Wirtschaft

Warum das 49-Euro-Ticket eine vertane Chance ist

Klimaticket, Deutschlandticket, Deutsche Bahn, ÖPNV-Ticket, 49-Euro-Ticket
unsplash.com/ Christian Lue
geschrieben von Fabian Peters

Mit dem sogenannten 49-Euro-Ticket hat die Bundesregierung die Weichen für einen Nachfolger des 9-Euro-Tickets gestellt – endlich! Doch in Sachen Klimaschutz und finanzieller Entlastungen ist das neue ÖPNV-Ticket eine verschenkte Chance. Denn die, die es am meisten bräuchten werden vergessen. Ein Kommentar. 

Das 9-Euro-Ticket gilt als großer Erfolg. Nach langer Diskussion scheint mit dem sogenannten 49-Euro-Ticket nun ein Nachfolger gefunden. Das kündigte Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) im Zuge einer Konferenz an. Doch die Finanzierung des neuen ÖPNV-Tickets bleibt unklar.

Dennoch soll es ab Januar 2023 gelten. Endlich, möchte man sagen. Denn das 49-Euro-Ticket wird vor allem dem Tarifdschungel ein Ende setzen. Es soll nämlich bundesweit gelten und zu beliebig vielen Fahrten im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) berechtigen. Der Preis erscheint auf den ersten Blick zwar fair, doch es kommt auf die Perspektive an.

49-Euro-Ticket: Eine vertane Chance

Deshalb löst das 49-Euro-Ticket auch nicht überall Begeisterungsstürme aus. Denn um für finanzielle Entlastungen zu sorgen, ist das neue ÖPNV-Ticket schlichtweg zu teuer. Der aktuelle Hartz-IV-Regelsatz sieht beispielsweise nämlich nur 40,27 Euro im Monat für Mobilitätskosten vor.

Auch für Rentner und Menschen mit einem geringen Einkommen scheint die Entlastung marginal bis nicht vorhanden. Dabei bräuchten Geringverdiener und Rentenempfänger sie am meisten. Und auch in Sachen Klimaschutz dürfte das 49-Euro-Ticket eine vertane Chance sein.

Ausschließlich digital: Ein großer Fehler!

Der Name Klimaticket, der derzeit zur Debatte steht, wäre dabei sogar fast schon absurd. Das 49-Euro-Ticket dürfte zwar durchaus einige Menschen vom Auto zur Bahn locken. Doch der Preis hält die Zielgruppe unnötig klein. Denn um einen nachhaltigen Effekt zu erzielen, sind 49 Euro einfach zu viel.

Das belegt auch eine Umfrage der Umweltorganisation Greenpeace, laut der deutlich mehr Menschen das Ticket kaufen würden, wenn es ein 29-Euro-Ticket wäre. Mit einem solchen Preis hätten dann auch die angekündigten finanziellen Entlastungen einen flächendeckenden Effekt und der ÖPNV würde deutlich attraktiver werden.

Der Plan das 49-Euro-Ticket ausschließlich digital anzubieten ist derweil eine Farce! Denn alle, die kein Smartphone besitzen, werden es schlichtweg nicht nutzen können.

Auch interessant: 

Werbung

Über den Autor

Fabian Peters

Fabian Peters ist seit Januar 2022 Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Redakteur und freier Autor tätig. Er studierte Germanistik & Politikwissenschaft an der Universität Kassel (Bachelor) und Medienwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin (Master).

7 Kommentare

  • Ich muss den Schreiber hier klar widersprechen. Ich würde das 49 Euro Ticket sehr gerne nutzen. Zur zahle ich ca. 50 Euro für Diesel pro Woche in zur Arbeit zu kommen. Also würde ich ca. 150 Euro in Monat sparen. Dieses ist auch bei Geringverdiener der Fall! Hört sich jetzt hart an, ist aber nicht so gemeint, Hartz-4 bzw. Bürgergeld Empfänger müssen nicht pendeln und sollten daher auch nicht zur Zielgruppe gehören.
    Ich aber, kann das Ticket nicht verwenden da ich per ÖPNV 90 Minuten zur Arbeit brauche statt 30 Minuten. Daher ist das Ticket nur eins, eine Subventionen für wohlhabende Stadtbewohner!

    • Da muss ich mich leider anschließen. Ich habe 30 km zur Arbeit vollzeitbeschäftigt alleinerziehend mit zwei Kids. mit öffentlichen Verkehrsmitteln benötige ich für eine Strecke 1,5 Stunden mit dem Auto 20 Minuten über die Autobahn außerdem käme ich eine Stunde zu spät zur Arbeit und müsste zwei Stunden nach der Arbeit warten bis ein Bus zurückfahren würde. Gleitzeit geht leider nicht.

  • Was ich ärgerlich finde ist das Kinder da nicht mitgenommen werden dürfen.
    Zb meine Isarcard für gang München kostet 60€ und da darf ich meinen Sohn mit nehmen.
    Bei 49€ Ticket bräuchte jeder eins.
    Somit bleibe ich also bei den 60€ Isarcard.

    Danke für nicht nichts, aber nicht viel.

  • Für die Menschen, die abseits der Ballungsräume wohnen, uninteressant. Zu teuer für die schlechte ÖPNV-Anbindung. Hier zahlt mal wieder das flache Land für die Städter mit. Nein danke.

    • Und man sollte die 49 Euro nicht als Abo-Modell haben. Wenn man z.B. bei ALGII-Bezug oder Wohngeld ein deutschlandweites Ticket nur wenige Male im Jahr braucht, dann zahlt man drauf.
      Ok, man soll das Abo monatlich kündigen können. Aber was ist das für eine Säckelei?

  • Das 9€ Ticket war schon eine schreiende Ungerechtigkeit und Arroganz der Städter.
    Die auf dem Land wohnen haben nichts davon, müssen aber mit trotzdem mit ihren Steuern dafür bezahlen.
    Jeder sollte das bezahlen, was der ÖVP kostet, damit der ohne öffentliche Zuschüsse auskommt. Nur das ist gerecht.

Kommentieren