Bundesarbeitsgericht, Urteil, Kurzarbeit, Urlaub

Bei Kurzarbeit verringert sich der Urlaubsanspruch

Marcel
von Marcel
Bundesarbeitsgericht (BAG)

Viele Unternehmen haben ihre Angestellten pandemiebedingt in Kurzarbeit geschickt. Aber was bedeutet das für den Urlaubsanspruch der Betroffenen? Darüber entschied nun das Bundesarbeitsgericht in Erfurt. Eine anteilige Kürzung der Urlaubstage durch den Arbeitgeber sei demnach rechtens. 

Angestellte, die sich in vollständiger Kurzarbeit befinden, der sogenannten Kurzarbeit Null, müssen künftig mit einer Kürzung ihrer Urlaubstage rechnen. Das entschied das höchste deutsche Arbeitsgericht am 1. Dezember 2021 in Erfurt. Für viele Angestellte stellt das Urteil derweil eine wegweisende Entscheidung dar.

Denn es schließt laut den Juristen eine Lücke bei der Urlaubsregelung in Kurzarbeit. Zum Zenit der Pandemie im vergangenen Jahr befanden sich laut Bundesagentur für Arbeit insgesamt rund sechs Millionen Menschen in Kurzarbeit.

Smarter als dein Feed

Lass dich mit unserem Tech-Briefing UPDATE bei KI und den Tech-News von morgen nicht abhängen – kostenlos täglich in der Inbox von über 13.000 Lesern.

Mehrere PDFs Mockup

Gratis zur Anmeldung:
Zugriff auf alle PDF-Guides

Mit deiner Anmeldung akzeptierst du unsere Datenschutzerklärung.

Entscheidung beruht auf der Klage einer Verkäuferin

Das Urteil basiert auf der Klage einer Frau aus Essen, die drei Tage pro Woche als Verkaufshilfe arbeitete. Im vergangenen Jahr hat ihr Arbeitgeber sie aufgrund des Lockdowns für mehrere Monate in Kurzarbeit Null geschickt. Ihr Betrieb kürzte daraufhin auch ihren Urlaubsanspruch um einige Tage.

Die Frau hatte zuvor schon zwei Verfahren hinter sich. Im Oktober 2020 wies das Arbeitsgericht Essen die Klage gegen ihren Arbeitnehmer jedoch zurück. Nach einer Berufung bestätigte das Landesarbeitsgericht Düsseldorf die Entscheidung des Arbeitsgerichts.

Nun hat auch die höchste Instanz die beiden vorherigen Urteile bekräftigt. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat die Klägerin zuvor unterstützt. Der Dachverband der Einzelgewerkschaften hatte selbst gegen Urlaubskürzungen bei der Arbeitspflichtbefreiung gekämpft.

Fehlende Arbeitspflicht bei Kurzarbeit als Begründung

Das Arbeitsgericht Essen begründete sein Urteil im Oktober damit, dass die Frau für den Zeitraum April bis Juli 2021 in vollständiger Kurzarbeit war. Daher hat sie in diesem Zeitraum keine Arbeitsleistung erbracht. Gemäß dem Bundesurlaubsgesetz ergab sich demnach kein Urlaubsanspruch.

Die Verkäuferin war dabei in einer 3-Tage-Woche tätig. Ihr jährlicher Urlaubsanspruch belief sich auf 14 Tage. Das vereinbarte sie zuvor mit ihrem Betrieb. Sie behauptete allerdings, der Anspruch bestünde auch unabhängig von der Arbeitsleistung.

Das Gericht stimmte hier zwar zu. Allerdings sei eine Arbeitspflicht Voraussetzung für den Urlaubsanspruch. Zudem stimme das Urteil des Arbeitsgerichts mit dem EU-Recht überein.

Folgen für Millionen Angestellte in Kurzarbeit

Das neue Urteil könnte für Millionen Arbeitnehmer:innen immense Folgen haben. Denn aktuell grassiert die vierte Welle der Pandemie. Bei einem möglichen neuen Lockdown würden viele Betriebe ihre Angestellten vermutlich erneut in Kurzarbeit schicken müssen.

Vom Urteil betroffen sind dabei aber nur Angestellte, die vollständig von der Arbeitspflicht befreit sind (Kurzarbeit Null).

Zeitlich ist das Urteil dabei passend. Denn erst vor Kurzem hat das Bundesarbeitsministerium den erleichterten Zugang zur Kurzarbeit bis zum 31. März 2022 verlängert. Ob die Entscheidung des Gerichts jedoch immer umgesetzt wird, ist fraglich.

Denn nach einer Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigt sich, dass nur jedes neunte Unternehmen den Urlaubsanspruch von kurzarbeitenden Mitarbeiter:innen anpasste. Das Urteil könnte jedoch für die Betriebe ein Anstoß dafür sein, dieses in die Praxis umzusetzen.

Unser Zins-Tipp

Eröffne jetzt dein kostenloses Myntro Festgeld und erhalte 3,43 Prozent Zinsen auf dein Geld – und das garantiert für 12 Monate!


Jetzt Zinsen sichern

Anzeige

Auch interessant: 

Google lässt dich jetzt selbst bestimmen, welche Quellen du in der Suche häufiger siehst. Mit zwei schnellen Klicks kannst du BASIC thinking kostenlos als bevorzugte Quelle hinzufügen und damit unabhängigen Tech-Journalismus unterstützen. Vielen Dank!

STELLENANZEIGEN
Internship in Modeling and Simulation of Heat...
Bosch Gruppe in Wernau (Neckar)
Social-Media- und Community-Manager Health (m...
MedicalContact AG in Essen
Praktikant*in E-Commerce / Online Marketing (...
Chantelle Lingerie GmbH in Düsseldorf
Online Marketing Manager*in (m/w/d)
diind GmbH in Hamburg
Werkstudent (m/w/d) E-Commerce und Onlinemark...
Protina Pharmazeutische GmbH in Ismaning
Werkstudent (m/w/d) Content Writer/ Content T...
pso vertriebsprogramme GmbH in Köln
(Senior) Paid Social Marketing Manager (m/w/d)
Instaffo GmbH in München
Referent (m/w/d) Social Media und Onlinekommu...
Würth Deutschland in Kuenzelsau
THEMEN:
Teile diesen Artikel
Marcel hat von Oktober 2021 bis Januar 2022 als freier Autor für BASIC thinking geschrieben.