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Junge Wähler: TikTok ist nicht (alleine) Schuld am „Erfolg“ der AfD

Fabian Peters
unsplash.com/ Solen Feyissa

Erschreckend viele junge Menschen haben bei der Europawahl 2024 die sogenannte Alternative für Deutschland gewählt. Zahlreiche Medien haben TikTok als Ursache dafür ausgemacht, da die AfD dort relativ „erfolgreiche“ Kampagnen fährt. Doch so einfach ist es nicht, denn die wahren Probleme sitzen tiefer. Ein Kommentar. 

In Deutschland haben 16 Prozent der Wähler im Alter von 16 bis 24 Jahren bei der Europawahl 2024 die sogenannte Alternative für Deutschland gewählt. Das entspricht einem Plus von elf Prozent im Vergleich zu 2019. Die Grünen haben in der selben Altersgruppe satte 23 Prozent verloren.

Als Ursache für diesen „Erfolg“ der AfD haben viele Medien TikTok ausgemacht. Denn die rechtspopulistische bis rechtsextreme Partei hat als eine der ersten im Bundestag gezielt Kampagnen auf der Kurzvideo-Plattform gefahren, um junge Menschen zu beeinflussen.

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AfD: TikTok ist nicht alleine Schuld am Aufschwung unter jungen Wählern

Offensichtlich ist: Die AfD und TikTok – das passt gut zusammen! Denn auf der Plattform geht es um kurze und einfache Inhalte, bei denen man meistens nicht einmal den Denkapparat anschmeißen muss. Genauso sind auch die Parolen, Verschwörungstheorien und Lügen der AfD gestrickt. Hauptsache Aufmerksamkeit. Klassischer Populismus halt.

Wie im Bundestag, in den Medien oder in ihrem Wahlprogramm liefert die Partei auf TikTok einfache Antworten auf komplizierte Fragen, wird Themen, Debatten sowie Inhalten dabei nicht gerecht und führt Menschen in die Irre. Hauptsache Aufmerksamkeit. Klassischer Populismus halt.

Auch die BILD-Zeitung hat es sich, wie viele andere Medien auch, relativ einfach gemacht und in TikTok als Ursache eine simple Lösung für das erschreckende Wahlergebnis gefunden. Das Boulevardblatt titelte: „So bekamen die Rechten viele junge Wähler. Der gefährliche TikTok-Wahlkampf“. Doch die Plattform ist nicht alleine Schuld. Die Probleme sind vielschichtiger.

Panikmache, Fake News und neue Sorgen

Die Agenda der BILD ist mittlerweile so durchschaubar wie ein offenes Fenster: „Please stärke die FDP„, „Anti-Habeck„-Kampagne, „Anti-Wärmepumpen„-Kampagne – Hauptsache Anti-Grün und Pro-konservativ. Klassisches schwarz-weiß-Gedenke – inklusive mangelnder journalistischer Sorgfaltspflicht und Objektivität. Hauptsache Aufmerksamkeit. Klassischer Populismus halt.

Die BILD grenzt sich immerhin insofern von der AfD ab, als dass sie sie als das benennt, was sie ist: rechtspopulistisch und rechtsextrem. Doch das Boulevardblatt trägt, wie einige andere Medien auch, an den „Erfolgen“ der AfD Mitschuld. Denn sowohl ältere aber auch die jungen Wähler haben mittlerweile andere, teilweise berechtigte Sorgen.

Seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine ist das Problem Klimawandel etwa weniger präsent; aufgehalten wird er dadurch aber trotzdem nicht. Sorgen, wie steigende Mieten, Inflation und der Umgang mit Migration schüren derweil neue Ängste – auch unter jungen Menschen, die sich um ihre Zukunft Gedanken machen.

Vor allem die Medien des Axel Springer Verlages treiben diese Probleme jedoch auf die Spitze. Denn in der Berichterstattung jagt eine Unwahrheit die nächste. Eine Skandal-Headline überschattet die andere. Das spielt der AfD in die Karten, die in TikTok für ihre Parolen und ihre Angstmacherei eine geeignete Plattform gefunden hat, um auch junge Menschen zu beirren und zu belügen. Hauptsache Aufmerksamkeit. Klassischer Populismus halt.

Hinweis: Bei diesem Artikel handelt es sich um einen Kommentar. Das ist eine journalistische Darstellungsform, die explizit die Meinung des Autors und nicht des gesamten Magazins widerspiegelt. Der Kommentar erhebt keinen Anspruch auf Sachlichkeit, sondern soll die Meinungsbildung anregen und ist als Meinungsbeitrag durch Artikel 5 des Grundgesetzes geschützt.

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Fabian Peters ist seit Januar 2022 Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Redakteur und freier Autor tätig. Er studierte Germanistik & Politikwissenschaft an der Universität Kassel (Bachelor) und Medienwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin (Master).