Wirtschaft

Was junge Unternehmen bei einer Zusammenarbeit beachten sollten

Zusammenarbeit, Teamwork, Start-ups, Unternehmen, Gründer
Adobe Stock/ Rawpixel.com
geschrieben von Carsten Lexa

In vielen Unternehmen und Start-ups wird Zusammenarbeit groß geschrieben, sei es im Gründerteam, sei es mit den ersten Mitarbeitern, sei es mit Geschäftspartnern oder Lieferanten. Doch was genau bedeutet “Zusammenarbeit” eigentlich? Ein Beitrag von Carsten Lexa und Ralf Hasford. 

Oftmals ist unklar, was Zusammenarbeit überhaupt ist. An einer sorgfältigen Unterscheidung wird jedoch der Erfolg von Zusammenarbeit sichtbar. In diesem Beitrag von Ralf Hasford und mir geht es deshalb um die verschiedenen Stufen von Zusammenarbeit. Außerdem: die Besonderheiten, Einsatzbereiche und Auswahlkriterien.

Zusammenarbeit als Strategie

“Sie haben eine Strategie für Zusammenarbeit?”. Diese Frage war der Ausgangspunkt, der die systematische Betrachtung von Zusammenarbeit ins Rollen brachte. Denn Zusammenarbeit ist etwas, von dem immer und überall die Rede ist, insbesondere im unternehmerischen Bereich. Eine strategisiche Herangehensweise für Zusammenarbeit ist jedoch oftmals nicht zu erkennen, geschweige denn wird die Notwendigkeit dafür gesehen.


Neue Stellenangebote

Growth Marketing Manager:in – Social Media
GOhiring GmbH in Homeoffice
Senior Social Media Manager:in im Corporate Strategy Office (w/d/m)
Haufe Group SE in Freiburg im Breisgau
Social Media Content Creator (m/w/d)
KLINIK BAVARIA Kreischa / Zscheckwitz in Kreischa

Alle Stellenanzeigen


Dabei kann die die Bedeutung und Ausgestaltung von Zusammenarbeit, wird sie denn richtig verstanden, zu signifikant schnelleren und besseren Entscheidung bei der Wahl und Ausgestaltung der Interaktion sowie der Auswahl von Personen und Verträgen führen. Darüber hinaus erleichtert eine strategische Herangehensweise die Kommunikation und die Verständigung.

Wird Zusammenarbeit richtig und damit strategisch angegangen, dann wirkt sie sich positiv auf die Qualität und Quantität der Kommunikation, den Beschluss- und Berichtswegen sowie auf die Effizienz des Prozesses der Wertschöpfung und damit letztendlich auf die zu erzielenden Ergebnisse selbst aus.

Mit anderen Worten: eine strategische Herangehensweise an Zusammenarbeit spart am Ende Zeit und Geld – was gerade junge Unternehmen und Start-ups nicht immer unbegrenzt zur Verfügung haben.

Zusammenarbeit als unscharfer Begriff

Für Zusammenarbeit werden langhin viele Begriffe unreflektiert genutzt, eine klar definierte Verwendung fehlt häufig. Mal wird von ‚Teamwork‘, von der ‚Kollaboration im Team‘ oder von einer ‚Kooperation im Unternehmen‘ gesprochen, ohne damit eine bestimmte Eigenschaft zu fokussieren. Unter “New Work” und “Arbeit 4.0” vermischt sich Zusammenarbeit dann häufig noch mit Führung und Fragen der Unternehmenskultur.

