Nutzer eine entscheidende Rolle. Denn über die beliebte Börsen-App können nicht-professionelle Trader Aktien ohne Gebühren kaufen. Das hat es der Reddit-Gruppe ermöglicht, die Preise derart hochzutreiben. Zeitweise stieg der Kurs der Gamestop-Aktie um 4.500 Prozent.

Man kann sich sicherlich darüber streiten, wie legitim die Handlungen der Reddit-Nutzer sein mag.

Doch Robinhood hatte offenbar genug und wollte den künstlichen Kursaufstieg mit dem Kauf-Stopp aufhalten.

… nun hebt Wall Street die Faust

Das ist eine besonders krasse Maßnahme, wenn man sich überlegt, dass mehr als die Hälfte der Robinhood-Nutzer zumindest einige Gamestop-Aktien halten.

Robinhood steht damit aber nicht alleine da. Auch Interactive Brokers und Webull sowie traditionellere Trading-Firmen wie Charles Schwab und TD Ameritrade haben den Handel der betroffenen Aktien eingeschränkt, auch wenn einige von ihnen dies wieder aufgehoben haben.

Tatsächlich sind Trade-Stopps nicht unüblich, wenn Marktvolatilität befürchtet wird und man ein komplettes Börsenchaos verhindern möchte. Allerdings dauern diese Stopps in der Regel nur ein paar Minuten.

Im aktuellen Fall waren es eher Stunden und einige Trading-Apps und -Firmen haben bislang noch gar keine Zeitbegrenzung für die Handelsstopps genannt. Robinhood ist eine davon.

Robinhood-Konkurrenten freuen sich über Nutzerzuwachs

So ist es nicht überraschend, dass Reddit-Nutzer sich verraten fühlen, insbesondere von der Trading-App ihrer Wahl, Robinhood. Ein Nutzer schreibt auf Twitter, dass Privataktionäre von Robinhood eingeschränkt werden, während große Hedgefonds und internationale Händler weiter frei handeln können.

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Nutzer empfinden die Sperre von Robinhood als unfair. (Foto: Screenshot / Twitter)

Auch Politiker haben sich schon eingeschaltet. Die Abgeordnete Rashida Tlaib sagte:

Das ist mehr als absurd. Das Finanzkomitee der Demokraten sollte eine Anhörung zur Marktmanipulation von Robinhood abhalten. Sie blockieren die Möglichkeit zu handeln, um Wall Streets Hedgefonds zu beschützen, die Millionen von Dollar von ihren Nutzern stehlen, um Menschen zu schützen, die die Börse seit Jahrzehnten wie ein Casino benutzen.

In der Zwischenzeit suchen sich die frustrierten Investoren alternative Trading-Apps.

Webull zum Beispiel profitierte von einem Nutzer-Wechsel von Robinhood, als Webull den eigenen Handelsstopp aufhob.

Auch die Trading-App Public kann sich über einen Nutzer-Anstieg freuen. Public hatte ebenfalls den eigenen Kauf-Stopp relativ schnell wieder aufgehoben und profitierte so von der andauernden Robinhood-Sperre.

Vielleicht half es auch, dass die berühmte YouTube-Persönlichkeit Casey Neistat auf Twitter seinen Followern Public als Robinhood-Alternative empfahl. Später stellte Neistat noch klar, dass niemand seinem finanziellen Rat folgen sollte und er einer von Publics Investoren sei.

Allerdings kostet der Umzug von einer Trading-App zur anderen die Anleger auch wertvolle Zeit. Denn die Apps müssen bei neuen Nutzern die Anmeldungen prüfen und bewilligen. Das kann einige Tage dauern. Es ist zwar möglich, mit einem Portfolio von Robinhood zu Webull oder Public umzuziehen, was etwas schneller geht.

Auch das könnte die Privataktionäre aber wertvolle Zeit kosten.

In Deutschland wiederum sind viele dieser Apps für Nutzer gar nicht erst verfügbar. Doch auch hier sperrten Anbieter wie Trade Republic oder E Toro den Kauf der betroffenen Aktien, allerdings nur kurzfristig.

Das Drama geht weiter

Wie sich die Situation um die Aktien von Gamestop und Co. weiterentwickelt, ist völlig unklar.

Doch eins kann man jetzt schon sagen: Jetzt, wo Privatanleger, große Investoren, Technologie-Unternehmen, Handelsketten und Politiker in das Geschehen involviert sind, geht das Drama erst richtig los.

Update vom 1. Februar 2021: Wie erwartet, ist die Aufregung um Gamestop, Robinhood und die Reddit-Nutzer nach wie vor groß. Reddit hatte zwischenzeitlich das Subforum „WallStreetBets“ gelöscht. Auf der anderen Seite haben Betroffene eine Sammelklage gegen Robinhood eingereicht.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitäts- und Technologietrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

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