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Herkunftskennzeichnung Autos, Deutsche Autos aus dem Ausland
MONEY

Deutsche Autos, die nicht aus Deutschland stammen: Wo ist die Herkunftskennzeichnung?

Fabian Peters
Aktualisiert: 04. März 2024
von Fabian Peters
Adobe Stock/ Tomasz Zajda
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Ob Eier, Fleisch, Getränke oder Textilien: Für immer mehr Produkte gilt eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung. Und das ist auch gut so! Doch bei Autos ist das anders. Dabei werden immer mehr deutsche Fahrzeuge im Ausland produziert. Die meisten Hersteller verschweigen das aber. Ein Kommentar.

Ein älterer Herr hat vor über zwanzig Jahren ein Auto bei den Ford-Werken in Deutschland bestellt. Die damals angekündigte Lieferzeit: drei Monate. Doch es kam zu Verzögerungen. Er wurde mehrmals vertröstet. Begründung: Lieferprobleme. Nach rund sechs Monaten war es dann endlich soweit.

Er erhielt die Bestätigung, dass sein Wunschauto die Produktionsstätte in England verlassen hatte. Seine anfängliche Freude wich jedoch schnell der Ernüchterung. „Wieso England“, fragte er sich. Schließlich hatte er doch explizit ein europäisches Modell bei einem Werk in Deutschland bestellt – wissentlich, dass Ford eigentlich eine US-amerikanische Marke ist.

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Der Ford Escort: Ein Fahrzeug für den europäischen Markt

Diese Geschichte wurde mir kürzlich in meinem Bekanntenkreis erzählt. Und sie ist wahr. Denn der Ford Escort, um den es hier geht, wurde primär von 1967 bis Sommer 2000 für den europäischen Markt produziert. Fahrzeuge, die für Deutschland bestimmt waren, stammten zunächst aus dem belgischen Ford-Werk in Genk – anschließend auch aus dem saarländischen Saarlouis.

Für viele Deutsche stellte das einen zusätzlichen Anreiz dar. Da der Escort zeitweise vor allem auch in Großbritannien beliebt war, wurde er aber auch dort produziert. Genauer gesagt: In Halewood südöstlich von Liverpool und in Dagenham (Stadtteil von London). Das Problem: Wo genau ein Fahrzeug produziert wurde, ließ sich nur schwer nachvollziehen. Das ist auch heute noch so.

Herkunftskennzeichnung für Autos!

Zugegeben: Das Ford-Beispiel ist nicht das beste, da es sich ursprünglich um eine US-amerikanische Marke handelt. Doch es veranschaulicht eine Problematik, die heutzutage noch viel schlimmer geworden ist. Denn deutsche Autobauer produzieren zunehmend im Ausland. Eine direkte Herkunftskennzeichnung gibt es jedoch nicht.

Beispiel Volkswagen: Die Fahrzeuge eines der renommiertesten deutschen Autobauern stammen schon lange nicht mehr nur aus Deutschland. Denn wer hierzulande ein Auto der Marke VW bestellt, kann auch Fahrzeuge erhalten, die beispielsweise aus Polen, Spanien, Portugal oder der Slowakei stammen. Immerhin aus der EU, will man meinen – doch dazu später mehr.

Woher genau ein Fahrzeug stammt, können potenzielle Käufer nicht nachvollziehen. Ja: Es gibt zwar die sogenannte Fahrzeugidentifikationsnummer, aus der das Herkunftsland hervorgeht. Aber das ist nur ein schwacher Trost. Denn bei den Autohäusern herrscht in puncto Herkunftskennzeichnung eher Stillschweigen.

Baugleiche Autos: Wo ist die Herkunftskennzeichnung?

Ein weiteres Beispiel: Das Modell Ford Ecosport wurde für den europäischen Markt zeitweise sogar in Indien produziert. Herkunftskennzeichnung: ebenfalls Fehlanzeige. Zahlreiche deutsche Hersteller produzieren oder produzierten darüber hinaus unter anderem in Polen (VW), der Slowakei (Porsche und VW), Spanien (Opel und Mercedes), Portugal (VW) oder sogar Belarus (Opel)

Ein weiteres Problem: Viele Fahrzeuge sind baugleich mit denen anderer Hersteller. Der Ford Tourneo Connect ist beispielsweise nahezu baugleich mit dem VW Caddy, da er auf der sogenannten MQB-Plattform von Volkswagen basiert. In vielen Autohäusern wird das jedoch gerne verschwiegen.

Worauf ich hinauswill: Es kann doch nicht so kompliziert sein, anzugeben, wo ein Auto produziert wird – selbst unabhängig von den einzelnen Bauteilen, die aus zweifellos aus aller Welt stammen. Eine Herkunftskennzeichnung von Autos würde die Vebraucherrechte derweil stärken. Die Politik ist nun am Zug. Denn eines ist klar; ohne politischen Regulierungen werden die Hersteller künftig weiterhin nur zu gerne verschweigen wo sie ihre Fahrzeuge produzieren.

Hinweis: Bei diesem Artikel handelt es sich um einen Kommentar. Das ist eine journalistische Darstellungsform, die explizit die Meinung des Autors und nicht des gesamten Magazins widerspiegelt. Der Kommentar erhebt keinen Anspruch auf Sachlichkeit, sondern soll die Meinungsbildung anregen und ist als Meinungsbeitrag durch Artikel 5 des Grundgesetzes geschützt.

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vonFabian Peters
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Fabian Peters ist seit Januar 2022 Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Redakteur und freier Autor tätig. Er studierte Germanistik & Politikwissenschaft an der Universität Kassel (Bachelor) und Medienwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin (Master).
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