Digitalisierung Deutschland Vergleich Europa

Wie geht das denn? Deutschland rutscht in Digital-Ranking ab – macht aber Fortschritte

Fabian Peters
Bild: Adobe Stock / Frank H.

Deutschland wird digitaler, aber so langsam, dass andere Länder locker vorbeiziehen. Im neuen EU-Digitalranking des Branchenverbands Bitkom rutscht die Bundesrepublik auf Platz 17 von 27 ab, obwohl sich der sogenannte DESI-Wert sogar leicht verbessert hat. Das Problem: Deutschland digitalisiert sich nicht nur zu wenig und zu langsam, sondern vor allem nicht zielgerichtet genug. Eine kommentierende Analyse.

BREAK THE NEWS BASIC thinking

Unser exklusives Format »Break the News«, in dem wir aktuelle Nachrichten in ihre Einzelteile zerlegen, erscheint immer zuerst in UPDATE, unserem täglichen Tech-Briefing. Hier kannst du dich über 12.000 anderen Lesern anschließen und dich kostenlos anmelden:

Mit deiner Anmeldung bestätigst du unsere Datenschutzerklärung

Digitalisierung in Europa: Wo Deutschland wirklich steht

  • Laut dem neuen Digitalranking des Branchenverbands Bitkom landet Deutschland nur noch auf Platz 17 von 27 EU-Ländern. Dabei verbesserte sich die Bundesrepublik beim sogenannten DESI-Wert (Digital Economy and Society Index) 2026 im Vergleich zum Vorjahr sogar um einen Punkt auf 51,1 Punkte. Im Ranking büßt Deutschland aber drei Plätze ein. Will heißen: Es gibt zwar Fortschritte bei der Digitalisierung. Andere, vor allem kleinere Länder, haben aber stärker zugelegt.
  • Bitkom knüpft mit seinem EU-Digitalranking an den früheren DESI der Europäischen Kommission an. Seit 2023 setzt sie mit dem Digital Decade Report aber primär auf einzelne Indikatoren. Bitkom bündelt diese Daten zu einem Gesamtindex. Grundlage sind 44 Einzelindikatoren aus vier Bereichen: „Digitale Transformation von Unternehmen“, „Qualität und Nutzung digitaler Infrastruktur“, „Digitale Kompetenzen“ und „Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung“. Dänemark belegt den ersten Platz mit einem Wert von 76,4 Punkten. Am schlechtesten schneidet Rumänien mit 26,5 Punkten ab.
  • Deutsche Unternehmen schneiden im EU-Digitalranking vergleichsweise gut ab und liegen unter den fünf größten EU-Ländern vorn, fallen insgesamt aber von Platz acht auf Platz elf zurück. Die 5G-Mobilfunkabdeckung ist mit 99,5 Prozent hierzulande derweil sehr hoch. Bei der tatsächlichen Nutzung der Netzinfrastruktur landet Deutschland aber nur auf Platz 21. Gerade einmal sieben Prozent der Bevölkerung setzen auf einen schnellen Gigabit-Anschluss. Positiv entwickeln sich die digitalen Kompetenzen. Das größte Problem: Platz 22 von 27 bei der digitalen Verwaltung.

Ist Platz 17 wirklich so schlecht?

Platz 17 von 27: Das klingt zunächst einmal ernüchternd. Für die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt ist es das auch! Indes hinkt der Vergleich mit Ländern wie Luxemburg, Estland oder Dänemark etwas. Ein großer und föderaler Flächenstaat wie Deutschland mit über 80 Millionen Einwohnern muss sich nun einmal anders digitalisieren als ein kleines und zentral organisiertes Land.

Das sind Fakten, die es zu berücksichtigen gilt – und auch ein Stück weit Erklärungen. Eine Entschuldigung sind sie aber nicht. Im Vergleich zu den anderen großen EU-Staaten steht Deutschland zwar nicht am Ende und lässt etwa Frankreich, Polen und Italien hinter sich. Aber vor allem Spanien zeigt, dass Dezentralismus und Ländergröße keine Ausrede für digitale Trägheit sind.

Sprich: Wer wirklich will, kann Verwaltungsgrenzen überwinden und aufs Tempo drücken. Doch genau daran hapert es hierzulande. Deutschland digitalisiert sich zwar, aber eher im Verwaltungsmodus statt im Innovationsmodus: Schritt für Schritt und Formular für Formular.

Das Problem: So richtig in Schwung kommt die Digitalisierung nicht. Warum? Weil es vor allem an der Umsetzung hapert; nicht einmal zwangsläufig an der Technologie. Oder: Nicht der Mangel an Visionen bremst Deutschland aus, sondern ein bürokratischer Hang, alles endlos zu verwalten.

