KI Supermarkt Künstliche Intelligenz Rewe Aldi Penny Kasse

KI beobachtet dich im Supermarkt – und zwar nicht nur als Ladendetektiv

Fabian Peters
Bild: Rewe Group

Rewe beobachtet per KI verdächtige Einkaufskörbe an der Selbstbedienungskasse. Penny steuert mit Kameras die Kassenschlangen und Aldi testet komplett kassenlose Filialen. Im deutschen Lebensmittelhandel entsteht gerade eine neue digitale Infrastruktur, die weit über eine einfache Automatisierung hinausgeht. Doch wo Algorithmen Entscheidungen vorbereiten, herrschen stets Vorbehalte und Risiken. Eine kommentierende Analyse.

BREAK THE NEWS BASIC thinking

Unser exklusives Format »Break the News«, in dem wir aktuelle Nachrichten in ihre Einzelteile zerlegen, erscheint immer zuerst in UPDATE, unserem täglichen Tech-Briefing. Hier kannst du dich über 12.000 anderen Lesern anschließen und dich kostenlos anmelden:

Mit deiner Anmeldung bestätigst du unsere Datenschutzerklärung

Im Supermarkt: Rewe, Penny und Aldi setzten bereits KI ein

  • Die Rewe Group setzt mittlerweile verschiedene KI-Technologien ein. Einer Ankündigung zufolge soll eine Künstliche Intelligenz künftig etwa lange Schlangen an den Kassen von Tochterfirma Penny vermeiden. Das KI-Modell Eagle Eye scannt dazu die Kundenanzahl und informiert Mitarbeiter, sobald sich zu viele Menschen an einer Kasse befinden. Mitarbeiter können dann entscheiden, ob sie entsprechend reagieren.
  • In seinen eigenen Filialen setzt Rewe ein KI-Modell ein, um Ladendiebe zu schnappen. Das System soll dazu Auffälligkeiten beim Bezahlen an der Selbstbedienungskasse erkennen können. Die KI soll bei Ungereimtheiten an Self-Scanning-Kassen Mitarbeitern den Hinweis geben, sich einen Einkaufskorb noch einmal genauer anzuschauen. Eine Künstliche Intelligenz scannt Produkte per Kamera, um Einkäufe auf ihre Plausibilität zu überprüfen.
  • Auch Aldi Süd setzt bei seinem „SHOP&GO“-Ansatz auf kassenloses Einkaufen mit App, Kameras, KI und Sensoren. In München gibt es einen ähnlichen Markt von Rewe. In der „Pick and Go“-Filiale werden Einkäufe automatisch per Kamera- und Sensortechnik erfasst. Die Künstliche Intelligenz erkennt die Produkte im Einkaufswagen und bucht den Betrag direkt über die App ab. Kunden müssen weder Waren aufs Band legen, selbst einscannen noch an der Kasse bezahlen.

Komfort oder Kontrolle? Was KI im Supermarkt wirklich bedeutet

Supermärkte werden immer mehr zu Überwachungsräumen. Was einst Kassierer mit Erfahrung, Menschenkenntnis und einem kurzen Blick meisterten, sollen künftig Algorithmen übernehmen. KI wird damit nicht nur zu einem Werkzeug, das Effizienz verspricht, sondern zu einem unsichtbaren Filialleiter, der permanent mitrechnet und mitbeobachtet.

Ein bisheriges Grundprinzip wird dabei massiv verschoben. Denn die Technologie greift nicht erst ein, wenn etwas passiert ist, sondern bewertet Wahrscheinlichkeiten im Voraus. Wer an einer Selbstbedienungskasse etwa einen ungewöhnlichen Einkauf tätigt, wird nicht unbedingt wegen eines Fehlverhaltens auffällig, sondern wegen einer statistischen Abweichung.

Die Handelskonzerne verkaufen diese Entwicklung als Komfortgewinn. Theoretisch können kürzere Schlangen oder schnellere Bezahlvorgänge den Einkauf angenehmer gestalten. Aber wer Bequemlichkeit will, macht sich auch ein Stück weit gläsern.

Doch genau darin liegt die Brisanz; in einer schleichenden Verschiebung dessen, was als normal gilt. Denn kaum etwas wirkt so harmlos wie der Wocheneinkauf. KI-Supermärkte könnten ihn aber zu einem größeren Schauplatz machen. Doch: Wie viel Kontrolle akzeptieren Verbraucher im Alltag, wenn sie dafür ein paar Sekunden Zeit sparen?

