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JBL Charge im Hands-on: Utz Utz zum Mitnehmen

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Mobile Lautsprecher, um alle anderen mit der eigenen Musik zu nerven, die hatte ich in den 90ern auch für meinen Walkman. Das Paar war natürlich kabelgebunden und kostete keine 20 Mark, so klang es dann aber auch. Seitdem habe ich nie wieder das Bedürfnis verspürt, mir solche Lautsprecher zuzulegen. Heute gibt es sie immer noch, mit deutlich kräftigerem Sound, dank Bluetooth ohne störende Kabel und inklusive Zusatzfunktionen. Einer der wenigen, der mit seinem eigenen Akku unterwegs auch Smartphones oder Tablets aufladen kann, ist der neue JBL Charge. Das macht das Gerät auch dann interessant, wenn gerade Ruhe herrschen sollte.

JBL Charge im Hands on - Lieferumfang

Wie er aussieht

Optisch wirkt der Lautsprecher gleich solide. Kein dünnes Hochglanz-Plastik mit scharfen Kanten (wie mein damaliges Exemplar vor 16 Jahren), sondern ein mattes und griffiges Gehäuse. Der rund 175 x 74 Millimeter große JBL Charge wiegt etwas weniger als 450 Gramm, das relativ hohe Gewicht trägt zum wertigen Eindruck bei. Für einen Preis von 149 Euro (UVP) kann man das auch erwarten.

Ihr könnt zwischen drei Farben wählen: Blau, Grün und Schwarz. Das Testgerät entspricht letztgenannter Variante, ist in natura aber Grau und auch heller als auf der JBL-Produktseite. Gummi-Füße an der Unterseite und eine gummierte Fläche an einer der Außenseiten zeigen an, wie der Lautsprecher aufgestellt werden kann – waagerecht oder senkrecht.

JBL Charge im Hands on - Knöpfe

 

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JBL Charge im Hands on - Größenvergleich mit iPad

Was er kann

Als Musikquelle könnt ihr fast alles nutzen, was Bluetooth-fähig ist, alternativ auch ältere MP3-Player oder andere Geräte via Aux-Eingang. Wie das Pairing mit der Musikquelle in Gang gesetzt wird, verrät die Innenseite der Verpackung. Der Pappkarton mit magnetischem Deckel zum Umklappen gibt jedenfalls schon beim Auspacken das Gefühl, etwas Hochwertiges gekauft zu haben. Die Kopplung ist ruckzuck erledigt: Nur drei Sekunden lang Knöpfchen drücken, Bluetooth am Smartphone oder Tablet einschalten und den Lautsprecher auswählen. Einfacher geht es nicht. Getestet habe ich ein Apple iPad der dritten Generation mit iOS 6.1.3 und ein LG Optimus One P500 Smartphone mit Android 2.3.3. Beide haben den Lautsprecher sofort gefunden. An der Reichweite gibt es nichts auszusetzen, zehn Meter ließen sich im Test problemlos überbrücken. Auch zwei Wände und eine Decke überstand die Bluetooth-Verbindung, erst zwei Stockwerke über der Wohnung kam es zu Unterbrechungen.

Neben dem Einschaltknopf, der durch farbiges Blinken oder Dauerleuchten anzeigt, in welchem Modus sich der Lautsprecher gerade befindet, hat JBL eine jederzeit gut erreichbare Lautstärketaste angebracht. Drei kleine Lämpchen zeigen an, wie es um den Akkufüllstand bestellt ist. Bis zu 12 Stunden sollt ihr mit dem 6.000-mAh-Akku Musik hören können. Bis der Akku dann wieder vollständig aufgeladen ist, vergehen laut Hersteller 3,5 Stunden. Das kommt in der Praxis hin. Genutzt wird ein Netzteil mit Micro-USB-Kabel. Da das bereits den Anschein weckt, dass sich der Lautsprecher auch über USB-Ports von Notebooks mit Energie versorgen kann, habe ich genau das versucht, und es geht.

Um Zubehör aufzuladen, ist an der Seite ein USB-Port regulärer Größe angebracht. Sobald der Lautsprecher eingeschaltet wird, beginnt der Ladeprozess – nachgeprüft mit dem iPad, dem LG-Handy und einem Kindle. Das Aufladen klappte genauso schnell wie mit dem jeweiligen Netzteil. Der Anschluss wird durch eine dicke Gummikappe geschützt; das ist auch nötig, denn er sitzt genau auf der Seite, die senkrecht aufgestellt unten liegt. Inkonsequenterweise liegen die Mikro-USB-Schnittstelle und die 3,5-mm-Buchse auf der Unterseite frei. Auf einem sauberen Tisch auf dem Balkon mag das nicht weiter schlimm sein, aber JBL peilt eine Zielgruppe mit „aktivem Outdoor-Lifestyle“ an und für den Einsatz auf der Picknickdecke wäre eine Abdeckung schon besser.