Stimmen

  • Ralf Wintergerst, Präsident des Digitalverbands Bitkom, zum DESI-Index 2026: „Deutschland macht Fortschritte bei der Digitalisierung, aber andere Länder sind schneller. Wer im digitalen Wettbewerb nach vorne will, muss nicht nur besser, sondern auch schneller werden. Platz 17 kann für Deutschland nicht der Anspruch sein. Hier ist die Politik in Bund und Ländern, Wirtschaft und unter anderem Bildungseinrichtungen gleichzeitig gefordert. (…) Digitalisierung darf kein Stückwerk bleiben. Deutschland braucht einen digitalen Nordstern – für mehr Wohlstand, Wettbewerbsfähigkeit, Resilienz und Souveränität.“
  • Die Europäische Kommission hat nur wenige Wochen vor dem Bitkom-DESI-Index 2026 ihren vierten Bericht über den Stand der sogenannten digitalen Dekade veröffentlicht. Henna Virkkunen, Exekutiv-Vizepräsidentin für technologische Souveränität, Sicherheit und Demokratie, dazu: „Mit dem Politikprogramm für die digitale Dekade haben wir das Fundament für den digitalen Wandel in der EU geschaffen. Diesen Weg müssen wir weitergehen, um die technologische Souveränität Europas zu erreichen. Wir haben kürzlich Maßnahmen beschlossen, um Europas Kapazitäten in den Bereichen Halbleiter, KI, Cloud und Open-Source zu stärken. Dies ist ein entscheidender Moment. Wir müssen die Chancen voll ausschöpfen, um die Autonomie und Widerstandsfähigkeit Europas zu stärken.“
  • Bundesdigitalminister Karsten Wildberger in einem Statement zu seinem Amtsantritt im Mai 2025: „Mit der Gründung des ersten deutschen Digitalministeriums sendet Deutschland ein deutliches Signal: Digitalisierung und Staatsmodernisierung genießen für diese Bundesregierung herausgehobene Priorität. Es ist mein Anspruch, dies zügig mit konkreten Maßnahmen zu belegen. Ich möchte so schnell wie möglich ins Handeln kommen und setze daher auf den Mut zu pragmatischen Lösungen und kontinuierliche Verbesserungen im Sinne der Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen. Das neue Ministerium wird Motor sein für konkrete, sichtbare Fortschritte bei der Digitalisierung und eine moderne, handlungsfähige Verwaltung.“

Warum mehr Digitalisierung allein nicht reicht

Dass Deutschland weiter digitalisiert werden muss, steht eigentlich außer Frage. Fraglich ist aber, wie die Digitalisierung endlich sinnvoller vorangehen kann. Denn Digitalisierung bedeutet nicht nur Komfort. Sie ist auch ein wichtiger und waschechter Wirtschaftsfaktor.

Sprich: Wer andauernd von Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und technologischer Souveränität schwadroniert, muss Projekte und Prozesse auch optimieren. Etwa in Form von vernetzten Daten, schnelleren Genehmigungen, besseren Absprachen und weniger Bürokratie. Die größte Bremse ist meist nämlich nicht die Technik, sondern der Papierstapel daneben.

Hinzu kommt: Der Digitalausbau muss vor allem dort stattfinden, wo er am meisten gebraucht wird. Denn was bringen Gigabit-Netze, wenn kaum jemand diese nutzt? Will heißen: Mehr Digitalisierung ist nicht zwangsläufig besser. Auch mehr Tempo allein hilft nicht.

Vielmehr geht es einerseits um eine schnellere, aber andererseits auch um eine zielgerichtete und sinnvollere Digitalisierung. Oder: Was bringt der Bau von Rechenzentren bei gelockerten Umweltauflagen, wenn keine klare Strategie dahintersteckt und stattdessen das Klima belastet wird? Sprich: Es braucht eben nicht nur Tempo, sondern vor allem Sinn und Verstand.

BREAK THE NEWS BASIC thinking

Unser exklusives Format »Break the News«, in dem wir aktuelle Nachrichten in ihre Einzelteile zerlegen, erscheint immer zuerst in UPDATE, unserem täglichen Tech-Briefing. Hier kannst du dich über 12.000 anderen Lesern anschließen und dich kostenlos anmelden:

Mit deiner Anmeldung bestätigst du unsere Datenschutzerklärung

Auch interessant:

STELLENANZEIGEN
Social Media Content Creator (m/w/d)
moveUP Media GmbH in Düsseldorf
Anforderungs- und Projektmanager touristische...
trendtours Holding GmbH in Eschborn
Art Director – UX Design / Adobe CC / P...
meap GmbH in Witten
Referent Social Media / Content Creator (w/m/d)
Actemium Service GmbH in Düsseldorf
Online Marketing Manager (w/m/d)
1&1 in Montabaur, München
Marketing Specialist – AI & Content Manag...
FEINMETALL GmbH in Herrenberg bei Stuttgart
Praktikum im E-Business – Business Inte...
Liebherr-Hausgeräte Ochsenhausen GmbH in Ulm
Praktikant*in – Social Media Management...
Garados Swimwear – MWN Holding GmbH in Düsseldorf
Teile diesen Artikel
Chefredakteur
Folgen
Fabian Peters ist seit Januar 2022 Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Redakteur und freier Autor tätig. Er studierte Germanistik & Politikwissenschaft an der Universität Kassel (Bachelor) und Medienwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin (Master).
Keine Kommentare