Die Jacke für ein spürbares Filmerlebnis

André Vatter
Das Emotionsshirt

Philips stellt nicht nur Rasierapparate und defekte Kaffeemaschinen her, sondern tüftelt hin und wieder auch an abgefahrenen Visionärsprodukten, wozu auch das „Emotionsshirt“ zählt. Hinter der Idee steckt – wie man annehmen könnte – ein teils schon philosophisches Konzept:

A touch can create feelings of comfort or familiarity, but at the same time can be very intimidating depending on someone’s mood. Why is there such a strong relationship between emotion and touch?

Fragen also, die wir uns täglich stellen. Tatsächlich ist das „Emotionsshirt“ eine mit zig Motoren ausgestattete Jacke, die in der Lage ist, visuelle Impulse in spürbare Bewegungen zu übersetzen. Nach Angaben von „Die Presse“ soll die Verkabelung dank Bluetooth-Empfänger minimal sein. „Die Hauptaufgabe der Weste besteht nicht darin, Schläge zu übersetzen, die ein Filmcharakter einstecken muss. Wir wollen viel mehr erreichen, dass die Leute Bruce Lees Anspannung hautnah spüren, wenn er in schwierigen Situation gefangen ist“, sagt Paul Lemmens, Philips-Wissenschaftler für kognitive Fragen im Geschäftsbereich Lifestyle.

Die Jacke soll in der Lage sein, Signale, die beispielsweise auf einer DVD gespeichert sind, in Echtzeit und direkt am Körper des Zuschauers umzusetzen. Auf diese Weise sei es möglich, ihm „einen kalten Schauer den Rücken herunter laufen zu lassen“ oder auch „Schmetterlinge in den Bauch“ zu zaubern. Während eines Kampfes kann das „Emotionsshirt“ zum Beispiel einen leichten, pulsierenden Druck auf die Brust ausüben, um den erhöhten Puls des Kung Fu-Meisters abzubilden.

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Noch haben die Forscher nicht ihr Ziel erreicht, im Vordergrund der Arbeit steht derzeit auch die Frage, ob bestimmte Berührungen bei jedem Nutzer dieselben Gefühle hervorrufen. Demnach seien auch individualisierbare Motorjacken vorstellbar, meint Lemmens.

Ich sehe hier zwei Profiteure: Zum einen die Faulheit der Menschen, die bei der Sportschau endlich authentisch durchgeknetet werden können, ohne sich bewegen zu müssen. Und die Sex-Industrie. Ein Shirt? Der Mensch hört doch nicht am Bauchnabel einfach auf.

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(André Vatter)

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André Vatter ist Journalist, Blogger und Social Median aus Hamburg. Er hat von 2009 bis 2010 über 1.000 Artikel für BASIC thinking geschrieben.