„Funktioniert wie ein perfekter Nachbar“: Interview mit Christoph Baumeister von Locumi Labs

Jürgen Kroder

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Ein Filztasche namens „Locumi“ soll uns das Leben leichter machen. Zumindest, wenn es um das Thema Paket-Lieferungen geht. Wie das Konzept funktioniert, ob an das Thema Sicherheit gedacht wurde, und wie man die Konkurrenzsituation sieht, habe ich den Geschäftsführer Christoph Baumeister in einem Interview gefragt.

Wenn der Paketbote klingelt, dann sollen wir vor Glück schreien – das vermittelt uns zumindest die Zalando-Werbung. Doch meist ist das nicht der Fall. Denn viele Lieferanten kommen genau dann, wenn wir nicht zuhause sind. So beginnt eine Zickzack-Tour durch die Nachbarschaft oder zu einer Abholstelle. Ganz schön nervig. Genau diesen Paket-Frust will das deutsche StartUp Locumi Labs mit seinem Produkt Locumi vermeiden.

Hallo, Christoph. Auf eurer Webseite steht, die Tasche nehme die Sendungen an. Wie funktioniert das genau?

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Locumi funktioniert wie ein perfekter Nachbar. Er ist immer zu Hause, weil er an der eigenen Haus- oder Wohnungstür befestigt ist. Locumi nimmt alle Sendung an, weil jeder Paketzusteller bzw. Lebensmittellieferant ihn einfach entfalten kann, indem er den Deckel der Tasche hochklappt und somit 115 Liter Platz für seine Sendungen bekommt. Der Zusteller legt die Sendung in die Tasche, verschließt den Reißverschluss und sichert ihn mit dem Schloss. Fertig.

Viele Lieferanten benötigen eine Unterschrift, vorher dürfen sie ihre Ware nicht abliefern – habt ihr dafür eine Lösung?

Ja. Damit keine Unterschrift zur Quittierung des Empfangs notwendig ist, erteilen unsere Kunden den Paketdiensten Abstellgenehmigungen. Wir haben den Prozess für den Kunden so einfach wie möglich gemacht. Wir erzeugen unseren Kunden mit ihren Daten vorausgefüllte Abstellgenehmigungen, die sie nur noch ausdrucken und unterschrieben an uns schicken müssen. Wir leiten diese dann an alle Paketdienste weiter. Über den „MeinLocumi“-Bereich können unsere Kunden diese Genehmigungen auch jederzeit ändern oder weitere Personen hinzufügen.

Wie geht ihr mit dem Thema Sicherheit um? Immerhin könnten böse Nachbarn oder Fremde die Waren aus der Tasche mopsen.

Der Reißverschluss ist bei Locumi mit einem Schloss gesichert, zu dem nur der Besitzer den Schlüssel besitzt. Deine Lieferungen sind also sicher. Das ist in den Augen der meisten Kunden auch bereits ausreichend, weil sie ihren Nachbarn vertrauen und der durchschnittliche Warenwert von Online-Bestellungen nur bei 50 Euro liegt. Wenn aber Angst besteht, bieten wir seit Neuestem auch eine Einkaufsversicherung der Postbank an. Diese Einkaufsversicherung ist in alle Postbank-Kreditkarten integriert und schützt alle damit bezahlten Online-Bestellungen gegen Diebstahl aus dem Locumi.

Wenn ein Lieferant das Schloss anbringt – was ist, wenn noch mehr Zustellungen während meiner Abwesenheit kommen? 

Der Lieferant bringt das Schloss nicht wirklich an, sondern es ist Teil der Alu-Abdeckung und wird vom Zusteller nur zugedrückt. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein anderer Zusteller am selben Tag kommt, liegt im Durchschnitt bei lediglich 0,3%. Wenn es dazu kommt, dann ist nur die erste Sendung an der eigenen Haustüre empfangbar, die zweite Sendung kann nicht mehr dazu gelegt werden und muss dann leider den herkömmlichen Weg (Nachbar / neuer Zustellversuch / Shop, etc.) nehmen.

Bei mir geben sich an manchen Tagen die Paketboten die Klinke in die Hand. Woher hast du die Zahl 0,3%? 

Die Zahl habe ich basierend auf den Marktanteilen der Paketdienstleister und der durchschnittlichen Sendungszahl pro Privat-Haushalt selbst berechnet (zwei pro Monat). Selbstverständlich verändert sich das mit steigender Sendungszahl.

Eure Idee ist zwar interessant, aber nicht neu. Ich denke da zum Beispiel an die „Lockbox„, die ein ähnliches Konzept verfolgt. Worin liegen die Unterschiede zwischen Locumi und den Mitbewerbern?

Lockbox befindet sich noch im Testbetrieb mit DPD und erfordert einen sehr großen Eingriff in die Prozesse der Logistiker, weil alle Pakete in spezielle Plastikboxen umgepackt werden müssen. Das Konzept von Locumi funktioniert mit allen Paketzustellern: DHL, Hermes, DPD, GLS, UPS, FedEx und TNT. Das ist aus Kundensicht sehr wichtig, weil man in jedem Shop online einkaufen kann und verschwendet keine Zeit mehr seinen Paketen hinterher zu laufen.

Dazu kommt, dass Locumi immer verfügbar ist, weil die Tasche so elegant an der Tür befestigt ist, dass sie beim Rein- und Rausgehen überhaupt nicht stört. Sprich, auch unerwartete Sendungen landen im Locumi. Durch die Aufhängung an der Tür verstößt unser Konzept auch nicht gegen das weit verbreitete Verbot, Gegenstände im Hausflur abzustellen, was bei an Wohnungstüren angeketteten Plastikboxen der Fall ist.

Locumi Labs sitzt in München – eine Stadt, die für ihre exorbitant teuren Mieten bekannt ist. Warum sitzt euer StartUp nicht Berlin, wo alle Gründer günstig durchstarten können?

Die Mieten sind in der Tat nicht gerade günstig. Für uns war das aber nicht das ausschlaggebende Argument für die Standortwahl. München ist der Standort einiger vielversprechender Hardware-Startups und wir sind hier sehr gut vernetzt. Demzufolge ist München aktuell der ideale Standort für Locumi Labs.

Was sind eure nächsten Meilensteine, über die ihr jetzt schon sprechen könnt?

In den nächsten Wochen werden wir unseren Kunden eine zusätzliche Dienstleistung anbieten: einen Wäscherei- und Reinigungs-Abhol-und-Bring-Service. Dieses Angebot wird so bequem wie nie zuvor, weil alles von zu Hause geholt und wieder dorthin zurück gebracht wird – ohne jegliche zeitliche Einschränkung des Nutzers, weil die Abholung und Zustellung komplett entkoppelt vom Tagesablauf statt finden kann.

Na, da bin ich mal gespannt. Vielen Dank für das Interview.

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Jürgen bezeichnet sich als Blogger, Gamer, Tech-Nerd, Autor, Hobby-Fotograf, Medien-Junkie, Kreativer und Mensch. Er hat seine unzähligen Hobbies zum Beruf gemacht. Und seinen Beruf zum Hobby. Obwohl er in Mainz wohnt, isst er weiterhin gerne die Maultaschen aus seiner Heimat.