Wie kann nun eine Klassifizierung von Zusammenarbeit aussehen? Eine Lösung besteht darin, darauf zurückzugreifen, welches Bedürfnis eine Person, ein Unternehmen, eine Organisation oder die Gesellschaft mit der Zusammenarbeit befriedigen will oder muss. Die Form der Zusammenarbeit ist dabei generell abhängig von:

  • den übergeordneten Zielen gegenüber den eigenen Möglichkeiten (fachliches Vermögen und Können, Reputation, Haltung / Grundeinstellungen, ethische Werte),
  • den zu erledigen Aufgaben, insbesondere hinsichtlich Quantität (Stückzahl), Qualität (Schwierigkeitsgrad) und Prozess (Wiederholbarkeit),
  • der Entscheidung, ob bei der Wertschöpfung eine rein interne oder teilweise externe Leistungserbringung angestrebt wird bzw. der prozentuale Anteil der Zusammenarbeit am Volumen der Wertschöpfung,
  • den Terminen bzw. einem zeitlichen Rahmen,
  • dem monetären Äquivalent / Geldwert sowie der Ressourcenverfügbarkeit (inkl. dem Preis-, Leistungsverhältnis und der damit verbundenen Verfügbarkeit und Umsetzungsdauer),
  • den Standorten und auch den Branchen,
  • die Gesetze, Verordnungen und politischen Auslegungen (Regulatoren),
  • eine Einbindung von Stakeholder (Organisations-Kontext) und sogar
  • den religiöser und weltanschaulicher Einschränkungen.

Kategorisierung von Zusammenarbeit

Unter Berücksichtigung der vorstehend genannten Abhängigkeiten und Charakteristiken lassen sich vier klar zu unterscheidende Hauptformen der Zusammenarbeit benennen. Diese sind ‚der Marktplatz‘, ‚die Kollaboration‘, ‚die Kooperation‘ und ‚die Teamarbeit‘. Jede Form stellt dabei eine eigenständige Stufe da, die aber in der nächst höheren Stufe erhalten bleibt.

  1. Marktplatz: 
Der Marktplatz wird vom Handel, also Angebot und Beschaffung, von Produkten oder Komponenten beziehungsweise von Service/Dienstleistungen sowie der notwendigen Werbung dominiert. Dazu platzieren Handel und Vertrieb selbstständig entwickelte Angebote. Einkauf und Beschaffung sorgen für Nachfrage. Ebenso werden Kapazitäten für Auftragsfertigung sowie wiederkehrende Dienstleistungen angeboten und nachgefragt.
  2. Kollaboration: 
Bei der Kollaboration stehen gemeinsame kompetenzbezogene Entwicklungen im Mittelpunkt, insbesondere die gemeinsame Nutzung von Kompetenzen zur Entwicklung, Produktion oder Projektrealisierung. Dabei führt der Initiator die Zusammenarbeit und wird das Ergebnis in den allermeisten Fällen für sich beanspruchen. Die Anbahnung ist im Verhältnis zu 3) und 4) deutlich leichter und schneller zu vollziehen.
  3. Kooperation: 
Die Ziele von Marktplatz und Kollaboration bleiben bestehen, doch Kooperationen gründen sich auf gemeinsame ethische Werte sowie strategische Ziele. Das gestaltet die Anbahnung daher deutlich komplexer und langwieriger. Bei der Kooperation können a) den Prozess der Wertschöpfung ergänzende Faktoren oder b) gleiche Kompetenzen (Skalierung der Wertschöpfung) den Fokus der Zusammenarbeit bestimmen.
  4. Teamarbeit: 
Im Rahmen der Teamarbeit kommt schließlich noch die Übernahme von Verantwortung für Mensch, Technik und Ressourcen hinzu und damit die zeitlich begrenzte oder dauerhafte Bindung von Menschen mit Fokus auf deren Kompetenzen sowie deren Willen, sich für den der Arbeit zugrundeliegenden Zweck einzusetzen. Dafür erhalten sie neben einem Lohnäquivalent eine soziale Absicherung. Die Initiatoren (Arbeitgeber / Projektleitung) übernehmen eine Fürsorgepflicht inklusive sozialer wie wirtschaftlicher Sicherung und sorgen für eine Auslastung der Arbeitskraft. Die höchste Form ist dabei die Partnerschaft.

