Airtime: Napster-Gründer erledigen Facebooks Hausaufgaben und wenden sich an die falsche Klientel

Jürgen Vielmeier


Vorhang auf für Airtime, ein Videochat mit Kennenlernfunktion für Facebook. Gestern startete das Projekt, hinter dem die beiden Napster-Gründer Sean Parker und Shawn Fanning stehen. Und der Zeitpunkt des Starts könnte kaum schlechter sein: Die Begeisterung für Social Networks hat sich merklich abgekühlt, Facebooks Aktienkurs fällt und fällt. Schlachtruf von Parker ist es, das Web wieder interessant zu machen – mit einer Plattform für Extrovertierte, und einer Videochat-Erweiterung für das große Social Network, das Google mit seinen Hangouts für Google Plus längst hat. Das alles war Investoren aus dem Silicon Valley 33,5 Millionen US-Dollar an Kapital wert. Zu Recht?

Seien wir fair: Airtime ist definitiv hübsch designt und leicht zu bedienen (auch wenn es bei der Präsentation gestern technische Probleme gab). Airtime wirkt wie eine frische, sozialere Variante des heute mehr oder weniger gefloppten, einstigen Hype-Startups Chatroulette. Es ist nicht nur möglich, sich mit seinen Freunden oder Wildfremden via Videochat zu unterhalten, man kann ihnen auch etwa YouTube-Videos schicken und diese dann gemeinsam mit ihnen schauen. Außerdem ist es möglich, Videobotschaften aufzuzeichnen und als Mailbox-Nachricht zu hinterlassen. Durch die Anbindung an Facebook und ein angeblich ausgeklügeltes Sicherheitssystem wie Gesichtserkennung wird der Penis- und Porno-Effekt verringert, der in Chatroulette eine Zeitlang vorherrschte. Mit all dem erledigt Airtime gleich eine ganze Reihe von Facebooks Hausaufgaben.

Startup für Extrovertierte

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Airtime ist damit eine sinnvolle Erweiterung für das börsennotierte Social Network, das damit gleich mehrere dringend benötigte neue Funktionen erhält. Denn über die Kernfunktion des Videochats mit Freunden oder Fremden soll das Projekt Menschen mit gleichen Interessen zusammenbringen. Airtime ist also auch eine Art Freundefinder, eine Funktion, die Facebook trotz des Kaufs von Glancee bislang sträflich vernachlässigt hat. Collaborative Consumption, Second Screen, Videochats, Mailbox und Freundefinder – Facebook wird aufgemöbelt, ohne auch nur einen einzigen Cent dafür zu zahlen. Mark Zuckerberg sollte Luftsprünge machen.

Dass er es bei der Präsentation von Airtime nicht tat, dürfte indes symptomatisch sein, denn es gibt da ein Problem. Zuck ist introvertiert, und ein Großteil der Facebook-Nutzer ist es auch. Es gibt einen Grund, warum SMS, E-Mails und heutige Mobile Messenger ein derartiger Erfolg wurden: Man hat dabei seine Ruhe. Sich vor einer Kamera zu präsentieren und mit anderen, noch dazu fremden Menschen zu unterhalten, vielleicht noch auf einer fremden Sprache, ist anstrengend. Die Klientel, die das dauerhaft gerne macht, dürfte begrenzt sein. Und das dürfte für Airtime zum Knackpunkt werden. Über kurz oder lang wird man die Möglichkeit unterstreichen müssen, auch ohne Videokamera zu kommunizieren.

Denn die Idee und die Umsetzung an sich sind ja nicht schlecht. Dass Versuche von Videohats auf Facebook via Skype, Bobsled und anderen bislang nicht von berauschendem Erfolg gekrönt waren, muss nicht heißen, dass es mit Airtime nicht gelingt. Der Ansatz ist ein modernerer, sozialerer. Das Killerfeature aber ist die Kennenlernfunktion, nicht die Videotelefonie. Sobald Fanning und Parker das erkannt haben, könnte Airtime durchaus zu einem durchschlagenden Erfolg werden.

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(Jürgen Vielmeier)

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Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.