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WhatsApp-Alternativen unter der Lupe: Was kann der Offline-Messenger Bridgefy?

Bridgefy, Offline Messenger, Mesh Messenger
Screenshot / YouTube
geschrieben von Marinela Potor

Die meisten von uns nutzen WhatsApp, um im Alltag im Freundeskreis, mit der Familie und vielleicht auch im Job zu kommunizieren. Aber es gibt auch sichere und bessere Messenger auf dem Markt. Heute stellen wir dir den Offline-Messenger Bridgefy vor. 

So funktioniert das Bridgefy-Netzwerk

Bridgefy ist ein Mesh Messenger. Mesh Messenger funktionieren über eine lokal erzeugte Netzwerkverbindung, sodass du auch ohne Internetzugang Nachrichten verschicken kannst.

Diese Netzwerkverbindung erzeugen Mesh Messenger entweder über lokales WLAN (von Smartphone zu Smartphone) oder, wie im Fall von Bridgefy, über Bluetooth. Das bedeutet wiederum, dass der Messenger keine öffentlichen Strukturen wie Internet oder Mobilfunkmasten nutzt.

Genau darum werden derartige Mesh-Messenger auch Offline-Messenger oder Off-the-Grid-Messenger genannt. Diese Dienste sind sehr praktisch, wenn du Nachrichten verschicken möchtest, aber keine Internetverbindung hast – etwa beim Zelten oder auf einem Festival – oder deine Daten aufgebraucht hast.

Gleichzeitig gelten sie durch ihre Offline-Struktur als besonders sicher vor Überwachung. Ein weiterer Vorteil: Bluetooth benötigt weniger Akku-Leistung als Internetverbindungen. Mit den Offline-Messengern kannst du also auch deinen Akku schonen.

Bluetooth, Reichweite und Peer-to-Peer-Verbindungen

Bei Bridgefy reicht das Bluetooth-Netzwerk zwischen zwei Geräten jeweils 100 Meter weit. Das heißt: Die direkte Kommunikation funktioniert nicht auf große Distanzen. Wie kannst du also Nachrichten verschicken, wenn jemand nicht neben dir steht?

Dazu bildet Bridgefy ein Peer-to-Peer-Netzwerk (P2P). Dieses sorgt für eine Art Kettenverbindung zwischen Geräten, sodass das Signal von einem Gerät zum nächsten wandert, bis es am Ziel-Gerät ankommt. Die verschickte Nachricht kann nur der End-User lesen.

Damit das funktioniert, müssen alle Geräte die Bridgefy-App installiert haben, damit sie erkannt und als „Sprungbrett“ genutzt werden können.

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Mehrere Geräte sorgen dafür, dass das Signal weitergeleitet wird. (Foto: Screenshot / Bridgefy)

So registrierst du dich bei Bridgefy

Bridgefy ist aktuell der einzige Mesh-Messenger, den es sowohl für Android als auch für iOS gibt. Nachdem du den Messenger installierst, bekommst du einen Hinweis, dass alle Nachrichten verschlüsselt sind und du dein Bluetooth aktivieren musst. Logisch. Andernfalls kannst du die App schließlich nicht nutzen.

Die Anmeldung ist ebenfalls sehr unkompliziert. Du musst lediglich einen Nutzernamen auswählen. Damit akzeptierst du auch die AGB des Dienstes. Ein Blick darauf zeigt, welche Daten die App über dich sammelt.

Diese Daten sammelt Bridgefy über dich

In seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) listet das Unternehmen auf, welche persönlichen Daten gesammelt, gespeichert und an Dritte weitergeleitet werden. Allerdings: All das gilt nur für die Nutzung der Website, wo Bridgefy Cookies und Tracker nutzt. Die Bridgefy-Server stehen außerdem in den USA.

In den AGB gibt es aber keinen Hinweis darauf, dass bei der App-Nutzung Daten über dich gesammelt werden.

