Grün

Mit diesen 5 Tricks gaukeln Unternehmen dir vor, dass sie nachhaltig sind

Pinsel, Farbpinsel, Farbe, grün, Greenwashing
Pixabay.com / Darkmoon_Art
geschrieben von Marinela Potor

Nachhaltigkeit ist vielen Unternehmen wichtig. Doch es gibt auch Unternehmen, die das Grün-Sein nur als Image-Kampagne sehen und dabei gewaltig schummeln. Damit du Greenwashing besser erkennen kannst, zeigen wir dir die fünf häufigsten Tricks.

Umweltliebe, Klimaschutz und grüner Lifestyle: Mit solchen Begriffen schmücken sich viele Unternehmen sehr gerne. Doch nicht überall, wo Nachhaltigkeit drauf steht, ist auch Öko drin. Tatsächlich gibt es einige bewusste Strategien, mit denen Unternehmen dir nur vorgaukeln, dass sie nachhaltig sind.

Damit du ein besseres Auge dafür bekommst, welche Unternehmen es mit dem Klimaschutz wirklich ernst meinen, stellen wir dir im Folgenden die fünf häufigsten Greenwashing-Tricks vor.


Neue Stellenangebote

Senior Social Media Manager:in (m/w/d)
Just Spices GmbH in Düsseldorf
Social Media Manager/-in (m/w/d)
Bundesverband Mineralische Rohstoffe e.V. in Berlin
Praktikant/in Social Media
Little Dot Studios in München

Alle Stellenanzeigen


Was ist Greenwashing?

Nachhaltigkeit wird für Verbraucher:innen immer wichtiger. Ethische Werte des Unternehmens, wie etwa Umweltbewusstsein, geben tatsächlich bei der Kaufentscheidung häufig den Ausschlag.

Einer aktuellen Deloitte-Umfrage zufolge, entscheidet sich rund ein Drittel der Verbraucher:innen bewusst gegen eine Marke, wenn diese nicht nachhaltig erscheint. Entsprechend versuchen Unternehmen sich als „grün“ zu positionieren, um so ihren Umsatz zu steigern. Dagegen spricht erstmal nichts.

Beim Greenwashing, also beim Grünwaschen, geht es aber darum, dass man als Unternehmen seinen dreckigen Ruf als Umweltsünder reinwaschen möchte, ohne dass die der Öffentlichkeit präsentierten Maßnahmen auch wirklich grün sind.

Greenwashing bedeutet also nicht, dass ein Unternehmen sich bemüht, nachhaltiger zu agieren. Vielmehr ist es eine Kritik daran, dass gewisse Marken Nachhaltigkeit nur als PR-Strategie nutzen, ohne dass ihr Angebot nachhaltig ist.

Greenwashing ist nicht gleich Greenwashing

Greenwashing erfolgt dabei auf einem Spektrum.

Die sanfteste Form des Grünwaschens ist, wenn eine Marke eine Maßnahme als „grün“ nach außen hin verkauft, es intern aber gar nicht darum ging. Eine etwas frechere Variante ist es, bewusst mit Sprache, Symbolen oder Farben zu spielen, damit alle denken, ein Produkt sei nachhaltig.

Und die krasseste Form von Greenwashing sind natürlich Lügen, bei denen ein Unternehmen behauptet, ein Produkt sei nachhaltig, dies aber eine klare und bewusste Lüge ist. Ein Beispiel dafür wäre der Dieselskandal.

Als Verbraucher:in ist es daher gar nicht immer so einfach zu erkennen, was Greenwashing ist und in welcher Form es uns begegnet. Die folgenden Beispiele sollen darum verdeutlichen, welche Tricks Unternehmen am häufigsten nutzen.

1. Grüne Sprache

Wir verbinden bestimmte Wörter mit Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Dazu gehören Begriffe wie „grün“, „Natur“, „handgemacht“ oder „kontrollierter Anbau“. Sie wirken irgendwie nachhaltig und als umweltbewusster Mensch greift man vielleicht gerade wegen dieser Ausdrücke zu einem Produkt.

Doch viele dieser Begriffe sind nicht rechtlich geschützt. Das heißt: Sie können alles und nichts bedeuten. Ein Unternehmen kann ein Produkt in einer kohlebetriebenen Fabrik in China fertigen und „kontrolliert“ auf die Packung schreiben.

Anders ist das bei Begriffen, die geschützt sind, wie etwa „Bio“ oder „ökologisch“. Diese Wörter dürfen nur dann verwendet werden, wenn Produkte nach den EU-Richtlinien des ökologischen Landbaus erfolgen.

2. Greenwashing-Siegel

Sehr ähnlich verhält es sich auch mit den grünen Siegeln. Es gibt einige Unternehmen, die Fantasie-Siegel benutzen, die zum Beispiel Wörter wie „Gut für die Umwelt“ verwenden. Diese Siegel sagen aber rein gar nichts über die Nachhaltigkeit von Produkten aus.

