Beginnt 2012 das große App-Sterben?

Jürgen Vielmeier


Keiner will derjenige sein, der miese Stimmung verbreitet, alles schlecht redet und das Positive übersieht: die mobile Revolution, den Startup-Boom in Berlin, ein Zeitalter, in dem sich Anbieter mit neuen Entwicklungen nur so übertrumpfen, die uns das Leben erleichtern. Juchee! Gesagt haben will ich deswegen mal nichts. Aber ein paar Fragen hätte ich. Das muss erlaubt sein:

  • Mehr als 500.000 Apps gibt es in Apples AppStore und 400.000 im Android Market. Wer bezahlt dafür? Wie finanzieren die sich alle?
  • Facebook und Twitter haben in dieser Woche angekündigt, Werbung in ihre mobilen Apps einzubauen. Wie viel andere mobile Werbung werden die Nutzer da noch ertragen wollen? Was wird dann aus den Apps, die sich erhofft hatten, mit Hilfe der beiden Plattformen Geld zu verdienen? Greifen sie nicht schon jetzt zu verzweifelten Versuchen, im Gedächtnis zu bleiben?

  • Firmen, die mit den Daten der Nutzer Geld verdienen, bläst zunehmend Gegenwind von Seiten der Politik entgegen. Ein Anfang dürfte US-Präsident Obamas „Customer Bill of Rights“ sein. Wie aber wollen Anbieter ihre kostenlose Dienste dann noch finanzieren?
  • Die 6Wunderkinder haben mit allerhand anderen Berliner Startups zusammen im vergangenen August die Anti-Copycat-Revolution ausgerufen. Was aber sind die Geschäftsmodelle der dort aufgezählten Dienste?
  • 1 Trendsetter, 50 Copycats. So sind die Verhältnisse zum Glück nicht immer, aber manchmal eben doch. Alexander Hüsing flehte neulich, bitte keine neuen Deal-Startups mehr zu gründen. Wer Groupon und Co. regelmäßig nutzt, ist noch einmal eine ganz andere Frage. Ihr?


Keine Plattform ohne Apps

  • Ein Trend kann erstaunlich schnell vorbei sein. Wer auf der Welle reitet, kann Schiffbruch erleiden oder mit fragwürdigen Mitteln kurz vor der Küste auf neuen Wind warten. Doch wird der jemals kommen?
  • Der Ansatz, Basisfunktionen kostenlos anzubieten, damit die Nutzer freiwillig zahlen, ist aller Ehren wert. Aber wie viele Dienste gibt es, die so beliebt sind, dass sie von einem solchen Modell leben können? Was wird aus der großen Mehrheit, die weit weniger Aufmerksamkeit erregt?
  • Oder anders ausgedrückt: Wohl dem, der eine Plattform hat. Aber welche Plattform funktioniert ohne Apps von Drittanbietern?
  • Für wie viele Apps auf eurem Smartphone habt ihr etwas bezahlt? Sind die meisten davon nicht kostenlos?
  • Sucht nach euren Lieblings-Apps im jeweiligen AppStore. Wie viele vergleichbare Apps gibt es, die mehr oder weniger genau dasselbe können?
  • Wie schnell schafft man eigentlich so einen Return on Investment? Foursquare übt sich im Geldverdienen, zumindest ein bisschen – drei Jahre nach dem Start, den Investoren wie Marc Andreessen mit 50 Millionen US-Dollar gefördert haben.
  • Pinterest ist mit 12 Millionen monatlich aktiven Nutzern nach gut einem halben Jahr eines der schnellst wachsenden Social Networks aller Zeiten. Auch Fab.com gewann in kürzester Zeit immerhin 2 Millionen Nutzer. Das sind die Hausnummern, an die man sich mittlerweile gewöhnt hat. Wie schnell muss ein neues Startup in Zukunft wachsen, um überhaupt noch Aufmerksamkeit zu erregen?

Okay, genug Fragen. Warten wir einfach mal ab, was in diesem Jahr passiert…

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(Jürgen Vielmeier)

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Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.