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Der unerwartete Wiederaufstieg von Snapchat

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Snapchat feiert in der Krise neue Erfolge. (Foto: Unsplash.com / Thought Catalog)
geschrieben von Christian Erxleben

Zwischen 2015 und 2016 war Snapchat die heißeste Social-Media-App – und dann kam Instagram und kopierte den Erfolg kaputt. Mit dem Snapchat-Wachstum im Jahr 2020 drängt sich der kleine Geist wieder in den Vordergrund. Eine Analyse des Wiederaufstiegs.

Es wirkt in den Zeiten, in denen jeder Marketing-Verantwortliche und jeder Unternehmer fast ausschließlich über Tik Tok und Instagram Stories spricht, fast schon historisch, wenn wir uns an den Zeitraum zurückerinnern, an dem Snapchat der gierige Herausforderer von Mark Zuckerberg war.

Ein Kompliment, das keines war

In den Jahren 2015 und 2016 – zumindest bis Instagram das Story-Format dreist und erfolgreich kopiert hat –  war Snapchat das, was Tik Tok heute ist: der aufregende Neuling, der mit neuartigen Formaten am Imperium von Facebook rüttelte.


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Mittlerweile sind Nachrichten, Fotos und Videos, die verschwinden, sobald sie der Empfänger gesehen hat, keine Seltenheit mehr. Und auch dass bestimmte Inhalte nach 24 Stunden (unwiederbringlich) gelöscht werden, gehört heute zum Repertoire von sozialen Medien.

Eigentlich war es eine Huldigung an die Arbeit von Snapchat-Gründer Evan Spiegel, dass Facebook-Chef Mark Zuckerberg das erfolgreiche Story-Format mit aller Gewalt kopiert und Milliarden Menschen zugänglich gemacht hat. Allerdings ist dieses „Kompliment“ wirtschaftlich bedeutungslos.

Denn während – getrieben durch die Stories – Instagram zum Massenmedium mit mehr als einer Milliarde Nutzer wurde, wurde es um Snapchat still. Mehr als ein Nischenkanal für junge Menschen war es nicht mehr – und für die gibt es ja auch Tik Tok.

Snapchat bei jungen Nutzern weiterhin der unangefochtene Spitzenreiter

Daran hat sich im Übrigen auch im Jahr 2020 nichts geändert. Eine aktuelle Untersuchung der Investment-Bank Piper Sandler belegt, dass Snapchat bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen in den USA die mit Abstand beliebteste Anwendung ist.

Demnach kommt Snapchat auf eine Verbreitung von 34 Prozent. Auf dem zweiten Platz folgt Tik Tok mit 29 Prozent und erst danach folgt Instagram mit 25 Prozent. Das Durchschnittsalter der Befragten lag übrigens bei 15,8 Jahren, das Haushaltseinkommen bei 67.500 US-Dollar.

Damit zeigt sich: Die Jugend kommuniziert weiterhin nicht am meisten über Instagram, das bereits von älteren Nutzern, Eltern und Werbungtreibenden überrannt wird. Vielmehr schätzt der Nachwuchs die Intimität von Snapchat. Und das wiederum führt zu Snapchat-Wachstum.

Krise? Snapchat-Wachstum im Jahr 2020 ungebremst

Konkret in Zahlen ausgedrückt bedeutet das: Für das dritte Quartal 2020 hat Snapchat 249 Millionen monatlich aktive Nutzer vermeldet. Das entspricht im Vergleich zum Vorjahr einem Wachstum von 39 Millionen Menschen oder fast 20 Prozent.

Und auch der Umsatz entwickelt sich positiv: Durch neue Werbeformate und Features rund um Augmented Reality wuchs der Umsatz im Jahresvergleich um 52 Prozent auf 679 Millionen US-Dollar.

Der einzige sprichwörtliche Wermutstropfen in der Bilanz von Snapchat ist der Verlust. Dieser liegt bei 200 Millionen US-Dollar. Ein Jahr zuvor waren es noch 227 Millionen US-Dollar. Auch hier ist also ein positiver Trend erkennbar.

Außerdem erklären sich die Verluste durch die Bezahlung der Mitarbeiter in Form von Aktien.

Snapchat-Wachstum: Erfolg in der Nische – wie Twitter

Selbstverständlich sind alle genannten Werte weit entfernt von den Plattformen aus dem Hause Facebook. Das jedoch ist auch nicht sonderlich schlimm, denn letztendlich geht es nicht darum, Facebook vom Thron zu stoßen. Das ist aufgrund der Verbreitung fast unmöglich.

Vielmehr hat Snapchat offenbar – genauso wie Twitter – erkannt, dass es als Plattform auch trotz Facebook und Instagram erfolgreich sein kann. Anstatt Funktionen zu implementieren, die die Nutzer nicht interessieren, konzentriert sich Gründer Evan Spiegel jetzt auf seine Kernkompetenzen.

Das kommt sowohl bei den Nutzern als auch bei den Unternehmen an – und führt zu Snapchat-Wachstum. Und das gefällt natürlich Evan Spiegel.

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Über den Autor

Christian Erxleben

Christian Erxleben ist seit Ende 2017 Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Ressortleiter Social Media und Head of Social Media bei BASIC thinking tätig. Durch seine Arbeit im Social-Media- und Marketing-Ressort der INTERNET WORLD Business, am Newsdesk von Focus Online und durch sein Journalismus-Studium sowie sein redaktionelles Volontariat hat er in den Bereichen der Redaktion und des Social Media Managements mehrjährige, fundierte Erfahrung gesammelt. Beruflich und privat beschäftigt er sich mit Social Media, New-Work-Konzepten und persönlicher Entwicklung.

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