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Keine Klebezettel mehr am Bildschirm: Evernote erfasst künftig Post-its

Jeder hat sein eigenes System, um Notizen zu machen. Und an Apps zum Notizenmachen, zum Strukturieren, zum Sammeln von Daten mangelt es nicht. Wer mehr für seine Notizen braucht als nur Text, für den ist Evernote dabei das ideale Programm – alle Produktivitätsfetischisten und Ordnungsfreunde können hier ein ganzes Depot aus Notizen, To-Do-Listen, Web-Ausschnitten und Fotos anlegen, mit Tags versehen und durchsuchen. Doch wer noch immer auf Post-its am Bildschirm schwört, wird auch hier bald fündig: Evernote und 3M haben bekanntgegeben, dass bald auch normale Klebezettel mit der Anwendung für iOS 7 erfasst werden können.

post-it - Martin Abegglen - http://www.flickr.com/photos/twicepix/4837076726/

Im Rahmen der Zusammenarbeit wird 3M darüber hinaus spezielle Post-its mit Evernote-Logo verkaufen. Zudem soll es eine begrenzte Zeit lang Gutscheine für ein 30-Tage-Upgrade zur Evernote-Premiumversion geben. Ob dieses Angebot nur in den USA gilt oder auch hier verfügbar sein wird, ist noch offen.

Ohne Papier geht es doch nicht

Die eigentliche Neuerung ist allerdings vergleichsweise unspektakulär. So sollen sich die Post-its künftig per Smartphone fotografieren und anschließend in digital verbesserter Form in die bestehende Evernote-Sammlung sortieren lassen. Dabei soll die App in der Lage sein, unterschiedliche Post-it-Farben zu erkennen und diesen automatisch spezifische Tags zum Sortieren oder späteren Auffinden zuzuweisen. That’s it.

Papier meets digitale Datenbank – funktioniert das? Evernote-Chef Phil Libin glaubt, dass hier die Zukunft liegt – im Gegensatz zum oft beschworenen papierlosen Zeitalter: „Das Konzept Papierlos ist Blödsinn. Unser Ziel ist, die dumme Verwendung von Papier abzuschaffen.“ Aha. Und das geht offenbar am besten im Rahmen einer Kooperation mit 3M, einem der größten Produzenten von Notizzetteln weltweit.

Nicht gegen die digitale Konkurrenz, sondern mit ihr

Zumindest aus Sicht der Unternehmen greift eine solche Verbindung aber mindestens so ideal ineinander, wie die Zahnräder einer Uhr. Schließlich bleibt der Klebezettel auf nicht absehbare Zeit weiterhin Teil des Alltags: die Notiz beim Telefonieren, die Skizze einer Idee, diese eine Sache die man nicht vergessen darf – vieles wird schnell auf die kleinen bunten Zettel gekritzelt und irgendwohin gepappt.

In dieser noch gänzlich analogen Welt spielt Evernote bisher keine Rolle. Und genau das soll sich ändern. Für 3M ist die Zusammenarbeit hingegen eine exzellente Möglichkeit, ihre Produkte bei einer jungen, Smartphone-affinen Nutzerschaft ins rechte Licht zu rücken und nebenbei noch irgendwie an dieser hippen Digitalisierung teilzuhaben.

Ob eine Post-it-Funktion aber tatsächlich genug Mehrwert bietet, um neue Nutzergruppen für Evernote zu erschließen, bleibt abzuwarten. Wer die App schon nutzt, wird vielleicht auch seine Klebezettel digital erfassen. Aber umgekehrt? Eigentlich kaum vorstellbar.

Bild: Martin Abegglen / Flickr (CC BY-SA 2.0)


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Über den Autor

Thorsten Nötges

Thorsten Noetges ist Nerd, Gamer,und seit 1995 im Internet zu Hause. Er hat von 2013 bis 2014 über 100 Artikel auf BASIC thinking veröffentlicht.

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