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CDU will Solar-Jobmotor abwürgen – trotz Beschäftigungsrekord

Fabian Peters
Bild: DepositPhotor

Die Branche der erneuerbaren Energien beschäftigt laut der Bertelsmann Stiftung mit 436.000 Menschen so viele wie nie zuvor. Doch ausgerechnet jetzt plant die Bundesregierung, die Förderung für Solaranlagen drastisch zu kürzen. Warum das nicht nur die Energiewende, sondern auch Tausende Arbeitsplätze und den Mittelstand gefährden könnte, zeigt ein Blick auf die Zahlen, Hintergründe und die Profiteure des aktuellen Systems. Eine kommentierende Analyse.

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Was hinter dem Solar-Jobrekord und den geplanten Kürzungen der CDU steckt

  • 2025 hat die Zahl der Beschäftigten mit 436.000 in der Branche der erneuerbaren Energien einen Rekordstand erreicht. Das ist das Ergebnis einer Analyse der Bertelsmann Stiftung und entspricht einem Plus von knapp vier Prozent im Vergleich zum bisher besten Jahr 2023. Die Entwicklung seit 2000 zeige demnach, wie groß der Einfluss politischer Entscheidungen auf die Branche ist. Die Kürzung von Fördermitteln bei der Photovoltaik ab 2011 und neue Ausschreibungsverfahren sowie Deckelungen bei Windkraft ab 2017 hätten etwa zu Einbrüchen bei der Beschäftigung geführt. Der geplante energiepolitische Kurswechsel der Bundesregierung könnte einen ähnlichen Effekt haben und Tausende Jobs gefährden.
  • Das Bundeswirtschaftsministerium plant, die Förderung für Photovoltaikanlagen auf Dächern deutlich zu reduzieren und die Einspeisevergütung weitgehend zu streichen. Stattdessen sollen sich Anlagen stärker über den Eigenverbrauch und eine freie Stromvermarktung rechnen, da die Kosten für Solartechnik inzwischen gesunken seien. Gleichzeitig sollen Netzbetreiber weniger stark verpflichtet werden, Solarstrom aus kleinen Anlagen bevorzugt abzunehmen oder in bestehende Förder- und Abnahmeverpflichtungen eingebunden zu bleiben. Kritiker sehen darin ein mögliches Ausbremsen des privaten Solarausbaus und warnen vor negativen Folgen für die dezentrale Energiewende.
  • Die deutschen Verteilnetzbetreiber erzielen laut einer Analyse außergewöhnlich hohe Eigenkapitalrenditen von im Schnitt 30 Prozent. Die Bundesnetzagentur erachtet derweil Zinsen in Höhe von maximal sieben Prozent als fair. Diese Gewinne entstehen in einem regulierten Monopolmarkt und werden auch über die Netzentgelte der Verbraucher finanziert, während gleichzeitig der Ausbau und die Digitalisierung der Stromnetze hinterherhinken. Grund für die satten Renditen sind regulatorische Sonderregeln und Schlupflöcher. Die Netzbetreiber verteidigen ihre Gewinne mit komplexen Bewertungs- und Finanzierungsmechanismen.

Warum die Solarkürzung ein falsches Signal senden

Der Beschäftigungsrekord bei den Erneuerbaren 2025 zeigt vor allem eins: Die Energiewende ist kein ökologisches Nischenprojekt mehr, sondern ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Umso erstaunlicher erscheinen die Pläne von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche, die Energiewende auszubremsen, statt sie sinnvoll zu beschleunigen oder zumindest das Tempo zu halten.

Indes: Niemand, der logisch denken kann, fordert, dass Öl und Gas von heute auf morgen abgeschafft werden. Das ist schlichtweg nicht möglich. Doch wer die Ursachen hoher Energiekosten und vergangener Krisen ernsthaft bekämpfen will, sollte den Ausbau günstiger heimischer Energiequellen vorantreiben und nicht deren Geschäftsgrundlage schwächen.

Dabei wird oft ein Widerspruch konstruiert, der keiner sein müsste. Ja, der Ausbau der Erneuerbaren und der Stromnetze muss Hand in Hand gehen. Doch daraus folgt nicht automatisch, dass sich der Ausbau von Wind- und Solaranlagen dem Tempo des Netzausbaus unterordnen muss. Es sollte andersherum sein. Und das ist auch möglich – zumindest teilweise.

Denn: Wie kann es sein, dass ein eigentlich regulierter Monopolmarkt um die Netzbetreiber teilweise horrende Renditen erzielt, von denen viele Dax-Konzerne nur träumen können, während der Netzausbau gleichzeitig hinterherhinkt? Wer mehr Ausgewogenheit fordert, sollte deshalb nicht nur mit dem Finger auf Solardächer zeigen und Lobbyisten frönen, sondern auch jene in die Pflicht nehmen, die beim Umbau des Energiesystems eine Schlüsselrolle spielen, sich aber lieber die Taschen füllen. Hinzu kommt, dass die Debatte oft auf kurzfristige Wirtschaftlichkeit verengt wird.

