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So will Pawel Durov die Unabhängigkeit von Telegram wahren

Telegram, Telegram-Logo, Unabhängigkeit von Telegram
Telegram soll unabhängig bleiben. (Foto: Pixabay.com / motionstock)
geschrieben von Christian Erxleben

Telegram erlebt im Januar 2021 einen unerwarteten Nutzer-Ansturm. Dadurch steigen auch die Kosten für Server und Moderation. Zugleich will Gründer Pawel Durov die Unabhängigkeit von Telegram wahren. Dafür nimmt er jetzt ein Milliardenkredit auf – allerdings nicht von einer Bank.

Milliardenkredit soll Unabhängigkeit von Telegram sichern

Einen schöneren Start ins neue Jahr hätte sich Pawel Durov wohl kaum vorstellen können. Sein Messenger Telegram ist in nur drei Tagen um 25 Millionen neue Nutzer gewachsen – und ein Ende ist nicht in Sicht.

Um seinen Nutzern alle Features anzubieten und zugleich die Unabhängigkeit von Telegram zu wahren, sucht der Gründer nun nach einem Kredit. Laut eigenen Aussagen auf Telegram ist Pawel Durov auf der Suche nach über einer Milliarde US-Dollar.


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Telegram plant keinen Börsengang

Ein entsprechendes Finanzierungsangebot liege bereits vor – und das komplett ohne Banker und Investoren, so Durov. Das Geld ermögliche es „völlig unabhängig und unseren Werten treu zu bleiben, während wir eine Monetarisierungsstrategie umsetzen.“

Gegenüber dem Handelsblatt bestätige Telegram-Sprecher Markus Ra die Verhandlungen mit möglichen Investoren. Allerdings sei derzeit weder ein Verkauf, noch eine Fusion oder gar ein Börsengang geplant.

Insbesondere die letzte Option würde vermutlich auch dazu führen, dass Telegram-Gründer Pawel Durov viele interne und finanzpolitische Dokumente preisgeben müsste, wodurch womöglich der Erfolg des Dienstes gefährdet werden könnte.

Telegram löscht Hunderte US-Kanäle nach Sturm auf das Kapitol

Doch so sehr sich Pawel Durov um die Unabhängigkeit von Telegram bemüht, so sehr muss er sich auch mit der Realität beschäftigen. Und die ist nun einmal, dass auch viele radikal gesinnte Menschen die Anonymität der Plattform zum Aufruf nach Gewalt nutzen. Deshalb ist die Telegram-Kritik auch berechtigt.

Insbesondere den Sturm auf das US-Kapitol zu Beginn des Jahres 2021 habe Durov laut eigener Aussage mit Besorgnis beobachtet. Aus diesem Grund hat das Moderatoren-Team, das sich sonst weitestgehend zurückhält, Hunderte Posts und Accounts gesperrt, die zur Gewalt aufgerufen haben.

„Das Team arbeitet daran, die Meldungen der Nutzer zu bearbeiten und proaktiv Inhalte zu löschen, die Gewalt verherrlichen oder dazu aufrufen“, schreibt Durov auf seinem Kanal. Er ergänzt:

Wir wertschätzen jede Meldung. Telegram begrüßt politische Debatten aus allen politischen Richtungen. Aber wir werden schnell handeln, um die Personen zu stoppen, die zu Gewalt und Schaden anregen.

Die Schattenseiten des Erfolgs

Somit wird deutlich, dass mit der steigenden Bekanntheit auch die Verantwortung seitens Telegram wächst.

Mit den inzwischen über 525 Millionen aktiven Nutzern gehört die Plattform zu den wichtigsten Kommunikationsmedien des Jahres – das gilt auch für Verschwörungstheoretiker wie Michael Wendler und Eva Herman.

Es ist bei einer so großen Anzahl an Nutzern unabdingbar, gewisse Regeln und Moderationsrichtlinien zu etablieren. Sonst übernehmen Radikale schnell die Plattform.

Hinzu kommt jedoch auch, dass der Bedarf an Geld wächst. Mehr Nutzer beanspruchen auch mehr Server-Kapazitäten und mehr Mitarbeiter, um technologisch und inhaltlich einen funktionierenden Workflow zu garantieren.

Alleine mit seinem Privatvermögen will Pawel Durov die Unabhängigkeit von Telegram jedoch auch nicht (mehr) finanzieren. Deswegen gibt es neben Werbung und Bezahl-Funktionen nun eben einen Kredit. Ob es bei einer Finanzspritze bleibt, ist unwahrscheinlich.

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Über den Autor

Christian Erxleben

Christian Erxleben ist seit Ende 2017 Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Ressortleiter Social Media und Head of Social Media bei BASIC thinking tätig. Durch seine Arbeit im Social-Media- und Marketing-Ressort der INTERNET WORLD Business, am Newsdesk von Focus Online und durch sein Journalismus-Studium sowie sein redaktionelles Volontariat hat er in den Bereichen der Redaktion und des Social Media Managements mehrjährige, fundierte Erfahrung gesammelt. Beruflich und privat beschäftigt er sich mit Social Media, New-Work-Konzepten und persönlicher Entwicklung.

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