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Zwischen Freak-Show und 'I, Robot': Telenoid R1 soll Telefonpartner präsenter machen

Was ihr auf dem Teaser-Bild sehen könnt ist nicht etwas ein naher Verwandter von Fantomas oder irgend ein „Freak„, sondern der Telenoid R1. Konkret handelt es sich dabei um einen knapp 700.000 Yen (etwa 8.000 Euro) teuren und in Zusammenarbeit von der Universität Osaka und dem Advanced Telecommunications Research Institute entwickelten Roboter. Sein Einsatzgebiet sehen die Forscher im Bereich Videotelefonie beziehungsweise -konferenz, wo er den Gesprächsteilnehmern eine Art Telepräsenz vermitteln, also den räumlich entfernten Kommunikationspartner quasi physisch in den Raum holen soll.

Hierzu wiederholt der etwa 80 Zentimeter hohe und knapp fünf Kilogramm schwere Roboter nicht nur das von einer Person Gesagte. Er ahmt zusätzlich auch noch deren Arm- und Kopfbewegungen sowie Mimik nach. Das funktioniert, indem die von einem Video-Telefon aufgenommenen akustischen und optischen Informationen von einem speziell entwickelten Programm verarbeitet und als Befehle an den R1 weitergegeben werden. Wenn ich es recht verstehe, dann bleibt die Stimme der Person dabei aber unverändert. 

Es darf nun zu Recht gefragt werden, warum jemand dieses hässliche Teil einer normalen Video-Telefon-Anlage vorziehen sollte, die zudem in ihrer Luxusausführung noch um einiges günstiger als der R1 sein dürfte? Die Antwort liegt offenbar im hohen Altersdurchschnitt der japanischen Bevölkerung und sicherlich zu einem großen Teil auch in deren Mentalität begründet. Professor Hiroshi Ishiguro, der geistige Vater des Telenoid R1, will mit diesem nämlich vor allem älteren, vereinsamten Menschen wieder zu etwas mehr „Gesellschaft“ verhelfen.

So soll der Tele-Replikant Großeltern beispielsweise die Gegenwart ihres Enkelkindes „simulieren“ oder älteren Patienten die Gegenwart ihres Arztes. Diese gewollte universelle Wandelbarkeit des R1 ist dann wohl offenbar auch der Grund, warum ihm die Wissenschaftler dieses haarlose und damit geschlechtsneutral wirkende Aussehen verpasst haben. Mir schießt das blanke Entsetzen in die Glieder bei der Vorstellung, dass Ishiguro das tatsächlich ernst meint und sich in seiner Zukunftsvision die Menschen irgendwann an der Anwesenheit solcher Roboter „erfreuen“. Ganz so, wie bei I, Robot

(Marek Hoffmann / Fotograf: Nieben)


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Über den Autor

Marek Hoffmann

Marek Hoffmann hat von 2009 bis 2010 über 750 Artikel für BASIC thinking geschrieben und veröffentlicht.

8 Kommentare

  • Denke das kommen noch arge Probleme auf die Gesellschaft zu , sollten Roboter in 20 Jahren soweit sein viele Arbeitsplätze Ersetzen zu können.
    Das es kommen wird ? bezweifelt wohl kaum jemand … das wird dann vermutlich der wahre Grund für den Untergang des kapitalistischen Systems sein und keine Finanzkrise.

  • Älteren Menschen die Gegenwart eines Arztes simulieren? Hey, das klingt auch für das überalternde Deutschland nach einer Patentlösung. Statt dass die doofen alten Menschen zum Arzt gehen, sich Medikamente bezahlen lassen und anderen Patienten die Wartezeit verlängern, kriegen die einfach pro Altersheim einen Roboter und mangels (echter) Betreuung löst sich das Problem ganz von selbst!

    Schöne neue Welt, in der gesellschaftliche Verantwortung auf Roboter abgewälzt wird!

  • Nette Spielereien wie sie schon seite einem Jahrzehnt aus Japan kommen.

    Das eigentliche Problem ist die vereinsamung von alten Leuten und die falsche annahme das Roboter Menschlichen kontakt ersetzen können.

    Es gibt ausserdem zuwenig Nachwuchs in Japan und somit wenig potentielle echte Pfleger die sich um alte Leute kümmern könnten.

  • Nur zur Info: Wer das mal ausporbieren will, auf dem ars electronica festival in Linz kann man noch bis Samstag ausprobieren, wie sich Interagieren mit telenoid anfühlt. Ich will jetzt aber nichts vorwegnehmen.
    Mehr Infos hier:
    http://new.aec.at/repair/

  • Soso, sich nicht auskennen, aber mal ganz ungeniert über die Arbeiten annerkannter, japanischer Wissenschaftler herziehen. Klar, mit solch populistischer Hetze lässt sich bestimmt gut Geld machen, da man ja den Technologie-Hype gut ausnutzen kann, um die Klickrate zu erhöhen.

    Man, wie peinlich. Haben Sie, Herr Marek Hoffmann, sich überhaupt die Erlaubnis beim ATR in Kyoto eingeholt, das „Teaser-Bild“ hier zu veröffentlichen?
    Falls nicht: http://www.irc.atr.jp/Geminoid/ bzw. irc-contact@atr.jp (obwohl es nachträglich natürlich keinen Sinn macht und die eifrigen Blogger für solchen Kleinkram bestimmt keine Zeit haben, nicht wahr?)

    Sollten Sie sich nicht kümmern, so könnte das Konsequenzen für Ihren Arbeitgeber haben, denke ich..

    Gruß,
    Becker-Asano

    (PS: Und das ist KEIN Pseudonym)

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