Wirtschaft

Selbstmanagement: Wie du lernst, dein eigener Chef zu werden

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Indem wir uns fokussieren, setzen wir selbst unsere Prioritäten. (Foto: Adobe Stock / WavebreakMediaMicro)
geschrieben von Dennis Fischer

Wir agieren in unserem Leben weitestgehend fremdbestimmt. Das gilt im Beruf und auch privat. Um aus dieser Abhängigkeit auszubrechen, ist es entscheidend, dass wir uns mit Selbstmanagement beschäftigen. Diese drei Tipps helfen dir dabei, dein eigener Chef zu werden.

Was ist Selbstmanagement?

Die Herkunft des Wortes „Management“ ist nicht vollständig geklärt. Das englische Verb „to manage“ stammt aber vermutlich vom italienischen „maneggiare“ ab. Das bedeutete „ein Pferd in allen Gangarten üben“ oder „ein Pferd in der Manege führen“.

Kommst du dir nicht auch manchmal so vor? Wie ein Pferd, das in der Manege geführt wird? Du bestimmst die Richtung nicht selbst, sondern trottest nur einem „Manager“ hinterher.

Aus diesem Grund wurde der Begriff „Selbstmanagement“ entwickelt. Er suggeriert, dass wir uns selbst durch die Manege führen und die Richtung bestimmen. Also proaktiv agieren, anstatt immer nur zu reagieren.

Aber mal Hand aufs Herz: Wie häufig gelingt dir das wirklich? Lassen wir uns nicht allzu gerne ablenken in unserem Alltag? Und wird es nicht gefühlt von Jahr zu Jahr schwieriger, uns auf die wichtigen Dinge zu fokussieren, weil immer mehr Tools, Apps und Gadgets unser Leben bestimmen?

Warum ist Selbstmanagement ein Future Work Skill?

Lass uns kurz zurück in das Berufsleben der 80er Jahre reisen. Im Vergleich zu heute war die Büroarbeit damals die reinste Achtsamkeits-Oase. Die einzigen zwei Ablenkungen eines Schreibtischtäters waren entweder die gesprächigen Kollegen oder das Telefon.

Später in den 90er Jahren kam dann die E-Mail hinzu und die Menschen ließen sich nur allzu gerne von AOLs „Sie haben Post!“ aus ihrer Arbeit reißen.

So richtig chaotisch wurde es aber erst in den letzten 15 Jahren: Dank Smartphones, Tablets und Smartwatches sind wir immer und überall erreichbar. Wir lassen uns von diesen Geräten durch die Manege der Aufmerksamkeit führen und denken dabei auch noch, wir seien produktiv.

Der Unterschied zwischen Output und Outcome

Statt dem „Outcome“, also dem erzielten Ergebnis, fokussieren wir uns auf den „Output“, zum Beispiel die Anzahl an E-Mails, die wir heute geschrieben haben. Wir verwechseln „beschäftigt sein“ mit „produktiv sein“ und kommen uns wichtig vor, wenn wir parallel eine E-Mail verfassen, eine Nachricht auf Slack beantworten und eine Sprachnachricht in WhatsApp abhören. Schluss damit!

Was glauben wir denn, wie die Arbeitswelt der Zukunft aussieht? Irgendwann werden wir 42 Eingangskanäle haben. Warum genau diese Zahl? Weil es die Antwort auf alle Fragen ist!

Aber Spaß beiseite! In den letzten Jahren hat jeder Social-Media-Kanal seinen eigenen Messenger entwickelt. Zusätzlich kamen noch Slack, Microsoft Teams, Clubhouse und andere Zeitfresser hinzu.

Ja klar, es gibt auch schon wieder Tools, die diese digitalen Posteingänge zusammenführen und intelligente E-Mail-Bearbeitungssoftware, die uns die richtigen Antworten vorschlägt. Aber dadurch lassen wir uns auch wieder nur fremdbestimmen.

Selbstmanagement als Schlüssel für den Erfolg

Wenn wir uns die Arbeitswelt der nächsten zehn Jahre anschauen ist eines sicher: Software und Hardware werden eine noch viel größere Rolle als heute spielen.

Ja, Künstliche Intelligenz wird uns langfristig viel Arbeit abnehmen. Aber bis es so weit ist, wird sie uns zunächst einmal mehr Arbeit verschaffen. Dabei wird ein Skill ganz besonders entscheidend sein: Selbstmanagement.

Nur wenn wir es schaffen die richtigen Prioritäten zu setzen, uns länger als zehn Sekunden zu fokussieren und die zahlreichen digitalen Helfer bewusst einzusetzen, werden wir erfolgreich sein.

Wie kannst du dein Selbstmanagement trainieren?

