Obwohl sie sich leistungstechnisch auf einem Niveau zu bewegen scheinen, kosten Sprachmodelle aus China oft deutlich weniger als ihre Konkurrenz aus den USA. Wie ist das möglich? Tatsächlich steckt hinter dem Preisgefälle eine ganze Reihe an Faktoren.
Bei neuen Technologien zählt anfangs oft noch die reine Leistung: Wer das beste Produkt anbietet, gewinnt. Doch relativ schnell wächst ein Markt, der auch über Aspekte wie Effizienz und natürlich über den Preis entschieden wird. Das gilt auch für die KI-Branche. Vor kurzem schienen Anbieter wie OpenAI (ChatGPT), Anthropic (Claude) und Google (Gemini) die Industrie noch problemlos anzuführen. Doch inzwischen sind ihnen chinesische Firmen wie DeepSeek, Alibaba und Moonshot dicht auf den Fersen.
Chinesische KI-Modelle punkten mit Kampfpreisen
OpenAI verlangt laut Wirtschaftswoche für GPT-5.5 rund fünf US-Dollar pro Million eingegebener Token und rund 30 US-Dollar pro Million ausgegebener Token (Token sind Wortfragmente, in denen KI-Systeme rechnen – mehr dazu hier). DeepSeek hingegen ruft für sein Modell V4 Pro 44 beziehungsweise 87 Cent auf. Zusätzlich gewährt DeepSeek derzeit 75 Prozent Rabatt. Der Vergleich demonstriert die teils extremen Preisunterschiede.
Neben dem Preis gibt es noch einen zweiten Faktor für den Erfolg chinesischer KIs: Bei vielen Modellen handelt es sich um sogenannte Open-Weight-Systeme. Das bedeutet, dass sie öffentlich zur Verfügung stehen, sodass sich die KIs herunterladen und auf eigener Hardware betreiben lassen. Momentan kommen ungefähr 41 Prozent aller Open-Source-Modelle, die heruntergeladen werden, aus China.
Warum sind KI-Modelle aus China so günstig?
Dass China erfolgreiche Produkte aus dem Westen gerne kopiert, ist kein Geheimnis. Das ist auch bei Sprachmodellen der Fall. Chinesische Firmen sparen sich bei der Entwicklung einer KI häufig den teuersten Teil der Arbeit. Anstatt alles von Grund auf zu entwickeln, greifen sie zur sogenannten Destillation. Dabei dient ein bereits existierendes Modell als Lehrer, das dem neuen Modell wie einem Schüler alles beibringt, was es weiß. Über Millionen von Anfragen wird beim Original systematisch abgeschaut (via Digitec).
Das Verfahren ist allerdings keine chinesische Erfindung. Unter anderem destillierte auch Elon Musks Unternehmen xAI bei der Entwicklung von Grok Daten von OpenAI. Rechtlich handelt es sich dabei um eine Grauzone, ein ausdrückliches Verbot gibt es nicht. Die Anbieter aus den USA untersagen solche Massenanfragen zwar in ihren Nutzungsbedingungen, können international aber kaum etwas gegen diese Praxis unternehmen. Unter anderem wirft die US-Regierung Moonshot vor, auf diese Weise Modelle von Anthropic kopiert zu haben.
Ein weiterer Hebel sind die günstigeren Umstände der Chinesen. Das betrifft zum einen die billigen Arbeitskräfte, zum anderen aber auch die großen Rechenzentren, die in sehr kalten und dünn besiedelten Regionen gebaut werden. Bei Durchschnittstemperaturen unter zehn Grad fällt die Kühlung der Server deutlich leichter. Die hierdurch eingesparte Energie drückt den Preis der betriebenen LLMs. Der Vorteil gilt auch für den Strompreis. In solchen Regionen kostet die Kilowattstunde deutlich weniger als in den USA.
Peking subventioniert KI-Modelle
Die freie Marktwirtschaft hat ihre Vorteile, doch das autoritäre System in China scheint momentan mehr Erfolge zu bringen. Schon vor Jahren stufte die Führung in Peking KI als strategische Technologie ein. Inzwischen ist es der Plan, China in Sachen KI an die Weltspitze zu führen. Dafür sollen in den kommenden fünf Jahren rund 295 Milliarden US-Dollar in Rechenzentren fließen.
Aber nicht nur in die KI-Anbieter selbst wird Geld gepumpt. Zum Beispiel zahlen chinesische Unternehmen, die heimische KI-Chips einsetzen, nur die Hälfte ihrer Stromrechnung, den Rest übernimmt der Staat. Auf diese Weise werden Produkte aus dem eigenen Land immer weiter gepusht. Und die Investitionen tragen bereits Früchte: Ende 2025 gab es in China rund 6.200 KI-Unternehmen.
Am Ende geht es China nicht darum, das leistungsfähigste KI-Modell zu entwickeln. Stattdessen werden die Ansprüche so angesetzt, dass man die Amerikaner preislich unterbieten kann. Mit diesen günstigen Alternativen soll dann der Markt überschwemmt werden, um diesen nach und nach zu übernehmen. Dieses Vorgehen wird bereits in anderen Bereichen wie Solarpanels oder Elektroautos angewandt.
Im Westen was Teures
Jeder kennt die großen Anbieter aus den USA, doch am Ende müssen diese auch wirtschaftlich sein. OpenAI hatte im letzten Jahr deutlich mehr Kosten als Umsätze – ähnlich sieht es bei Google aus. Beide Firmen müssen konstant investieren, um mithalten zu können. Das wirkt sich negativ auf die Preise ihrer Modelle aus. Viele westliche Unternehmen experimentieren bereits mit Modellen aus China, darunter Airbnb, DoorDash und Siemens (via Fortune).
Natürlich gibt es aber auch eine andere Seite der Medaille. Chinesische KI-Modelle unterliegen den Vorgaben der Cyberspace Administration of China. Das bedeutet, politisch heikle Themen werden gefiltert. Sicherheitsexperten warnen zudem davor, dass die Daten der Nutzer abgefischt werden. Wer die Modelle auf einem lokalen Server betreibt, kann dieses Risiko aber zumindest verringern.
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