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Long Tail mit kurzem Ende?

Long Tail:

Long Tail (englisch für „langer Schwanz“) ist eine Theorie, die der US-amerikanische Journalist und Chefredakteur des Wired Magazine Chris Anderson 2004 vorstellte, nach der ein Anbieter im Internet durch eine große Anzahl an Nischenprodukten Gewinn machen kann. Dieser Effekt trifft insbesondere für den Musik- und Bücherverkauf zu, wo selten verkaufte Titel in einem konventionellem Verkaufsgeschäft zu hohe Kosten verursachen würden. Der Name leitet sich von der Ähnlichkeit der Verkaufsgrafik mit einem langen Schwanz ab

Nun gab es genau dazu eine Studie im Harvard Business Magazin, die Zweifel aufkommen lässt an der ökonomischen Relevanz der Long Tail These: Wird der Long-Tail überschätzt?

Wilfried, habe leider nicht genügend Zeit, mich damit jetzt auseinanderzusetzen, aber spannend ist das allemal, da ich immer schon Zweifel daran hatte, warum Long Tail das ökonomische Rezept schlechthin sein soll. Nächste Woche mehr dazu.

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Über den Autor

Robert Basic

Robert Basic ist Namensgeber und Gründer von BASIC thinking und hat die Seite 2009 abgegeben. Von 2004 bis 2009 hat er über 12.000 Artikel hier veröffentlicht.

20 Kommentare

  • Robert, dann bin ich mal gespannt auf den Beitrag kommende Woche.

    Bei einer empirischen Widerlegung des Long-Tails könnte eine Grundfeste vieler Internet Businesses ins Wanken kommen…

  • „…da ich immer schon Zweifel daran hatte, warum Long Tail das ökonomische Rezept schlechthin sein soll.“

    Wenn Propagandisten ihren nächsten Patentrezept für alle lebenslagen verkünden, darf man ruhig Zweifel haben. Dass Wikipedia sich aber mit dem Konzept durchaus erfolgreich vermarkten könnte, steht für mich jedoch ausser Frage.

  • Moin,

    ich weiß, dass es ein Sport ist in der wissenschaftlichen Gemeinde Theorien anderer zu widerlegen. Aber bei dieser HBS-Professorin hab ich meine Zweifel, ob sie überhaupt verstanden hat, was Anderson meint. Bzw. , und dass finde ich fast noch schlimmer, sie spielt damit, dass andere nicht wirklich verstanden haben, was Anderson meint.

    1. Sie behauptet, dass Kern von Andersons These sei, dass es sich nicht lohnt in „Hits“ zu investieren, weil im Longtail für jeden und alle viel mehr drin sei.
    –> sagt Anderson überhaupt nicht, er redet vom oftmals übersehenen Potenzial des Longtail und nicht davon, keine Hits mehr zu produzieren, seine Theorie gilt für bestimmte Umstände und nicht für alle und jeden und das macht er in seinem Buch auch klar. Wer hier was anderes behauptet hat es nicht gelesen.
    2. Sie behauptet, dass Anderson prophezeit, dass der Longtail mit der Zeit an Volumen (also entlang der Y-Achse) zunehmen werde, was sie in ihrer Studie zu widerlegen versucht.
    –> stellt Anderson lediglich als Vermutung auf, dass es so werden könnte, es ist keineswegs Bestandteil der Longtail-Theorie ansich

    die meisten hier wissen, worum es beim Longtail geht: Es gibt viel ungenutztes Potenzial in den Nischen der Nachfrage, insbesondere elektronische Produkte sowie konsequente Nutzung der Vertriebswege über das Internet bei geringen Lagerhaltungskosten können den Longtail ausnutzen. That’s it. Und DAS sollte mal jemand versuchen zu widerlegen. Alles andere sind Nebenkriegsschauplätze und können der Theorie nicht gefährlich werden.

  • Wer den „Long Tail“ auf eigenem „Leibe“ erleben will, soll sich einfach die eigenen Serverstatistiken anschauen und die Keywords auswerten. Eine Monatsliste von Keywords, durch die die Besucher zur Seite genalgen sind, reicht um zu sehen wie Long Tail funktioniert.

    Wie viele Begriffe wurden mehr als 50 Mal eingetippt (Top Ten), und wie viele nur ein mal (Long Tail)?

  • @Henric: alles richtig erkannt.
    kleine ergänzung:
    Der Invest in Hits wird auch immer schwerer, weil die geschäcker immer stärker fraqumentieren.
    Heute braucht man ja nur noch ein paar hundert cd die woche verkaufen, um in die top100 zu kommen. vor zwanzig jahren brauchte man da eine ganz andere ansage.

    Ich habe bisher über das infragestellen des longtail-ansatzes nur in der internetworld Business gelesen.
    auch der beitrag sprach dafür, dass das ursprungskonzept nicht verstanden war.

    Andersen stellte ja selbst Geschäftsmodelle infrage, die nur auf den longtail setzen, und genau das tut amazon ja ganz und gar nicht, die bestseller werden ja gigantisch gepuscht.

    grusz
    klm

  • Die Diskussion verläuft dann „schräg“, wenn weniger ökonomisch-real(istisch), sondern „theoretisch-religiös“ argumentiert wird. Z.B. bei Beiträgen, daß die Studienerstellerin Anderson „nicht verstanden“ habe oder die In-Fragestellung einer These die „Grundfeste von Businesses“ erschüttern würde.