1. Flugmodus

Beginnen wir mit der wichtigsten Übung, die du täglich für mindestens eine Stunde ausführen solltest: Der Flugmodus!

Wann hast du zum letzten Mal dein Handy komplett ausgeschaltet? Ich weiß noch, wie ich vor einigen Jahren mit einem Freund nach Dubai geflogen bin. Im Flugzeug hat er brav sein Handy ausgemacht, wie es die Stewardess empfohlen hatte.

In Dubai angekommen musste er leider feststellen, dass er seinen PIN überhaupt nicht kennt. Er hatte noch nie sein Smartphone ausgeschaltet. Geht es dir genauso?

Starte doch heute direkt mit dem Flugmodus. Nimm dir ein bis zwei Stunden am Tag, in denen du nicht erreichbar bist und fokussiert an einer Sache arbeitest. Der Autor Cal Newport würde das als „Deep Work“ bezeichnen. Ich nenne es „Fokuszeit“. Egal, wie wichtig oder beschäftigt du sein magst: Eine Stunde am Tag schaffst du auf jeden Fall!

2. Die wichtigste Aufgabe heute

Was ist heute deine wichtigste Aufgabe? Die Möglichkeiten sind schier endlos. Jeden Tag könnten wir tausend Dinge tun. Und wenn wir damit fertig sind, stellen wir fest, dass wir noch kurz den Podcast hören und diese eine Netflix-Dokumentation schauen wollten.

Es gibt keinen Tag, an dem wir alles schaffen können, was wir uns irgendwann einmal vorgenommen haben. Und das ist auch gut so! Was wir allerdings erreichen können, ist eine Sache zu erledigen: Die wichtigste Aufgabe des Tages! Was ist das heute für dich?

Wenn du diese eine wichtige Aufgabe bearbeitet hast, kannst du zufrieden mit dir sein. Du hast dein wichtigstes Ziel erreicht und alles weitere ist jetzt „nice to have“.

Dieser Fokus auf eine wichtige Aufgabe hat mir sehr geholfen mich nicht zu verzetteln und gleichzeitig ein zufriedenes Gefühl zu verspüren, wenn ich sie erledigt habe.

3. Gewohnheiten trainieren

Am mächtigsten in unserem Leben sind jedoch Gewohnheiten. Gute wie auch schlechte. Alles, was wir kontinuierlich tun, hat den größten Einfluss auf unser Leben. Deshalb schreiben und sprechen alle Coaches und Trainer:innen immer wieder von Morgen- und Abendroutinen.

Mein wichtigster Tipp gleich vorab: Starte mit einer Gewohnheit! Ich habe mehrfach versucht mir verschiedene positive Routinen wie kalt duschen, Sport machen, Meditieren und Bücher lesen anzueignen. Jedes Mal habe ich wieder entnervt aufgegeben, weil es mich gestresst hat.

Was ist die eine Sache, die aktuell den größten positiven Einfluss auf dein Leben hätte, wenn du sie täglich durchführen würdest?

Starte zu Beginn mit maximal fünf Minuten. Jeder hat fünf Minuten pro Tag Zeit. Egal ob am Morgen oder am Abend. Notiere es dir in deinen Kalender und mache für die nächsten 60 Tage nichts anderes als diese eine Routine. Klingt langweilig, ist aber unglaublich effektiv!

Was dabei am wichtigsten ist? Einfach anfangen! Ich habe gestern ein schönes Zitat vom Biontech-Gründer Uğur Şahin gelesen, das keine weitere Erklärung benötigt.

Pragmatismus ist nicht das Gegenteil von Perfektionismus, sondern der Weg dorthin.

Viel Erfolg!

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Über den Autor

Dennis Fischer

Dennis Fischer ist Speaker zum Thema „Future Work Skills", also den wichtigsten Soft Skills der Zukunft. Sein Motto ist "Skill up" und er ist davon überzeugt, dass unsere Soft Skills in den nächsten Jahren deutlich wichtiger werden als unsere Hard Skills.

Er hat im letzten Jahr das Buch „52 Wege zum Erfolg" veröffentlicht. Darin fasst er seine Learnings aus über 500 gelesenen Business-Ratgebern zusammen. Das Buch wurde vom Hamburg Abendblatt als eines der TOP10 Wirtschaftsbücher 2019 ausgezeichnet.

Dennis lebt in München und wenn er nicht auf der Bühne steht oder Trainings gibt, läuft er als Trailrunner über die Berge.

1 Kommentar

  • Hi,
    toller Beitrag! Durch Corona+Studium musste ich mein Selbstmanagement nochmal auf ein ganz neues Level heben. Noch mehr lernen auf eigene Verantwortung, kaum Austausch mit anderen und wenig Kontakt zu den Professoren.