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Tesla vs. VW: Wer hat langfristig die besseren Karten?

Volkswagen ID.3, VW, Elektroautos, Volkswagen-Gigafabriken
Kann VW Tesla wirklich das Wasser reichen? (Foto: Volkswagen AG)
geschrieben von Marinela Potor

Tesla gilt nach wie vor als führender Elektroautohersteller weltweit. Doch Volkswagen holt auf, und hat ehrgeizige Ziele. Tesla vs. VW: Welcher Konzern hat langfristig die besseren Karten? Eine Analyse.

Lange Zeit galt für Elektroautos: Erst kommt Tesla, dann Tesla und dann lange nichts. Doch im vergangenen Jahr wurden die Karten neu gemischt.

Volkswagen sagt Tesla den Kampf an

Es ist nun erstmals sehr deutlich absehbar, dass striktere Emissionsgesetze langfristig zu mehr Elektroautos auf den Straßen führen werden. Das hat Bewegung in die Branche gebracht.


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Volvo will beispielsweise ab 2030 nur noch Elektroautos verkaufen und auch traditionelle Autobauer wie General Motors haben angekündigt, auf Elektroautos umzustellen.

Ebenfalls sehr weit vorne in der Reihe der bekehrten Autobauer steht die Volkswagen AG, zu der neben der Marke „Volkswagen“ unter anderem auch Porsche, Audi sowie Seat und Skoda gehören.

Herbert Diess, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, kündigte bereits Ende 2019 große elektrische Pläne an. Der Konzern wolle in den kommenden zehn Jahren rund 70 neue Elektromodelle auf den Markt bringen. Auch wolle man noch vor 2030 insgesamt 22 Millionen Elektroautos bauen.

Allein in diesem Jahr hat Volkswagen weltweit 422.000 Elektroautos verkauft und ist damit an Konkurrent Tesla mit 499.550 verkauften Modellen sehr nah dran. Muss Tesla sich nun Sorgen machen? Wer wird im Duell Tesla vs. VW langfristig die Oberhand behalten?

Tesla vs. VW: Holt Volkswagen wirklich auf?

Schauen wir uns dafür zunächst die aktuellen Verkaufszahlen der beiden Konzerne an.

Volkswagen konnte 2020 weltweit insgesamt 422.000 Elektroautos absetzen. Tesla wiederum verkaufte 2020 449.550 Fahrzeuge. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als wäre Volkswagen Tesla direkt auf den Fersen.

Doch zu den Verkaufszahlen von Volkswagen muss man sagen, dass sie auch hybride Modelle mit einschließen. Wenn es um vollelektrische Fahrzeuge geht, hat VW tatsächlich nur 231.600 Autos verkauft. Das entspricht in etwa nur der Hälfte der reinen Elektroautos, die Tesla verkauft hat.

Eine andere Zahl, macht ebenfalls deutlich, dass VW bei rein batteriebetriebenen Elektroautos Tesla weit hinterherhinkt.

Nach Informationen von Cleantechnica war Tesla im ersten Halbjahr 2020 für 28 Prozent aller rein elektrischen Autoverkäufe auf der Welt verantwortlich. In Zahlen sieht dies so aus: Tesla verkaufte etwa 179.000 Elektroautos, VW im gleichen Zeitraum lediglich 64.542.

Wirklich dicht auf den Fersen ist VW Tesla momentan also nicht. Doch wie sieht es mit den langfristigen Plänen beider Unternehmen aus?

Tesla vs. VW: Die Zukunftspläne im Vergleich

Volkswagen hat angekündigt, über alle Marken hinweg, bis 2028 insgesamt 28 Millionen Elektroautos zu verkaufen. Die Zahl hat der Konzern 2020 übrigens nachträglich nochmals von den ursprünglich 22 Millionen Fahrzeugen hoch korrigiert.

Kurzfristig hat sich der VW-Konzern vorgenommen bis 2025 über alle Marken hinweg drei Millionen Elektroautos zu produzieren.

Tesla wiederum hat ebenfalls schon Produktionspläne vorgestellt. Auf dem Battery Day 2020 kündigte Tesla-Chef Elon Musk an, noch vor 2030 sage und schreibe 20 Millionen Autos pro Jahr (!) zu produzieren.

Das ist also schon deutlich mehr als VW projiziert. Gleichzeitig scheint die Prognose sehr gewagt. Wie will Tesla von 500.000 Fahrzeugen im vorigen Jahr in neun Jahren auf 20 Millionen kommen?

Wenn man sich aber den jährlichen Absatzanstieg von Tesla anschaut, wirken die Zahlen schon gar nicht mehr so verrückt.

