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EU will Recht auf Reparaturen und sagt Greenwashing den Kampf an

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Unsplash.com/ Christian Lue
geschrieben von Beatrice Bode

Die Europäische Union will Nachhaltigkeit zur Norm machen. Produkte sollen länger haltbar und besser reparierbar sein. Zudem soll die Produktion weniger Energie verbrauchen. Dabei helfen sollen einige neue Gesetzesänderungen. 

Mit dem sogenannten Green Deal will die Europäische Kommission das Ende der Wegwerfgesellschaft herbeiführen. Am Mittwoch, dem 30. März 2022, legte die Europäische Union (EU) Vorschläge für Gesetzesänderungen vor, die die Kreislaufwirtschaft stärken sollen.

Demnach sollen nahezu alle Produkte auf dem EU-Markt während ihres gesamten Lebenszyklus haltbarer gemacht werden oder repariert sein. Darüber hinaus sollen Waren wiederverwendet oder recycelt werden können. Zudem sollen Verbraucher:innen umfassender über Nachhaltigkeit von Produkten informiert werden.

„Es ist höchste Zeit, dass wir das Modell der Wegwerfgesellschaft ad acta legen, das für unseren Planeten, unsere Gesundheit und unsere Wirtschaft so schädlich ist“, so Exekutiv-Vizepräsident Frans Timmermans.

Dies sind die wichtigsten Vorschläge der EU

Medienberichten zufolge beziehen sich die neuen Vorschläge für Gesetzesänderungen unter anderem auf die Bereiche Elektronik, Kleidung, Haushalt und Transparenz.

Elektronische Geräte sollen länger haltbar werden

Verbraucher:innen sollen Zugang zu austauschbaren Akkus und einfacheren Reparaturen haben. Zudem sollen Softwareupdates länger aktuell sein. Aktualisierungen sollen die Laufzeit eines Gerätes stärken anstatt Verbraucher:innen zum Kauf neuer Waren zu zwingen.

Laut Timmermans solle ein Smartphone seine Funktionalität nicht verlieren, nur weil der Akku seine Stärke verliere. Außerdem seien auch Vorgaben für Recyclinganteile möglich. Per Eco-Designregeln solle zudem der Energieverbrauch von elektronischen Geräten transparenter werden.

Bei Geräten wie Waschmaschinen, Kühlschränken oder Lampen sei dies bereits gebräuchlich. Eine Skala von A bis G gebe demnach die Effizienz eines Produktes an. Produktpässe sollen außerdem die Lieferkette offen legen. Darüber hinaus sollen kaputte Teile austauschbar sein. Öfen, Klimageräte oder auch andere Heiz- und Kühlgeräte sollen strengeren Vorgaben unterliegen.

Hersteller müssten Verbraucher:innen in Zukunft darüber informieren, falls eine Softwareaktualisierung die Lebensdauer eines Gerätes einschränke. Darüber hinaus sollen Kund:innen über die Reparatur der Produkte unterrichtet werden. Außerdem soll die exakte Mindesthaltbarkeit der Geräte für Nutzer:innen einsehbar werden.

Das Ende der „Fast Fashion“

Auch Kleidung soll laut EU haltbarer, recyclebarer und nachhaltiger werden. Sie will verpflichtende Mindestwerte festlegen, die den Anteil recycelter Materialien vorschreiben.

Durch einfacherer Ausbesserungsmöglichkeiten soll Kleidung zudem länger tragbar werden. Mit den neuen neuen Maßnahmen will die EU auch die Freisetzung von Mikroplastik regeln.

„Verbaucher:innen können hochwertige Textilien länger nutzen, „Fast Fashion“ kommt aus der Mode und wirtschaftlich rentable Wiederverwendungs-und Reparaturdienste sollten allgemein zugänglich sein“, heißt es von Seiten der EU.

Mit der Strategie für nachhaltige und kreislauffähige Textilien sollen Textilerzeugnisse bereits bis 2030 haltbarer und recyclebarer werden.

Mehr Transparenz über Nachhaltigkeit von Produkten

Vor allem das sogenannte Greenwashing soll durch neue Gesetzesvorhaben unterbunden werden. Angaben wie „grün“ oder „umweltfreundlich“ sollen demnach verboten werden, sofern sie nicht eindeutig nachgewiesen seien.

Sofern nur ein Teil eines Gerätes umweltverträglich ist, solle diese Aussage in Zukunft nicht mehr für das gesamte Produkt getroffen werden.

Verbraucher:innen sollen somit transparentere Informationen über die ökologische Nachhaltigkeit von Produkten bekommen und vor Grünfärberei geschützt werden.

Diese Vorteile könnten durch die Gesetzesänderungen entstehen

Mit den am Mittwoch vorgelegten Vorschlägen präsentiere die EU nach eigenen Angaben die Instrumente für den Übergang zu einer echten Kreislaufwirtschaft, die nicht mehr von Energie- und Ressourcenabhängigkeit geprägt sei.

Außerdem könne die Ökonomie externen Schocks besser standhalten. Darüber hinaus werde die Natur und die menschliche Gesundheit respektiert.

Bestehende Ökodesign-Vorschriften der EU haben in der Vergangenheit bereits zu Einsparungen für Verbraucher:innen geführt. Allein 2021 konnten EU-Bürger:innen laut Angaben der Kommission Energiekosten in Höhe von 120 Milliarden Euro einsparen. Zudem sei der Energieverbrauch insgesamt um zehn Prozent gesunken.

„Bis 2030 können dank des neuen Rahmens 132 Millionen Tonnen an Primärenergie eingespart werden, was etwa 150 Milliarden Kubikmetern Erdgas und damit fast der Gesamtheit der russischen Erdgasimporte der EU entspricht“, teilte die EU mit.

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Über den Autor

Beatrice Bode

Beatrice ist freie Autorin und Videografin. Ihr Studium der Kommunikations - und Medienwissenschaften führte sie über Umwege zum Regionalsender Leipzig Fernsehen, wo sie als CvD, Moderatorin und VJ ihre TV-Karriere begann. Nach einem Zwischenstopp als Content Creator und Reporterin bei Antenne Thüringen landete sie vor einigen Jahren als Cutterin bei der 99pro media GmbH. Vor einiger Zeit hat sie allerdings ihre Sachen gepackt und ist in die Dominikanische Republik gezogen, um dort als Taucherin die Rettung der Korallenriffe zu unterstützen. Von dort aus schreibt sie nun als freie Autorin für BASIC Thinking.

1 Kommentar

  • „Allein 2021 konnten EU-Bürger:innen laut Angaben der Kommission Energiekosten in Höhe von 120 Milliarden Euro einsparen. Zudem sei der Energieverbrauch insgesamt um zehn Prozent gesunken.“
    Dann sollte die Kommission sich aber auch dafür stark machen, dass die EU-Bürger die eingesparten 120 Mrd. nicht den Energiekonzernen durch stetig steigende Preise zurückvergüten müssen.

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