Billiger geht's kaum: AOL verscherbelt ICQ in Russland für 188 Millionen Dollar

André Vatter

icq

Und der Zuschlag geht nach… Moskau! Wie AOL gerade per Pressemitteilung verkündet, wurde endlich ein Käufer für die ungeliebte Tochter ICQ gefunden: es ist Digital Sky Technologies (DST). Bereits Anfang des Monats wurden gerüchteweise einige Namen potentieller Käufer im Bieterrennen genannt, darunter das ebenfalls russische Unternehmen ProfMedia sowie Tencent, ein Portalbetreiber in China. Die beiden Letztgenannten hatten jedoch Angebote gemacht, die offenbar weit unter den Vorstellungen des AOL-Chefs Tim Armstrong lagen. AOL hatte den Instant Messenger 1998 für 402 Millionen US-Dollar der israelischen Entwicklerfirma Mirabilis abgekauft.

Umso überraschter darf man nun über den tatsächlich erzielten Verkaufspreis sein: DST bekommt die Netzlegende für attraktive 187,5 Millionen Dollar hinterher geworfen. Vor ein paar Wochen war noch von 250 Millionen Dollar die Rede gewesen. AOL muss in den Verhandlungen ordentlich unter Druck gestanden haben, denn eigentlich verfügen die Russen über ordentliche Finanzmittel. In der Vergangenheit hatte DST in regelmäßigen Abständen Millionenbeträge unter anderem bei Facebook und dem russischen Facebook-Klon VKontakte zur Investition geparkt. „Die Übernahme von ICQ ist eine strategische Verbesserung unserer Geschäfte in Russland und in Osteuropa“, kommentiert DST-DEO Yuri Milner nun den Deal. „Der etablierte Markenname und der große Kreis loyaler Nutzer bieten eine sehr attraktive Gelegenheit, um unsere Position in der Region weiter zu stärken.“

Es ist davon auszugehen, dass DST über kurz oder lang den Instant Messenger in das Dienstportfolio des eigenen Webemailers mail.ru integrieren wird. Heute betreibt das Unternehmen bereits den Messenger Agent@Mail.ru, bei dem rund zwölf Millionen Nutzer registriert sind. ICQ zählte in Russland stets als der härteste Konkurrent.

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AOL weint der Tochter jedenfalls keine Träne hinterher. Im Zuge der internen Reformen, bei denen man sich auf das Kerngeschäft mit Content und Werbung zurückzieht, wurde ICQ als unnötiger Unternehmenszweig interpretiert. Dementsprechend lakonisch lauten auch Armstrongs Abschiedsworte: „Wir sind froh, dass ICQ ein tolles Zuhause bei DST gefunden hat. Wir wünschen ihnen allen Erfolg als Teil von DST und unterstützen sie bei dem Weg nach vorne.“

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(André Vatter)

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André Vatter ist Journalist, Blogger und Social Median aus Hamburg. Er hat von 2009 bis 2010 über 1.000 Artikel für BASIC thinking geschrieben.