Stimmen

  • Alexander Kelleter, Projektleiter Digitalisierung bei Penny, zur Funktion von Eagle Eye: „Die KI zählt die Skelette, sprich die Kunden in der Kassenzone. Sobald ein gewisser Schwellwert überschritten ist, meldet das System dann an die Kasse, dass eine weitere Kasse geöffnet werden sollte.“ Lukas Fömpe, Product Owner Store Automation Solution bei REWE digital, ergänzte: „Dadurch dass wir von der Deckenperspektive schauen, sieht ein Mensch für uns anders aus, als er frontal aussieht. Da mussten wir einiges in die Entwicklung investieren. (…) Die Lösungen, die wir einsetzen, sind datenschutzkonform.“
  • Rewe-Konzernchef Lionel Souque erklärt zum KI-Ladendetektiv gegenüber Focus Online (€): „Mit einem KI-Programm lässt sich erkennen, wenn ein Einkaufskorb, der an der SB-Kasse eingescannt wird, nicht plausibel ist. (…) Wenn ein Kunde am Freitagnachmittag zehn Red-Bull-Dosen, aber keine Wodkaflasche einscannt, kann die KI einen Hinweis geben. Die KI weiß auf der Basis von Millionen Vergleichsdaten digitaler Einkaufskörbe, dass da vielleicht etwas nicht zusammenpasst.“
  • Ein Reddit-Nutzer spöttisch: „Wir hauen 10 Leut raus weil wir sie dank SB-Kassen nicht mehr brauchen. Wir stellen 15 Leut ein weil die die KI-Ergebnisse nachprüfen müssen. Wir verlieren 20 Kunden weil die sich verorscht vorkommen. Ich seh nur Gewinner.“ Ein anderer ergänzt: „Wie kann man als Konzernchef so eine dämliche Aussage tätigen? Kaufst du keinen Alkohol bist du verdächtig?“

Wie der Supermarkt der Zukunft aussehen könnte

Die klassische Supermarktkasse könnte immer mehr verschwinden. Denn mit Kameras, Sensoren und KI-Systeme implementieren viele Unternehmen eine komplett neue Infrastruktur. Der Supermarkt der Zukunft erkennt aber nicht nur, was Kunden kaufen, sondern auch, wann sie kommen, wie sie sich bewegen und wo Engpässe entstehen. Geschäfte werden dadurch intelligenter, aber auch weniger nachvollziehbar.

Damit wächst auch der Druck in puncto Transparenz. Denn je mehr Entscheidungen Algorithmen vorbereiten, desto genauer werden Verbraucher wissen wollen, nach welchen Regeln sie bewertet werden. Die nächste Vertrauensfrage des Handels dreht sich deshalb womöglich nicht um Preise oder Produkte, sondern um die digitale Hausordnung hinter den Kameras.

Funktioniert die Technik unauffällig und nachvollziehbar, könnte sie irgendwann selbstverständlich sein. Entsteht aber der Eindruck eines digitalen Generalverdachts, droht aus dem Versprechen der Kundenfreundlichkeit ein Reputationsrisiko zu werden.

BREAK THE NEWS BASIC thinking

Unser exklusives Format »Break the News«, in dem wir aktuelle Nachrichten in ihre Einzelteile zerlegen, erscheint immer zuerst in UPDATE, unserem täglichen Tech-Briefing. Hier kannst du dich über 12.000 anderen Lesern anschließen und dich kostenlos anmelden:

Mit deiner Anmeldung bestätigst du unsere Datenschutzerklärung

Auch interessant:

STELLENANZEIGEN
Marketing-Manager (m/w/d) Content-Produktion ...
SENNEBOGEN Maschinenfabrik GmbH in Straubing
Referent Audio und Social Media Formate
Verbraucherzentrale Bayern e.V. in München
(Junior) Content Redakteur (all genders) – IT...
DATAGROUP in Pliezhausen
Digital Marketing Specialist (GN) befristet a...
Marc Cain GmbH in Bodelshausen
Kaufmann/-frau für E-Commerce (m/w/d)
BS Mönke GmbH in Krefeld
Digital Marketing Manager / Social Media Mana...
Alpha Reisebüro Partner GmbH in Oberursel (Taunus)
Working Student Hardware Evaluation & Des...
ALPS ALPINE EUROPE GmbH in Unterschleißheim bei München
Praktikant / Werkstudent (m/w/d) Digital Mark...
Eckes-Granini Group GmbH in Nieder-Olm
Teile diesen Artikel
Chefredakteur
Folgen
Fabian Peters ist seit Januar 2022 Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Redakteur und freier Autor tätig. Er studierte Germanistik & Politikwissenschaft an der Universität Kassel (Bachelor) und Medienwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin (Master).
Keine Kommentare