    Entweder funktioniert ein (Internet-)Business oder nicht und wenn vieles, was pointiert die „long-tail-These“ aussagen könnte, wieder relativiert wird, dann ist sie nicht sooo dolle viel wert.

    Der long-tail-Ansatz sieht in Nischen Umsatzmöglichkeiten und daß man diese via Internet nun eher „erschließen“ kann. Es bleiben aber Nischen, d.h. der Gesamt-Umsatz ist begrenzt bzw. erfordert, wenn man ihn „weltweit“ realisieren will, einen großen logistischen, sprachlichen und zeitlichen Aufwand. Selbst,wenn die Nachfrage (angeblich) immer individueller wird, ist die Frage, wie man sie gewinnbringend befriedigt.

    ME wird in der Studie genau das beschrieben: man kann in den Nischen Geld verdienen, kann „obskure“ Produkte zur Steigerung des eigenen Angebotes (mit-)anbieten aber dann müssen die Kosten für die Bereitstellung knapp gehalten werden.

    Erfolgreich sind (Internet-)Businesses nur, wenn sie „große Umsatzbringer“ vorweisen können und/oder den „long tail“ kostengünstig bedienen können. Deshalb ist mE die Bedeutung des „long tails“ gar nicht in der „Entdeckung“ seiner Existenz zu sehen, sondern in dem Aufzeigen von Möglichkeiten, wie diese Umsatzpotentiale erschlossen werden können.

    Das „Verkaufs-Pareto-Optimum“ (20% der Angebote/Kunden bringen 80% des Umsatzes) wird weiterhin stillschwiegend zu akzeptieren sein und wir könnten Branche für Branche durchgehen, wo das (angeblich nicht) so ist.

  • @derherold: alles richtig erkannt

    noch eine kleine Bemerkung: immer wieder in der Web 2.0 Community und auch bei gar nicht so wenigen Internet-Businesses wird die Theorie des Long-Tails mit fast schon religiöser Inbrunst heruntergebetet. Und wenn ein Internet Business basierend auf dem „Glauben“ an den Long-Tail sein Geschäftsmodell aufgezogen hat und sich dieser „Glauben“ dann in der Realität nicht widerfindet, dann sind die Grundfesten eines solchen Businesses in der Tat erschüttert…

  • Mal ganz unwissenschaftlich: Was alle wollen und alle kaufen, gibt es im Supermarkt, im Baumarkt oder auch sonst an jeder Ecke. Das muss ich nicht auch noch im Internet anbieten. Machen aber alle, und dann gehts über den Preis.

    Nischenprodukte sind im Internetverkauf schon eher wirtschaftlich, und ich komme schneller auf die erste Seite bei google. Versucht doch mal, eine Internetseite unter dem Suchbegriff „Handy“ auf die erste Seite bei google zu bringen.

    Die Konkurrenz bei Nischenprodukten ist übersichtlich, ich bekomme meine Preise. Es sind Produkte, die für die Grossen einfach von Stückzahl und Umsatz uninteressant sind. Und so kann sich auch ein kleiner Betrieb in einer Marktnische gut und auskömmlich einrichten, auch und vor allem im Internet.

  • @ Klaus-Martin

    Herzlichen Glückwunsch!

    „Ich hab’s versucht. es geht :-)“

    Das war mir schon klar, weil: Wenn ich „Handy“ bei google eingebe, ist ja die erste Seite nicht leer 😉

    Es ist halt sehr schwer, unter dem Suchbegriff „Handy“ bei google auf die erste Seite zu kommen, u. a. auch, weil Du da schon bist 🙁

  • „Was alle wollen und alle kaufen, gibt es im Supermarkt, im Baumarkt oder auch sonst an jeder Ecke. Das muss ich nicht auch noch im Internet anbieten.“
    Anbieten mußt Du es schon, weil sich Deine Kunden dort informieren. 😉 Wenn man zudem den Erfolg von mobile/immobilienscout als Werbeportale nimmt – die zwar nicht verkaufen – ist das Angebot ein „Muß“, daß Zeitungen schon Mrd. Werbevolumen gekostet hat. Sollten noch, bei anderen Produkten, Verkäufe stattfinden, stört das keinen brick-and-mortar-Laden.

    Richtig, einzelne Nischenprodukte können mit hoher Rendite veräußert werden … allerdings braucht von diesen aber mehreren,was wiederum strenge Kostendisziplin erfordert.
    Um das Beispiel „Bücher“ oder CD zu nehmen:Man wird schon jede Menge Autoren und Musiker nehmen müssen, um davon leben zu können, was wiederum größeren Aufwand erfordert.
    Allerdings bleibt das „long-tail-online-Phänomen: Per Internet ist ein solches Geschäft überhaupt erst möglich geworden.

  • […] Dass bei dieser Vielfalt auch Motive dabei sind, die sich an sehr spezielle Nutzergruppen richten, ist klar. Macht aber nichts. Denn die Auswertung der Suchanfragen im Designer zeigt: die Kunden suchen nach sehr speziellen Designs – mehr als 80% alles Suchbegriffe werden aktuell weniger als fünf Mal eingegeben. Der sog. “Long Tail” (s. Bild oben) ist bei uns also lebendiger und wichtiger, als so manch anderer glaubt. […]

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