Doch Energiepolitik ist kein Quartalsbericht. Vielmehr sprechen sinkende Erzeugungskosten, eine höhere Unabhängigkeit von Importen und eine höhere Versorgungssicherheit klar für den Ausbau der erneuerbaren Energien. Die eigentlichen Stellschrauben liegen deshalb bei Speichern, intelligenten Netzen und einem schnelleren Ausbau der Infrastruktur. Denn: Jedes Windrad oder jede Solaranlage, die gebaut wird, und jede Kilowattstunde, die nicht abgeregelt oder verschenkt werden muss, senkt am Ende Kosten und macht das Gesamtsystem effizienter.

Stimmen

  • Roman Wink, Arbeitsmarktexperte der Bertelsmann Stiftung, in einem Statement: „In Zeiten wirtschaftlicher Krise, in denen wir um jeden Job kämpfen, sollten wir die Fehler aus der Vergangenheit nicht wiederholen. Wir dürfen den Ausbau der erneuerbaren Energien kein weiteres Mal abwürgen. Es geht um Jobs, um mehr Unabhängigkeit von fossilen Importen und letztlich um unsere Wettbewerbsfähigkeit.“ Bertelsmann-Arbeitsmarktexpertin Jana Fingerhut ergänzt: „Die Beschäftigung wächst dort, wo durch Planungssicherheit private Investitionen in den Ausbau der erneuerbaren Energien fließen.“
  • In einem Gastbeitrag in der Frankfurter Allgemeine Zeitung schreibt Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche: „Wir erleben eine der schwersten Energiekrisen der Geschichte. Das belastet Verbraucher wie Unternehmen und kostet uns Wirtschaftswachstum, das Deutschland so dringend braucht. (…) Viele fordern deshalb den sofortigen Ausstieg aus Öl und Gas. Man müsse nur Wind- und Solarenergie schneller ausbauen – und die Sache wäre gelöst. Nun, so einfach ist das nicht. (…) Eine Energiewende, die Systemkosten ignoriert, wird das Land ruinieren, das sie zu retten vorgibt.“
  • Ich als Chefredakteur von BASIC thinking finde: „Die Erneuerbaren und der Netzausbau müssen Hand in Hand gehen. Doch anstatt die Erneuerbaren an den Netzausbau anzupassen, sollte der Netzausbau an die Erneuerbaren angepasst werden. Klar: Das muss sich wirtschaftlich halbwegs rentieren. Doch es geht nicht nur um die Wirtschaftlichkeit der Netzbetreiber, sondern auch die Branche der Erneuerbaren. Und: Es geht auch um unsere Unabhängigkeit – vom Klima ganz zu schweigen. Statt Netzbetreiber zu entlasten, sollten diese vor dem Hintergrund aktueller Rekord-Renditen stärker in die Pflicht genommen werden. Alles andere ist purer Lobbyismus.“

Netzausbau statt Solarkürzung: Was jetzt passieren muss

Die entscheidende Frage wird künftig nicht lauten, ob Erneuerbare und der Netzausbau Hand in Hand gehen müssen. Das müssen sie! Die Frage ist vielmehr, was sich wem anpasst. Mehr spricht dafür, den Netzausbau konsequent am wachsenden Anteil erneuerbarer Energien auszurichten – und nicht umgekehrt. Dass dafür finanzieller Spielraum vorhanden wäre, legen allein schon die Rekord-Renditen der Netzbetreiber nahe.

Die Politik müsste die von der Netzagentur als fair empfundenen, aber deutlich geringeren Renditen nur endlich einmal in die Praxis bringen. Zudem sollte der Bund mit Investitionen in Netzausbau und Erneuerbare ohnehin nicht zimperlich sein. Klar: Anfangs kostet alles viel Geld. Aber wer heute Infrastrukturen modernisiert, erspart sich morgen teure Abhängigkeiten, die Grund für die aktuelle Krise und vielerorts hohen Preise sind.

Zugegeben: Der Wunsch, dass sich Solaranlagen künftig stärker über den Eigenverbrauch rechnen, damit die Netze möglichst wenig belastet werden, ist nachvollziehbar. Doch die Debatte darf nicht so geführt werden, als ginge es lediglich um private Hausbesitzer mit Dachanlage. Hinter der Solarbranche stehen schließlich zahlreiche mittelständische Unternehmen, Handwerksbetriebe und Zulieferer.

Außerdem geht es um mehr als nur Geld. Die erneuerbare Energien stärken etwa unsere Unabhängigkeit von internationalen Krisen, geopolitischen Konflikten und fossilen Importen. Sprich: Wer Energie im eigenen Land erzeugt, macht sich ein Stück weit unabhängiger und weniger erpressbar.

Was mich aber noch mehr erstaunt ist, wie selten über die Beschäftigten gesprochen wird. Dabei stehen potenziell Tausende Arbeitsplätze auf dem Spiel. Ein beschleunigter Netzausbau könnte hingegen nicht nur bestehende Jobs sichern, sondern sogar zusätzliche schaffen. Und wer Wirtschaftspolitik ernst meint, sollte nicht nur Großkonzerne und den eigenen Haushalt im Blick haben, sondern auch den Mittelstand und ein langfristiges Wachstum. Denn letztlich und langfristig geht es um etwas viel Größeres als kurzsichtige Interessenpolitik.

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Fabian Peters ist seit Januar 2022 Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Redakteur und freier Autor tätig. Er studierte Germanistik & Politikwissenschaft an der Universität Kassel (Bachelor) und Medienwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin (Master).
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