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Instagram-Suite: In diesem Penthouse entstehen all die spontanen Fotos

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Eine New Yorker Agentur hat für Influencer das perfekte Instagram-Penthouse geschaffen. (Foto: Screenshot / Village Marketing)
geschrieben von Marinela Potor

Eine gute Foto-Idee reicht auf Instagram nicht mehr. Echte Influencer müssen ihre Fotos perfekt inszenieren. Eine New Yorker Agentur bietet ihnen jetzt dafür einen idealen Ort: die Instagram-Suite.

Instagram-Influencer haben es nicht leicht. Jeden Tag müssen sie sich etwas Neues, Kreatives für ihre Produktfotos überlegen. Eine gute Idee für ein schönes Motiv reicht da schon lange nicht mehr.

Vor allem wer Lifestyle- oder Beauty-Produkte bewirbt, braucht darüber hinaus auch das passende Umfeld. Ein ansprechende Deko, die zum „Feeling“ des Shoots passt. Dezente Farben, die sich nicht zu sehr mit dem Produkt beißen. Perfektes Licht für das richtige Ambiente.

Ganz ehrlich: Welche eigene Wohnung hat das schon? Daher ist die New Yorker Werbeagentur Village Marketing auf eine clevere Idee gekommen. Sie bietet Influencern die perfekte Instagram-Suite!

220 Quadratmeter pure „Instagrammability“

Auf 220 Quadratmetern finden Influencer hier alles, was das Instagrammer-Herz begehrt: eine lichtdurchflutete Küche, ein Kuschelsofa im Farbton „Millennial Pink“ und ein fotogenes Bett voller Kissen.

Die örtlichen Influencer sind begeistert!

Denn gerade in New York City ist es für Instagrammer sehr schwer, passende Orte für ihre Fotoaufnahmen zu finden. Der Wohnraum ist knapp und teuer und die typische Ein-Zimmer-Bude oder die WG meist alles andere als Instagram-tauglich.

Viele Influencer machen ihre Fotos daher in schick dekorierten Möbelhäusern oder mieten sich eigens ein Hotelzimmer.

Vickie Segar, die Gründerin von Village Marketing, hat das als Marktlücke erkannt. Die eigene Wohnung ist nicht fotogen genug. Fotostudios dagegen sind zu steril und Hotelzimmer zu teuer. Möbelhäuser sind nicht ruhig genug. Segar bietet Influencern daher das „picture-perfect“ Penthouse.

Ein Apartment, das einerseits lebensecht genug aussieht, dass es als „eigene Wohnung“ durchgehen kann und andererseits wie ein Filmset aufgebaut ist, damit jedes Foto perfekt gelingt.

So durchdacht, dass es fast gruselig ist

Da hier niemand wirklich lebt, ist es auch immer sauber und aufgeräumt. Alles, was man hier findet – von den Cupcakes im Kühlschrank bis zu den aufgeschlagenen Kissen auf dem Bett – wird vor jedem Shooting sorgfältig vorbereitet.

Jedes Detail ist so durchdacht, dass es fast schon gruselig wird. Die Farben, überwiegend Gold, Weiß, Rosa oder Aprikosentöne, sind genau auf die Zielgruppe der Millennials abgestimmt.

Der Abstand zwischen Badewanne und Tür ist exakt bemessen, damit man sich beim Fotografieren nicht verbiegen muss.

Der goldene Rahmen um das Bett ist extra so designt, dass er – je nach Anlass – entweder mit ins Bild oder weggelassen werden kann.

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Pillow fights encouraged. #VillageStudio

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Die Bücher im Regal wurden allein wegen ihrer Farbe ausgewählt. Hier habe man bewusst matte Farben gewählt, die nicht so feminin wie der Rest der Wohnung wirken. Dadurch sollen die Fotos markanter wirken.

Tatsächlich nutzen fast ausschließlich weibliche Influencerinnen das Penthouse und bei Village Marketing arbeiten auch nur weibliche Mitarbeiterinnen.

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Library styles by @hannahbronfman #VillageStudio

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Dazu gibt es auch noch die Frauenpower-Ecke mit den passenden Emanzipationssprüchen.

