Grün Technologie

Diese Anlage in Hamburg verwandelt CO2 in Strom und Wärme

CC4E Energie-Campus, Hamburg, HAW, Direct Air Capture
Screenshot / YouTube
geschrieben von Marinela Potor

In Norddeutschland ist die erste Anlage für Direct Air Capture in Betrieb gegangen. Die Anlage entnimmt CO2 aus der Luft und verwandelt es in Strom und Wärme. Noch ist der Prozess „nur“ CO2-neutral. Doch das soll sich ändern.

Mit Direct Air Capture CO2 der Luft entnehmen

Abgase aus Autos, Emissionen von Industrieschloten, Rauchwolken von Waldbränden: In Deutschland allein wurden 2020 rund 739 Millionen Tonnen Treibhausgase freigesetzt.

Kohlendioxid (CO2) ist dabei nicht das einzig schädliche Klimagas, das entsteht. Doch es ist eines der problematischsten. Darum konzentrieren sich viele Klima-Anstrengungen darauf, die CO2-Konzentration in der Atmosphäre zu reduzieren.

Ein Weg ist natürlich: weniger CO2 ausstoßen. Das fängt beim Strom aus erneuerbaren Energien an und reicht bis zum Elektroauto. Gleichzeitig ist auch klar: Allein dadurch können wir (vermutlich) die gesetzten Klimaziele nicht rechtzeitig erreichen. Genau darum setzt die Forschung auch am anderen Ende an: CO2 aus der Atmosphäre entnehmen.

Das Wiederauffangen von CO2 aus der Luft – je nach konkretem Verfahren auch CO2-Sequestrierung, CO2-Adsorption oder Direct Air Capture genannt – ist ein Verfahren, an dem derzeit viele Forschungseinrichtungen weltweit arbeiten, so auch die Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) in Hamburg.

Hier ist nun am Technologiezentrum Energie-Campus die erste Direct Air Capture Anlage in Norddeutschland in Betrieb genommen worden.

So funktioniert die Direct Air Capture in Hamburg

Mittels Direct Air Capture verwandelt die Anlage schädliches CO2 in nachhaltige Wärme und Strom. Dazu filtert die Anlage CO2 aus der Umgebungsluft. Dieses wird dann bereinigt und zusammen mit grünem Wasserstoff in einen Bioreaktor geschickt.

Der Wasserstoff aus Elektrolyse kommt aus einer benachbarten Anlage auf dem Energie-Campus. Einzeller verwandeln dann beide Gase in Methan. Dieses wiederum lässt sich später dazu nutzen, um in einem Heizkraftwerk Strom und Wärme zu erzeugen. Dies kann immer dann eingesetzt werden, wenn die Stromerzeugung aus Wind und Solarkraft nicht ausreicht.

Beim Verbrennen des Methans entsteht zwar wieder CO2. Die Menge entspricht aber genau dem Anteil, der vorher aus der Luft entnommen wurde, sagt das Forschungsteam der HAW. So ist der Prozess zwar nicht CO2-negativ, aber immerhin CO2-neutral.

Genau das ist aber im nächsten Schritt geplant, sagt Hans Schäfers, Leiter des Technologiezentrums Energie-Campus: „Zukünftig wollen wir zeigen, wie sich auf diese Weise und mit Hilfe erneuerbarer Energien auch negative CO2-Emissionen erreichen lassen.“

Technologie im großen Maßstab

Bislang testet die Stadt das Projekt erst im kleinen Maßstab. Jens Kerstan, Senator für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft, hofft jedoch, dass sich die Technologie skalieren lässt.

Ich hoffe sehr, dass sich diese Technologie in naher Zukunft auch im großen Maßstab einsetzen lässt – das wäre ein kaum zu unterschätzender Beitrag aus Hamburg für die weltweiten Bemühungen um mehr Klimaschutz.

Die Direct Air Capture Anlage ist Teil des Projektes Closed Carbon Loop, das das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der Projektpartnerschaft X-Energy fördert.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitäts- und Technologietrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

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