JBL Charge im Hands on - Anschlüsse

Wie er klingt

Um als portabler Lautsprecher eine gute Figur zu machen, hat JBL dem Charge zwei 5-Watt-Verstärker spendiert. Und in der Tat drängt sich der Begriff Bassrolle nicht nur durch die Optik auf. Die Klangqualität ist für ein so kleines Gerät beachtlich, vor allem die Bässe. Schließlich hakt es doch meistens genau dort, wenn man sich Musik auf manch extradünnem Laptop oder günstigen Tablet zu Gemüte führt. Hier kann der Charge deutlich nachlegen.

Für mich klingt er daher auch am besten bei HipHop oder Dance. Bei Chart-Pop-Songs und Rock fehlt mir etwas, während bei reduzierten Balladen der gewollte Bass zu stark durchschlägt. Für mich klingt der Lautsprecher dann etwas zu dumpf. Besser wird es, wenn man ihn senkrecht statt waagerecht positioniert. Alles in allem ist der Sound aber überzeugend. Das zeigte sich auch im Vergleich mit ganz ordentlichen 30-Euro-Lautsprechern für den PC, die der Charge bei hoher Lautstärke abgehängt hat. Was im Test überrascht hat, war die hohe Ausgangslautstärke.

Welche Alternativen es gibt

JBL hat mit dem Flip einen weiteren tragbaren Lautsprecher mit Bluetooth-Anbindung im Programm. Der Flip ist 20 Euro günstiger und liefert eine Freisprechfunktion, allerdings fällt die Akkulaufzeit mit bis zu 5 Stunden geringer aus und es ist nicht möglich, Tablets oder Smartphones aufzuladen.

Weitere Bluetooth-Lautsprecher mit Akku wären die Jawbone Jambox mit Freisprechfunktion für etwa 150 Euro, der foxL mit bis zu 20 Stunden Akkulaufzeit für 200 Euro oder auch die Logitech UE Mobile Boombox für rund 100 Euro, ebenfalls mit Freisprecheinrichtung. Wer zusätzlich zu JBL eine Ladefunktion bietet, ist Philips: Der SBT550 Lautsprecher ist für 100 Euro zu haben.

Fazit

150 Euro sind nicht wenig für einen mobilen Lautsprecher, denn ohne verblauzahnten Musikspieler bleibt der Charge stumm. Allerdings dient er dann als Energiespeicher. Für Wandertouren mit anschließendem Picknick ist er daher sicherlich ein praktisches Gerät, wenn man denn bereit ist, mehr als 100 Euro zu investieren und nicht ohne seine Gadgets rausgehen möchte. Was meint ihr?


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Über den Autor

Saskia Brintrup

Saskia Brintrup hat von 2010 bis 2013 insgesamt 66 Artikel zu BASIC thinking beigesteuert.

4 Kommentare

  • Bei Alternativen fallen mir noch Vibrationslautsprecher mit Bluetooth ein (so wie hier http://www.giffits.de/mini-lautsprecher, gibt’s aber auch für Privatbedarf)
    Super witzige Dinfer, weil sie keine Membran haben, sondern die Oberfläche, auf die du sie stellst als Resonanzkörper nutzen. Einen Tisch zum Beispiel, eine Bierkiste, Glasplatte, Milchkarton whatever… Je nachdem, wo sie stehen, machen die einen echt guten Sound. Man spielt allerdings auch ewig damit rum, wenn man einmal angefangen hat 🙂

  • Ich habe mir den Braven 650 für 180 Euro gegönnt. Dieser Lautsprecher besticht durch die klare Optik
    Aus gelochtem Alu, 20h Akkulaufzeit bei voller Lautstärke (19 h und ein paar Minuten
    haben wir erreicht. Allerdings innerhalb von 3 Tagen) und einem genialen Sound, welchen ich bei einem so
    Kleinen Lautsprecher noch nie gehört habe. Er hat zwar nur 6 Watt und keinen hörbaren Bass,
    aber Hoch- und Mitteltonbereich ist ein Kompliment für die Ohren.
    Wiegt 360 Gramm und hat auch die Ladefunktion für Smartphones.
    Seit ich Ihn habe, haben 3 Freunde nach Hörtest selbigen noch
    am gleichen Abend bestellt.
    Probehören lohnt sich.
    Hier noch ein Link

    http://www.amazon.de/gp/aw/d/B0083RXABI/ref=mp_s_a_1_1/278-0528603-9726020?qid=1371140365&sr=8-1&pi=SL75

  • „Fazit ….denn ohne verblauzahnten Musikspieler bleibt der Charge stumm…“
    Wieso bleibt er ohne Bluetooth stumm?
    Er hat doch einen 3,5 mm Aux-Eingang für zusätzliche Quellgeräte!

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