Für Außen-Shootings bietet das Penthouse übrigens auch eine Dachterrasse. Die Deko ist natürlich so gewählt, dass man durch geschicktes Umstellen der Möbel und Pflanzen so ziemlich alles inszenieren kann, von einem urbanen Garten über ein Yoga-Studio bis hin zur Familien-Lounge.

Die Einrichtung stammt vom Designstudio Wayfair. Irgendwann möchte Village Marketing aber Unternehmen dafür zahlen lassen, dass sie ihre Einrichtung, ihre Deko-Gegenstände oder auch die Lebensmittel in der Instagram-Suite platzieren dürfen.

Denn schließlich führen die vielen Influencer-Posts mit ihrer Dekoration im Hintergrund zu vielen wertvollen Social-Media-Impressions. Damit könnte Village Marketing die 15.000 US-Dollar Monatsmiete für das Penthouse abdecken und die Influencer könnten die Wohnung gratis buchen.

Spontanes Foto? Nicht auf Instagram!

Ja, all das mag sehr inszeniert und kalkuliert wirken. Doch es ist der logische nächste Schritt für Instagram-Influencer. Village Marketing wird sicherlich nicht das einzige Unternehmen bleiben, das daraus Kapital schlägt. Es ist aber eines der ersten, das den Wandel der Plattform so klar auf den Punkt bringt.

Das soziale Netzwerk, das mal als DIY-Fotoplattform angefangen hat, hat sich professionalisiert. Influencer posten keine echten Schnappschüsse mehr auf Instagram. Ihr Geschäft ist es vielmehr, eine idealisierte Form der Wirklichkeit zu verkaufen.

Alles soll zwar „spontan“, „echt“ und „natürlich“ aussehen, aber gleichzeitig auch perfekt sein. Damit dieser fast schon unmögliche Spagat gelingen kann, müssen Influencer sehr viel Arbeit in ihre Posts stecken. Was am Ende dabei herauskommt, sind Fotomontagen – wie ein stilisiertes Stillleben der Realität.

Das Foto vom spontanen Frühstück im Bett?

Das funktioniert bei Instagram so: Erstmal schminkt man sich. Dann macht man sich die Haare im morgendlichen Wuschel-Look, wählt das perfekte Morgen-Outfit, macht das Bett, drapiert die Kissen und richtet das Croissant und die Kaffeetasse so Instagram-tauglich wie möglich auf dem Tablett an.

Denn man muss auch klar sagen, dass es genau diese Art von Posts sind, die mehr Engagement unter Nutzern anregen – und nicht etwa das Foto mit den fettigen Haaren, dem schmutzigen Geschirr und den Kaffeeflecken auf der Bettdecke.

Die Instagram-Suite: Ein Ort, an dem man seine Arbeit machen kann

Da kann man Village Marketing nicht unbedingt vorwerfen, dass es dem Markt das bietet, was er braucht.

Spielt man damit den Nutzern aber mit einem solchen „Instagram-Apartment“ nicht auch etwas vor? Schließlich schreiben die wenigsten in ihre Posts, dass sie das Foto nicht in der eigenen Wohnung aufgenommen haben.

Influencerin und Adidas-Botschafterin Hannah Bronfman beantwortet das im Gespräch mit der New York Times sehr nüchtern: „Schafft Instagram eine falsche Realität? Ja, zu 1.000 Prozent. Doch für mich bedeutet so ein Ort nicht, dass du vorgibst, dein Leben sei etwas, das es in Wirklichkeit gar nicht ist. Es geht einfach darum, dass du einen Ort hast, an dem du deine Arbeit machen kannst.“

Damit spiegelt die Instagram-Suite auch den Wandel der Plattform wider. Influencer sind keine Privatleute mehr, die ihre persönlichen Aufnahmen posten. Sie haben einen Job und ihre Fotos sind harte Arbeit. Dafür brauchen sie, wie jeder andere auch, einen angemessenen Arbeitsplatz.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor hat als klassische Radiojournalistin angefangen, und ist dann unklassisch (und nicht ganz freiwillig) zur digitalen Nomadin geworden. Seit 3 Jahren reist sie um die Welt und schreibt zu politischen, sozialen und digitalen Themen.

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