Social Media

Bei diesem Messenger bekommst du nur einmal am Tag Nachrichten

entspannen, Füße hochlegen, kuschelig, Kamin, Winter, Pony Messenger
Pixabay.com / JillWellington
geschrieben von Marinela Potor

Beim Pony Messenger werden Nachrichten nur einmal am Tag gesendet und empfangen. Damit will der brandneue Dienst User von Stress befreien. Geht das? Wir haben uns den Anti-Stress-Messenger genauer angeschaut. 

Wie oft am Tag schielst du auf deine Messenger-Nachrichten? Und wie oft unterbrichst du, was du gerade tust, um schnell auf eine Nachricht zu antworten? Die Antwort ist vermutlich: viel zu oft!

Erhebungen zeigen, dass Deutsche teilweise mehr als 50 Mal am Tag auf ihr Smartphone schauen. Damit sind wir einerseits permanent erreichbar. Andererseits artet das aber auch in Stress aus.

Denn damit entsteht gleichzeitig auch der Zwang, stets erreichbar zu sein und auf alles sofort reagieren zu müssen. Genau damit will der Anti-Stress-Messenger „Pony Messenger“ jetzt Schluss machen.

Nachrichten nur einmal am Tag empfangen

Beim Pony Messenger können User lediglich einmal am Tag Nachrichten erhalten. Du kannst dabei eine von drei verfügbaren Zeiten wählen: 05.30 Uhr morgens, zwölf Uhr mittags und 18.30 Uhr am Abend.

Das heißt: Alle Nachrichten trudeln bei diesem Messenger gebündelt einmal am Tag ein. Anstatt, dass du also alle 30 Minuten aufs Handy schielst, kannst du einmal am Tag alle Nachrichten lesen und beantworten – und zwar dann, wenn es am besten in deinen Tagesablauf passt.

Damit lässt sich die Messenger-Kommunikation viel besser mit dem Biorhythmus vereinen, findet Pony-Erfinder Dmitry Minkovsky.

Es ist ein einfacher Fakt, dass Menschen nicht unmittelbar sind. Wir sind periodische, rhythmische Kreaturen. Um unser Bestes zu geben, brauchen wir Zeit, um unsere Erfahrungen und Gefühle zu verarbeiten. Doch die allgegenwärtige Unmittelbarkeit steht uns bei jedem Schritt im Weg. Sie verlangt, dass wir kommunizieren müssen, als ob alles dringlich sei. Doch viele Dinge sind nicht dringend und gewinnen nichts dadurch, wenn sie sofort gesendet werden.

Weil es aber schwer ist, nicht sofort antworten zu wollen, wenn wir eine Nachricht sehen, ist die Entschleunigung bereits im Design der Messenger-App verankert. Selbst wenn du willst: Du kannst nicht öfters als einmal am Tag Nachrichten erhalten.

Pony Messenger hat keine Sendefunktion

Das Gleiche gilt übrigens auch fürs Verschicken von Nachrichten. Du kannst jederzeit eine Nachricht an deine Kontakte verfassen. Doch bei Pony gibt es keine Sendefunktion.

Stattdessen sammeln sich alle Nachrichten in deiner Outbox und der Messenger verschickt sie dann automatisch für dich einmal am Tag. Die Sende- und Empfangszeiten deiner Nachrichten sind identisch.

Allerdings: Die Nachricht kommt bei deinem Kontakt eventuell zu einem anderen Zeitpunkt an – je nachdem welche Empfangszeiten die andere Person angegeben hat. Das klingt etwas kompliziert. Aber User müssen sich eigentlich nur zwei Dinge merken:

  1. Nachrichten werden nur einmal am Tag verschickt und empfangen.
  2. Du solltest nicht unmittelbar mit einer Antwort rechnen.

Genau dadurch möchte Pony den Stressfaktor der ständigen, sofortigen Erreichbarkeit von Messengern aushebeln. Funktioniert das? Wir haben den Entschleunigungs-Messenger in einem Mini-Test ausprobiert.

Installation: definitiv stressfrei

Eines muss man dem Pony Messenger lassen: Die Installation ist absolut stressfrei. Du kannst dir die App für iOS und Android herunterladen und kannst dich dann entweder mit deinem Google-Konto, via Facebook oder über einen Nutzernamen anmelden.

Wir haben die Variante mit dem Nutzernamen ausprobiert und mussten entsprechend keine weiteren Konten mit dem Messenger verbinden.

Sobald du ein Passwort gewählt hast, fragt dich der Messenger nach deiner bevorzugten Sende- und Empfangszeit. Diese kannst du jederzeit in den Einstellungen ändern. Dann musst du noch deinen Standort angeben, damit sich der Messenger auf deine Ortszeit einstellen kann.

Anschließend legst du noch fest, ob dich Kontakte direkt anschreiben dürfen oder eine Erlaubnis brauchen. Und damit kannst du eigentlich schon loslegen. Theoretisch.

Erste Nachricht verschicken dauert zwei Tage

Denn wenn du und deine Kontakte nicht frei verfügbar für die Nachrichten sämtlicher Pony-User sein möchten, ist an dieser Stelle häufig vorerst Schluss mit der Kommunikation.

Du kannst nämlich erst dann eine Nachricht verfassen, wenn der entsprechende Kontakt deine Kontaktanfrage akzeptiert hat. Auch das kann aber nur zu den vorgegebenen Zeiten einmal am Tag erfolgen.

Entsprechend hat es bei unserem Test 24 Stunden gedauert, bis die Kontaktanfrage akzeptiert wurde, nochmals 24 Stunden bis die erste Nachricht verschickt wurde und schließlich weitere 24 Stunden, bis die erste Antwort eintrudelte.

Langsamkeit wirkt befreiend

Das fühlt sich im ersten Moment nervig, ineffektiv und unendlich langsam an. Andererseits gewöhnt man sich auch irgendwann daran, dass man einfach etwas wartet, bis man eine Antwort erhält. Und das ist durchaus ein befreiendes Gefühl.

Man nimmt sich damit im Prinzip einmal am Tag eine konzentrierte Zeitspanne, in der man seine Nachrichten beantwortet und muss sich dann um das Thema nicht mehr kümmern.

Das ist unter dem Strich sogar effektiver als sich ständig vom Messenger unterbrechen zu lassen. Studien belegen schließlich schon seit Langem, dass Multitasking extrem unproduktiv ist. All das funktioniert natürlich nur dann, wenn deine Kontakte auch den Pony Messenger nutzen.

Fazit: Erfrischendes Konzept, nicht für Notfälle

Gleichzeitig muss man auch sagen, dass der Pony Messenger eindeutig nicht für das schnelle Klären dringender Angelegenheiten gedacht ist. In solchen Fällen musst du nach wie vor auf einen klassischen Messenger oder das Telefon zurückgreifen.

Doch wenn es nur darum geht, sich mit anderen Menschen auszutauschen, ist die entschleunigte Kommunikation im Pony Messenger durchaus erfrischend.

Auch interessant: 

mittwald

Werbung


Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitäts- und Technologietrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

Kommentieren