Facebook stellt eigene Hauswährung "Credits" ein. Ihr werdet's wohl nicht merken

Jürgen Vielmeier

Langsam, so scheint mir, haben wir den blauen Riesen maßlos überschätzt. Wie er immer weiter und immer weiter wuchs, das ganze Internet zu vereinnahmen drohte, ein eigenes Betriebssystem einführen, die mobile Revolution ausrufen, unsere Währungen obsolet machen würde, Twitter ersetzen und das Bloggen sowieso. Horrorszenarien gab es genug: Wer nicht auf Facebook ist und da nicht wirbt, wird in Zukunft kein Geld mehr machen, hieß es. Einige Unternehmen gingen in der Tat so weit, ihre Website abzuschaffen und nur noch eine Facebook-Seite als Präsenz stehen zu lassen.

Spätestens seit dem nicht ganz so erfolgreichen Börsengang scheint klar, dass Facebook nicht die Allmacht ist, für die viele sie gehalten haben. Was jetzt bleibt, ist ein riesiges Social Network mit noch immer keiner vernünftigen mobilen Lösung, keinem eigenen Betriebssystem, Funktionen wie Videochat und Social Music, deren Umsetzung man externen Partnern überlassen musste. Und auch die eigene Währung ist jetzt hinfällig: Das Social Network will Facebook Credits zum Jahresende wieder abschaffen. Der Grund: Zwar sind Facebook Credits seit einem Jahr für In-App-Käufe in beworbenen Facebook-Games vorgeschrieben, die App-Anbieter hielten aber trotzdem an ihren eigenen virtuellen Währungen fest. Die Nutzer mussten ihr Geld jeweils umtauschen – Facebook hat nun offenbar eingesehen, dass das ein Schritt zu viel war. Facebook Credits laufen zum Jahresende aus. Stattdessen sollen App-Anbieter wieder echte Währung annehmen und eine Art monatliches Abo einführen können. Der Staate Facebook gibt mehr Macht aus der Hand.

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(Jürgen Vielmeier)

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Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.