Hier solltest du dich daher strikt an etablierten Siegeln orientieren, wie etwa dem EU-Bio-Siegel, Siegel von ökologischen Anbauverbänden (Bioland, Naturland, Demeter) dem Blauen Engel oder auch TÜV-Siegeln. Eine gute Übersicht über zertifizierte Siegel findest du auf der Website Siegelklarheit oder unter Label-Online.

Es gibt übrigens auch andere Varianten der Siegel-Trickserei. So bewerben einige Kosmetikkonzerne beispielsweise ihre Produkte in der EU gerne damit, dass sie nicht an Tieren getestet seien. Vermutlich greifst du dann eher zur tierversuchsfreien Creme als zu der, bei der das nicht erwähnt wird.

Nur: Tierversuche an Kosmetika sind in der EU seit 2013 verboten. Damit verkaufen sich also einige Unternehmen als besonders nachhaltig, obwohl sie es im Vergleich nicht unbedingt sind.

3. Trügerische Bilder

Neben Siegeln und Wörtern gibt es auch eine Bildersprache, die wir mit Umweltschutz verbinden. Dazu gehört die Farbe „grün“ oder Bilder von Bäumen oder Blättern. Viele Marken, die konventionelle Produkte anbieten, nutzen gerne solche Bilder, um zu suggerieren, dass ihre Produkte nachhaltig seien.

Das ist oft schwer zu durchschauen. Hier solltest du darauf achten, ob das Produkt zusätzlich ein Umwelt-Label aufweist. Fehlt dieses, handelt es sich höchstwahrscheinlich um Greenwashing.

Und: Marken, die wirklich Wert auf nachhaltige Verpackung legen, haben in der Regel nicht sehr aufwändige Hochglanzverpackungen.

4. Konsum statt Nachhaltigkeit

Da die meisten Verbraucher:innen grün gewaschene Bilder, Sprache oder Siegel durchschauen, gehen viele Unternehmen mittlerweile subtiler vor. Ein besonders guter Trick ist es, Konsum statt Nachhaltigkeit zu promoten – dies aber unter dem Deckmantel des Klimaschutzes.

So bieten viele Unternehmen beispielsweise mittlerweile an, den CO2-Abdruck eines Produktes für dich freiwillig zu kompensieren. Das ist aber unter Umständen nur an der Oberfläche klimafreundlich. Denn die Unternehmen suggerieren: „Du kannst ohne Bedenken weiter viel konsumieren, wir gleichen das für dich aus.“

Das nimmt dir das schlechte Gewissen, hilft aber nur bedingt dem Klima. Denn im Endeffekt sorgen solche Aktionen eher dafür, dass man genau wie vorher (zu viel) kauft, anstatt mit weniger Konsum das Klima wirklich zu schonen.

Noch problematischer wird es, wenn die CO2-Kompensation nicht wirklich dem Konsum entspricht – wie es beispielsweise dem Ölkonzern Shell vorgeworfen wird.

5. Ein bisschen Öko hier – und extrem schädlich dort

Eine weitere Form des Greenwashing ist es, wenn Unternehmen einerseits ihre grünen Initiativen besonders stark in den Vordergrund rücken, sie andererseits aber der Umwelt auf anderer Ebene massiv schaden.

Wenn also zum Beispiel ein Lieferdienst öffentlichkeitswirksam verkündet, er nutze nur noch Papierverpackung statt Plastik, ist das natürlich gut fürs Klima. Doch wenn diese Lieferungen ohne effiziente Routenplanung und auch noch in Verbrennerautos ankommen, ist der Umwelt mit der Papierverpackung nicht sonderlich geholfen.

Eine Variante dieser Schummelei ist es, wenn ein Unternehmen verschiedene Marken vertreibt, die Verbraucher:innen nicht unbedingt miteinander in Verbindung bringen. So kann es sein, dass ein Unternehmen eine Öko-Marke im Angebot hat, der Rest der Produktpalette aber nicht nachhaltig ist.

Unwissende kaufen also eventuell das Öko-Produkt, wissen allerdings nicht, dass sie damit ein Unternehmen unterstützen, das nicht durchweg nachhaltig agiert.

Greenwashing im Alltag erkennen

Im Alltag ist es nicht leicht, Greenwashing direkt zu erkennen. Schließlich willst du auch nicht drei Stunden vor dem Einkaufsregal stehen, bevor du dich für ein Produkt entscheidest.

Achte daher in erster Linie auf geschützte Siegel und Begriffe und informiere dich nach und nach über verschiedene Marken, die du häufig kaufst.

Wirklich nachhaltige Unternehmen sind in der Regel sehr transparent, wenn es um ihren CO2-Abdruck geht und zeigen ehrlich auf, wie sie nachhaltig agieren, in welche Umweltprojekte sie investieren und auch, wo sie noch Verbesserungsbedarf haben.

Auch interessant: 

mittwald

Werbung


Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitäts- und Technologietrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

Kommentieren