Allerdings greift die App (neben Bluetooth) auch auf deinen Standort zu. Das leuchtet ebenfalls ein, weil die App in der P2P-Funktion verbundene Geräte im nahen Umfeld sucht. Wenn du Fotos oder andere Dateien über die App verschicken möchtest, greift Bridgefy ebenfalls auf deinen lokalen Speicher zu.

So funktioniert der Chat

Sobald du dich angemeldet hast, kannst du theoretisch schon mit anderen chatten. Theoretisch. Denn praktisch funktioniert das natürlich nur, wenn andere Nutzer:innen in der Nähe sind und den Dienst ebenfalls installiert haben.

Beim Chat hast du drei Optionen: Du kannst privat direkt mit einer Person chatten, mit einer Person über längere Distanzen über das P2P-Netzwerk oder im „Broadcast-Modus“ eine Nachricht an alle Bridgefy-User in deiner Nähe verschicken.

Das ist zum Beispiel dann praktisch, wenn du in einer Gruppe unterwegs bist. Sehr viel mehr bietet Bridgefy dann allerdings auch nicht – außer dem Verschicken von Dateien. Du kannst zum Beispiel weder telefonieren noch gibt es einen Videochat.

So verschlüsselt Bridgefy deine Nachrichten

Wenn es um Nachrichtenverschlüsselung geht, hat Bridgefy hier aus bitterer Erfahrung lernen müssen. Das Start-up aus Mexiko musste nämlich im vergangenen Jahr zugeben, dass beim Messenger-Dienst gar nichts verschlüsselt war.

Hacker hatten es geschafft, Nachrichten zu lesen und sogar User-Identitäten vorzutäuschen und sich so in die angeblich privaten Gespräche einzuschleusen.

Das ist ziemlich peinlich für einen Messenger, der angeblich Aktivisti:nnen und Demonstrierende, etwa bei den Protesten in Hongkong, vor Regierungsübergriffen schützen sollte.

Doch Bridgefy hat seitdem nachgebessert. Seit Oktober 2020 nutzt der Dienst das Signal-Verschlüsselungsprotokoll mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und einige weitere Sicherheitsfeatures. Das Signal-Protokoll gilt als eines der sichersten Verschlüsselungsprotokolle der Welt und wird von vielen Messenger-Diensten genutzt.

Was kostet Bridgefy?

Für Privat-User ist die App gratis. Allerdings finanziert sich der Dienst eindeutig über Werbung – und diese wird sehr prominent und teilweise auch sehr störend angezeigt.

Für Unternehmen, die den Dienst nutzen möchten, gibt es ein Freemium-Modell. Außerhalb der Gratis-Version mit eingeschränkter Nutzung reichen monatliche Preise dabei zwischen 99 US-Dollar und 399 US-Dollar.

Taugt Bridgefy als Alternative für WhatsApp?

Bridgefy bietet weniger eine Alternative zu WhatsApp, sondern vielmehr eine Ergänzung. Denn mit seinem Offline-Messaging hast du mit der App die Möglichkeit, auch ohne Internetempfang oder Mobilfunknetz Nachrichten zu verschicken – also immer dann, wenn du weder SMS verschicken noch WhatsApp nutzen kannst.

Damit kann der Service in gewissen Situationen – etwa nach Naturkatastrophen, auf Reisen oder in Orten ohne Empfang – extrem hilfreich sein.

Da der Offline-Messenger aber lediglich Nachrichten und Dateien verschicken kann, fehlen viele Funktionen, wie etwa das Telefonieren oder der Videochat. Gleichzeitig ist das Kommunizieren auf sehr große Entfernungen eventuell nicht immer möglich.

So kann Bridgefy eher als Notfall-App für die Kommunikation herhalten, Messenger-Dienste wie WhatsApp aber nicht wirklich ersetzen.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitäts- und Technologietrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

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