Carol Bartz ist wütend: "Diese Leute haben mich verarscht"

Jürgen Vielmeier

Man darf sich auch nicht alles gefallen lassen: Carol Bartz wurde am Dienstag recht unsanft bei Yahoo entthront und ins Parlament zurückverfrachtet. Kündigungen sind selten unemotional, aber Bartz sieht es nun nicht ein, gute Miene zum bösen Spiel zu machen: „Diese Leute haben mich verarscht“, sagte die Ex-Chefin des Internetkonzerns der CNN-Seite „Fortune“ in einem Exklusivinterview. Ihrer Version nach habe sie den Verwaltungsratsvorsitzenden am Dienstagabend um kurz nach 18 Uhr US-Ostküstenzeit angerufen. Aber statt mit ihr zu reden, soll Roy Bostock gleich begonnen haben, von einem Statement abzulesen, das mit Yahoos Anwälten abgestimmt war.

Bartz habe daraufhin gesagt: „Roy, ich denke, das ist eine Vorlage, die du da abliest. Warum hast du nicht die Eier, es mir selbst zu sagen?“. Bartz erklärt, sie habe nicht mit Bostock verhandelt oder gestritten, sondern es einfach akzeptiert, allerdings nicht ohne anzufügen: „Ich dachte, du hättest mehr Klasse“. Bostock, der auch im Aufsichtsrat von Delta Airlines und Morgan Stanley sitzt, wollte Bartz‘ Erklärungen nicht kommentieren.

Der Anfang vom Ende für Yahoo

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Auch der Verwaltungsrat bekam sein Fett weg: Er sei entgeistert gewesen, als er als schlechtester Rat des Landes bezeichnet wurde, sagte Bartz. „Jetzt versuchen sie, zu zeigen, dass sie nicht die Doofies sind, die sie sind.“ Diese Aussage könnte noch teuer für die geschasste Chefin werden. In ihrem Vertrag steht, dass sie sich nicht öffentlich über Interna der Firma äußern darf. Dass sie das nur tat, könnte sie die zehn Millionen US-Dollar Abfindung kosten, die ihr eigentlich zustehen. Bartz dürfte einen Posten im Verwaltungsrat theoretisch behalten. Klingt aber unwahrscheinlich, dass sich das zerschnittene Tischtuch noch einmal nähen lässt.

Yahoos Investoren sollen unzufrieden mit Bartz‘ Aufräumarbeiten bei dem Internet-Urgestein sein. Sie habe die Trendwende trotz Kostenreduzierung und einer Werbepartnerschaft mit Microsoft nicht geschafft. Ihr Vorgänger, der Unternehmensgründer Jerry Yang, allerdings auch nicht, der ein Übernahmeangebot von Microsoft in Höhe von 44,6 Milliarden US-Dollar im Frühjahr 2008 ausgeschlagen hatte. Gestern kamen Gerüchte auf, nach denen Yang wieder eine stärkere Position bei der Internetfirma besetzen, die Firma vielleicht sogar zurückkaufen wolle. Klingt für mich eher, als sei die beste Zeit für den Konzern langsam vorbei. Es gibt zu viele Mitspieler auf dem Markt, und Yahoo hat kein Alleinstellungsmerkmal. Ich könnte mir denken, dass man sich ähnlich wie AOL von vielen Unternehmensbereichen trennen und letztendlich deutlich schlanker aufstellen wird.

(Jürgen Vielmeier, Bild: Yodel Anecdotal via Flickr unter CC-Lizenz BY 2.0)

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Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.