2015 zählte Tesla 50.580 gelieferte Autos. 2020 sind wir bei knapp 500.000. In den Jahren dazwischen verzeichnete Tesla damit jährliche Wachstumsraten von 51 Prozent (2016), 35 Prozent (2017), 138 Prozent (2018) und 50 Prozent (2019) und schließlich 36 Prozent (2020).

Das sind große jährliche Wachstumszahlen. Wenn man annimmt, dass Tesla eine jährliche Absatzsteigerung von 50 Prozent halten kann, dann wäre Tesla in der Tat schon 2029 bei knapp 20 Millionen gelieferten Autos im Jahr. Mit den angenommen Absatzzahlen aus den Vorjahren wäre Tesla dann deutlich vor VW.

Es ist natürlich das Eine, sich ein solches Ziel zu setzen, und etwas anderes, dies umzusetzen.

Auch hier scheint Volkswagen als großer Autobauer mit viel größeren Produktionskapazitäten Tesla weit überlegen. Doch Tesla hat gerade erst angefangen, seine Kapazitäten hochzufahren. Mit geplanten Automatisierungslösungen und mehreren Giga-Fabriken könnte Tesla diese Zahlen tatsächlich stemmen.

Tesla vs. VW: Das Akku-Problem

Einer der entscheidenden Faktoren in der „Vorherrschaft“ der Elektroautobauer wird aber neben Produktionskapazitäten eindeutig die Akku-Frage sein. Also: Wer hat den besseren Zugang zu Akkus und wer kann Akkus am günstigsten produzieren?

Das gilt übrigens nicht nur für Tesla vs. VW. Das wird generell ein wichtiger Faktor bei Elektroautobauern weltweit sein.

VW setzt auf Partner, Tesla auf Eigenproduktion

Bislang setzen sowohl Tesla als auch Volkswagen vornehmlich noch auf Lieferpartner, wenn es um Akkus geht. Das wird bei Volkswagen wohl auch in Zukunft so bleiben. Es gibt zwar eine geplante Partnerschaft mit Akku-Bauer Northvolt in Salzgitter.

Doch nach ersten Schätzungen soll diese Fabrik ab 2024 anfänglich 16 Gigawattstunden (GWh) an Akku-Leistung produzieren. Die Zahl wird zwar voraussichtlich steigen. Doch im Vergleich zu Tesla ist dies sehr wenig.

Denn Tesla produziert schon jetzt eigene Akkus in seiner Gigafactory in Nevada. Die Akku-Kapazitäten erreichen hier in etwa 35 Gigawattstunden pro Jahr. Auf dem Battery Day 2020 sagte Tesla aber schon, dass man langfristig die eigene Akku-Produktion hochfahren wolle.

2022 sollen jährlich 100 Gigawattstunden Batteriezellen-Power von Tesla selbst kommen, und 2030 dann drei Terawattstunden.

Auch diese Zahlen klingen gigantisch. Doch tatsächlich produziert Tesla schon jetzt einige seiner Akkus in der Pilotfabrik in Fremont. Ab 2022 werden dann noch Giga Berlin und auch Giga Shanghai hinzukommen.

Rechnet man nun mit 50 GWh aus Nevada, 10 GWh aus Fremont und jeweils 25 GWh aus Berlin und Shanghai wären die 100 GWh bis 2022 dann zumindest rechnerisch möglich.

Die Eigenproduktion würde zwar hohe Investitionskosten mit sich bringen, könnte für Tesla langfristig aber den entscheidenden Wettbewerbsvorteil bringen.

Kann Tesla Kosten genug senken?

Auf dem Battery Day sagte Elon Musk voraus, dass die Eigenproduktion der Akkus schon in nächster Zukunft 56 Prozent der Batteriekosten reduzieren könnte. Damit wäre Tesla einerseits unabhängig von Lieferpartnern und könnte, anders als VW, die Preise der Elektroautos deutlich reduzieren.

Genau das könnte dann der entscheidende Faktor beim Verkauf sein. Denn wenn VW seine Produktionspreise nicht genug senken kann, kann man davon ausgehen, dass Tesla auch weiterhin mehr Elektroautos verkaufen wird als VW.

Fazit: Es wird schwer für Volkswagen

Wenn man auf die aktuellen Prognosen schaut, sieht es im direkten Vergleich zwischen Tesla vs. VW gar nicht so gut für Volkswagen aus. Natürlich beruht viel auch auf Annahmen, Vorhersagen und Hochrechnungen, die sich im Endeffekt bewahrheiten können – oder auch eben nicht.

Klar ist aber: Sollten beide Autokonzerne ihre Pläne so umsetzen können, wie sie es sich vorgenommen haben, wäre Tesla auch in zehn Jahren noch der führende Elektroautobauer.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitäts- und Technologietrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

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