Definition von Arbeit

Bevor die einzelnen Formen der Zusammenarbeit näher beschrieben werden, ist noch eine wichtige Frage zu klären, weil die Antwort auf diese Frage eine wichtige Rolle spielt bei der Bestimmung der Stufe der Zusammenarbeit: Was ist gemeint, wenn man „Arbeit“ sagen?

Damit die nachfolgenden Ausführungen, sowohl in diesem als auch in den nachfolgenden Artikeln dieser Serie, verständlicher werden, ist eine Definition von Arbeit notwendig, um basierend darauf die Stufen der Zusammenarbeit zu erläutern.

  1. Arbeit ist eine körperliche und/oder geistige Tätigkeit. Sie hat die Form einer sozialen Interaktion, die zielgerichtet, bewusst und planmäßig vollzogen wird, um Werte zu schaffen oder Werte zu erhalten. Häufig werden in diesem Zusammenhang die Begriffe „Werterhalt“ sowie „Wertschöpfung“ eingesetzt.
  2. Zusammenarbeit ist eine koordinierte, aufwandsteilige Verrichtung von Tätigkeiten, um eine höhere Komplexität (Aufwand) und/oder Skalierung (Anpassung der Anzahl) von Produkten sowie Leistungen zu ermöglichen.
  3. Eine Grundvoraussetzung für Arbeit und Zusammenarbeit ist die Kommunikation zwischen den Beteiligten. Die Kommunikation (konzipieren, spezifizieren, koordinieren, terminieren, beschließen, sichern, berichten, verhandeln) beinhaltet zunächst das Planen von Tätigkeiten. Es geht dabei um Anbahnung, Steuerung und Motivation. Ebenso wird kommuniziert, um über die Fortschritte bei der Ausführung sowie deren Ergebnisse zu berichten. Des Weiteren ist Kommunikation notwendig, um den Wert der Arbeit im sich anschließenden Handel oder Tausch darzustellen, Ausgleichsverpflichtungen zu vereinbaren und diese letztendlich mittels einer Ablöse / Ausgleichs oder eines Lohns, realisieren zu können.
  4. Um die Qualität (Wiederholbarkeit) der Tätigkeiten (mit Bezug auf Werterhalt / Wertschöpfung) zu sichern, ist es notwendig, nachvollziehbare Prozesse sowie deren Ressourcenanforderungen zu definieren, umzusetzen, zu überwachen und deren Einhalten zu dokumentieren.

Fazit und Ausblick

Unternehmen beklagen immer wieder, dass Zusammenarbeit nicht die gewünschten bzw. erwarteten Erfolge bringt. Der Grund für den mangelnden Erfolg liegt jedoch oftmals in der unspezifizierten Durchführung von Zusammenarbeit.

Für jedes Unternehmen, insbesondere für junge Unternehmen und Start-ups, macht es deshalb Sinn, sich mit dem Begriff der Zusammenarbeit und deren verschiedenen Stufen auseinanderzusetzen.

In den nächsten Folgen dieser Artikelserie werden wir uns deshalb die unterschiedlichen Formen des Marktplatz, der Kollaboration, der Kooperation und der Teamarbeit genauer anschauen.

Über Ralf Hasford: Ralf Hasford ist systemischer Moderator im Bereich Strategie- & Organisationsentwicklung, Zusammenarbeit und Entscheidungsfindung. Seit über zehn Jahren liegt sein Fokus auf der erfolgreichen Kommunikation zwischen Menschen.

Auch interessant:

Über den Autor

Carsten Lexa

Rechtsanwalt Carsten Lexa berät seit über 10 Jahren deutsche und internationale Unternehmen in allen Angelegenheiten wirtschaftsrechtlicher Art, z.B. bei Gründungen, Strukturierungen oder Vertragsgestaltungen aber auch zu rechtlich-strategischen Fragen. Darüber hinaus war er Weltpräsident der G20 Young Entrepreneurs Alliance (G20 YEA), Mitglied der B20 Taskforces und Rechtsbeistand der Wirtschaftsjunioren Deutschland. Bei BASIC thinking schreibt er über unternehmensrechtliche Fragen.