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Der Wendler, Trump und Co.: Wenn Marken zum Tabu-Thema werden

Christian Erxleben
Mit Donald Trump und Co. wollen kaum noch Unternehmen etwas zu tun haben. (Foto: Unsplash.com / Alex Haney)

Schlagersänger Michael Wendler konnte in den vergangenen Jahren steigende Beliebtheit verbuchen. Dann offenbarte er sich als Corona-Leugner und sein Abstieg begann. Für Marken ist der Wendler ebenso wie Donald Trump in der Zwischenzeit ein absolutes No-Go.

Lange Zeit galt: Entweder mag man Michael Wendler und seine Musik oder man findet ihn einfach nur peinlich und will nichts von ihm und seinen Eskapaden wissen. Trotzdem ist es dem Schlagersänger im Lauf der Jahre gelungen, eine wachsende Fan-Base aufzubauen.

So zählt der Wendler auf Instagram im Februar 2020 noch zu den beliebtesten und wachstumsstärksten Accounts des Monats.

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„Guten Morgen aus Florida“

Mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie in Deutschland und der Welt wurde es ruhiger um den Schlagersänger. Im Oktober 2020 kam es dann zum großen Showdown.

Zunächst präsentierte der Lebensmittelkonzern Kaufland Michael Wendler als Testimonial für die neue Kampagne, nur um nicht einmal 24 Stunden später sämtliche Videos und Posts zu löschen.

Der Grund: Auf seinen Instagram-Account hatte der C-Promi sich als Corona-Leugner geoutet. Er sprach von einer „angeblichen Corona-Pandemie“ und warnt vor den „gleichgeschalteten“ und „politisch gesteuerten“ Medien. „Wichtige Informationen, die ihr unbedingt begreifen müsst, werden gelöscht“, geht es weiter.

Seitdem meldet sich Michael Wendler auf Instagram in regelmäßigen Abständen mit „sonnigen Grüßen aus Florida, wo es weiterhin keinen Maskenzwang gibt.“ Zudem verbreitet er seine Gedanken auf Telegram. Laut eigenen Angaben hat sein Kanal dort inzwischen 150.000 Abonnenten.

Ungewollte Werbung für Dosenbrot: Michael Wendler wird zur Persona non grata

Während der Wendler von seinen Anhängern, die mittlerweile hauptsächlich aus Andersdenkenden bestehen, gefeiert wird, lichtet sich die Auftragslage. Immer mehr Unternehmen distanzieren sich vom Schlagersänger.

Erst kürzlich hatte sich RTL dazu entschieden, den ehemaligen Juror in der aktuellen Staffel von „DSDS“ zu verpixeln. Und auch andere Marken gehen zu Michael Wendler auf Distanz.

Selbst unbezahlte Werbung ist inzwischen unerwünscht. So hatte der Skandal-Promi in seiner Instagram Story erst kürzlich für das Dosenbrot der Firma Mestemacher Werbung gemacht. Der entsprechende Post war sogar als „Anzeige“ gekennzeichnet.

Das suggeriert den Followern und Fans, dass Mestemacher für die Platzierung innerhalb der Instagram Story Geld bezahlt hat. Dem ist jedoch nicht so.

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Michael Wendler macht ungefragt und ungewollt Werbung für das Dosenbrot von Mestemacher aus Gütersloh. (Foto: Screenshot / Instagram)

Gegenüber Medien betonte Mestemacher, dass es keine Geschäftsbeziehung gebe. Die Veröffentlichungen seien eine völlige Überraschung gewesen. Die „Werbung“ sei nicht abgesprochen gewesen. Das Unternehmen distanziert sich klar vom Post.

Donald Trump verliert mehr als die Präsidentschaftswahl

Bei Michael Wendler handelt es sich um keinen Einzelfall. Auch der ehemals angesagte Koch Attila Hildmann, die ehemalige Tagesschau-Sprecherin Eva Herman oder Sänger Xavier Naidoo haben sich durch ihre Äußerungen und Auftritte selbst sprichwörtlich ins Aus manövriert.

Marken, Werbungtreibende und Unternehmen wollen im Kontext mit diesen Personen nicht mehr genannt werden – weder bezahlt, noch unbezahlt. Zu groß ist der Image-Schaden, der in der Gesellschaft durch derartige Verbindungen entsteht.

Auf globaler Ebene ist diese Entwicklung aktuell bei Donald Trump zu beobachten. Spätestens seit seinem indirekten Aufruf zu den tödlichen und gewaltsamen Ausschreitungen am US-Kapitol am 6. Januar 2021 ist die Personenmarke für immer geschädigt.

Der Name Trump steht spätestens seit dem Sturm aufs Kapitol für Rassismus, Gewalt und Aufruhr. Vor seiner Präsidentschaft wurde er hingegen mit Reichtum, Erfolg und Luxus beschrieben.

Die Folge? Die Deutsche Bank, bei der Trump noch rund 330 Millionen Euro Schulden hat, will den Politiker nicht mehr als Kunden. Die amerikanische Signature Bank hat alle persönlichen Konten von Donald Trump geschlossen und die Stadt New York löst alle Verträge auf. Auch fast alle sozialen Netzwerke haben seine Accounts gesperrt.

Verstoßene fliehen in eigene Netzwerke

In der Öffentlichkeit sind der Wendler, Donald Trump und Co. nicht mehr erwünscht. Bei den Anhängern sind die Verstoßenen jedoch beliebter denn je. Die Lösung besteht deshalb darin, sich aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen und private Parallel-Welten aufzubauen.

Im Fall von Michael Wendler ist das sein Telegram-Kanal, der von Verschwörungstheorien und Ausrufezeichen-Emojis nur so strotzt. Im Fall von Trump ist es wohl ein eigener Fernsehsender.

Eben jene Flucht stellt jedoch eine große Gefahr dar, denn sie sorgt dafür, dass die Gesellschaften dieser Welt noch weiter auseinander driften.

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Christian Erxleben arbeitet als freier Redakteur für BASIC thinking. Von Ende 2017 bis Ende 2021 war er Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Ressortleiter Social Media und Head of Social Media bei BASIC thinking tätig.