Grün Technologie

Autoflight: Chinesisches Unternehmen will Flugtaxis über Bayern fliegen lassen

Autoflight, Prosperity I. Flugtaxi
Autoflight
geschrieben von Marinela Potor

Süddeutschland scheint sich immer mehr zum Flugtaxi-Standort zu entwickeln. Neben Airbus, Volocopter und Lilium möchte nun auch das chinesische Unternehmen Autoflight seine Flugtaxis über Augsburg fliegen lassen. Doch das Unternehmen braucht noch die europäische Genehmigung. 

Während Flugtaxis über unseren Städten noch keine Realität sind, arbeiten Unternehmen im Hintergrund eifrig an der Technologie. Besonders beliebt als Forschungs- und Unternehmensstandort scheint dabei Süddeutschland zu sein.

Airbus testet etwa seinen City-Airbus im bayrischen Donauwörth. Und auch die Start-ups Lilium in Weßling bei München sowie Volocopter in Bruchsal bei Karlsruhe haben sich in dieser Region angesiedelt. Nun kommt ein weiteres Unternehmen aus China hinzu: Autoflight. Dieses möchte seinen Prototyp ab 2023 über Augsburg fliegen lassen.


Neue Stellenangebote

Praktikum Marketing Social-Media Redaktion / Presse / Publishing *
enercity AG in Hannover
Praktikum Praktikant/in Social Media Marketing (m/w/d)
Deutsche Gesellschaft für wirtschaftliche Zusammenarbeit mbH in Bad Homburg v.d. Höhe
Social Media Manager (m/w/d)
Bartels-Langness Handelsgesellschaft mbH & Co. KG in Kiel

Alle Stellenanzeigen


Autoflight will Zertifizierung bis 2025

Wie die Konkurrenz hat sich auch Autoflight auf elektrisch betriebene, senkrecht startende Helikopter (eVTOL) spezialisiert. Das Unternehmen mit Sitz in Shanghai möchte in Augsburg seinen ersten Europastandort aufbauen.

Zunächst soll dabei ein Zertifizierungszentrum entstehen, teilt das Unternehmen mit. Denn für das Fluggerät namens „Prosperity I“ fehlt noch die Genehmigung der europäischen Flugsicherheitsagentur EASA. Das Zertifizierungsprogramm soll schon in diesem Jahr starten und bis spätestens 2025 abgeschlossen sein. Ein Prototyp soll schon 2023 über Augsburg fliegen, sagte das Unternehmen der Deutschen Presseagentur.

Leiter des Augsburger Zentrums ist Mark R. Henning. Henning wiederum ist sowohl mit der Region als auch der Branche bestens vertraut. Er studierte an der Technischen Universität München und bringt 26 Jahre Erfahrung in der Luftfahrt mit. Zuletzt arbeitete er auch als Manager für Airbus im benachbarten Donauwörth.

Die Nähe zum Flugkonzern sowie zur TU München, und damit zu vielen Talenten, könnte auch ein Grund sein, warum Autoflight sich in Augsburg niederlassen möchte. Und es schadet sicherlich auch nicht, dass die Landesregierungen von Baden-Württemberg und Bayern großzügige Fördermittel für Flugtaxi-Unternehmen bereitstellen.

Autoflight: „Sicherheit das oberste Gebot.“

Für Autoflight ist es wiederum der erste Versuch, ein bemanntes Flugtaxi zu entwickeln. Bislang hatte sich das Unternehmen auf unbemannte Drohnen spezialisiert. Prosperity I dagegen soll im ersten Schritt mit vier Personen fliegen, einem Piloten oder einer Pilotin sowie drei Passagieren.

„Sicherheit ist für Autoflight das oberste Gebot“, sagt Gründer und CEO Tian Yu. „Prosperity I soll genauso sicher wie ein Linienflugzeug sein.“ Langfristig ist jedoch vermutlich ein autonomer Flugbetrieb geplant.

Das Flugtaxi soll eine Reichweite von etwa 250 Kilometern bieten und bis zu 180 Kilometer pro Stunde fliegen können. Preislich strebt Henning eine Grenze von 50 Euro an, wie er gegenüber der Augsburger Allgemeinen sagte. „Es muss möglich werden, einen Flug beispielsweise von München nach Augsburg für 50 Euro pro Person oder darunter anzubieten“, sagte Henning.

Tatsächlich peilen die meisten Flugtaxi-Unternehmen eher längere Strecken an, etwa von München nach Frankfurt oder Flüge über verkehrslastige Metropolen wie Dubai, Singapur oder Los Angeles. Denn Flugtaxis entwickeln ihren Vorteil immer besonders dann, wenn sie schneller und bequemer als Züge oder Autos sein können.

Skepsis in der Bevölkerung

Doch bevor erste Flugtaxis mit Passagieren abheben, könnten noch viele Jahre vergehen. Die meisten Unternehmen sind hier noch in der Test- und Entwicklungsphase. Bislang fehlt auch noch eine breite Akzeptanz in der Bevölkerung.

Das zeigt etwa eine aktuelle Umfrage im Auftrag des Lufttaxi-Unternehmens Horizon Aircraft aus den USA. Horizon fragte Bürger:innen in Nordamerika, Europa sowie in Asien nach ihrer Einstellung zu Flugtaxis.

Während 87 Prozent der Befragten aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und 82 Prozent der Befragten aus Indien sagten, sie würden sich darauf freuen, in Zukunft per E-Helikopter reisen zu können, sieht das Stimmungsbild in Europa und Nordamerika nicht ganz so euphorisch aus.

In Deutschland freuen sich lediglich 68 Prozent der Befragten auf Flugtaxis. Im Vereinigten Königreich sind es 41 Prozent und in Kanada nur 39 Prozent. Neben der Entwicklung der Fluggeräte müssen die Flugtaxi-Unternehmen also vor allem noch Überzeugungsarbeit in der Bevölkerung leisten.

Investor:innen wiederum sind schon längst überzeugt. Zahlreiche Flugtaxi-Unternehmen, darunter auch Lilium, haben sich in den vergangenen Monaten über SPAC-Deals ihre Börsengänge gesichert.

Auch interessant: 

Werbung


Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitäts- und Technologietrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

Kommentieren