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E-Autos bauen nicht mehr Unfälle – aber andere als Verbrenner

Jonathan Harsch
Bild: Unfallforschung der Versicherer im GDV

Wer an Probleme mit E-Autos denkt, hat vermutlich immer noch brennende Akkus und explodierende Batterien im Kopf. Denn wenn es um die Sicherheit von Elektroautos geht, halten sich hartnäckige Ängste. Tatsächlich sind die Fahrzeuge aber relativ sicher, auch wenn es ganz eigene Unfallmuster gibt, die sie von Verbrennern unterscheiden.

Die Verbreitung von E-Autos schreitet in Deutschland voran, doch es könnte noch deutlich schneller gehen. Neben Aspekten wie den relativ hohen Preisen sowie Problemen mit der Reichweite und dem Laden ist der Faktor Sicherheit weiterhin ein Thema.

Horrorgeschichten über brennende Batterien machen noch immer die Runde, dazu wird Elektroautos ein eigenwilliges Fahrverhalten nachgesagt. Wie die Fahrzeuge wirklich im Verkehr abschneiden, zeigt eine aktuelle Studie.

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So unterscheiden sich E-Autos bei Unfällen

Die Unfallforschung der Versicherer (UDV) hat in einem umfangreichen Test diverse Verkehrsszenarien unter die Lupe genommen. In diesem Rahmen haben Fachleute knapp 500 schwere Unfälle aus der Datenbank der Versicherer ausgewertet und Elektroautos mit baugleichen Modellen mit Verbrennungsmotor verglichen – vom Kleinstwagen bis zur Oberklasse war alles mit dabei.

Das grundlegende Fazit ist positiv, auch wenn die knapp 500 untersuchten Fälle natürlich nicht das gesamte Unfallgeschehen abbilden können. Wer ein E-Auto fährt, verursacht kaum mehr Schäden. Der Unterschied bei der Häufigkeit im Vergleich zu anderen Antriebsarten ist verschwindend gering.

Interessant sind allerdings die Details. E-Autos haben ein eigenes Unfallmuster. Auch wenn die Häufigkeit ähnlich ist, passieren die Unfälle also oft in anderen Bereichen. Konkret kommen Zusammenstöße mit Fußgängern deutlich öfter vor, egal ob beim Anfahren, beim Zurücksetzen oder beim Abbiegen. Besonders gefährlich ist es in der Dämmerung oder bei Dunkelheit.

Dieses Ergebnis legt nahe, dass Fußgänger ein herannahendes E-Auto in diesen Momenten schlechter wahrnehmen als einen Verbrenner. Zwar müssen Fahrzeuge mit Elektromotor seit 2021 unterhalb von 20 km/h ein künstliches Geräusch erzeugen, doch dieses ist offenbar entweder zu leise oder klingt nicht eindeutig genug nach einem Auto.

Wenn das Gaspedal zur Bremse wird

Eine zweite Auffälligkeit betrifft die Bedienung. Häufiger als bei Verbrennern kommt es zu Unfällen durch Fehlbedienungen, vor allem beim Anfahren. In erster Linie geht es hierbei um Fahrzeuge mit sogenanntem One-Pedal-Drive, bei denen sich Beschleunigung und Bremse über ein einziges Pedal steuern lassen. Ein Tritt aufs Pedal beschleunigt, nimmt man den Fuß weg, bremst der Wagen von selbst ab.

Wer sich an diese Fahrweise gewöhnt hat, betätigt in einer Schrecksekunde womöglich das falsche Pedal. Hierbei spielt das Alter des Fahrers eine große Rolle. In den ausgewerteten Fällen war annähernd die Hälfte der Unfallverursacher älter als 75 Jahre. Wie stark sich die Funktion One-Pedal-Drive tatsächlich auf die Sicherheit auswirkt, will die UDV in weiteren Untersuchungen klären.

So schneiden E-Autos im Crashtest ab

Beim Aufprallschutz schneiden E-Autos hingegen überdurchschnittlich gut ab. In den Bewertungen kommen sie mindestens so gut weg wie vergleichbare Verbrenner, oft sogar besser. Beim European New Car Assessment Programme (Euro NCAP) holten zuletzt zahlreiche Modelle die Höchstwertung von fünf Sternen, vom Tesla Model 3 bis zum MINI Cooper E (via Allianz). Und auch das strenge US-Pendant IIHS zeichnete 2025 mehrere Stromer mit der Bestnote aus.

Ein Grund ist das höhere Gewicht durch die Akkus, denn bei einer Kollision sind die Insassen eines schwereren Fahrzeugs tendenziell besser geschützt. Das kommt vor allem kleinen E-Autos zugute, denn Kleinwagen haben bei Unfällen ansonsten ein hohes Verletzungsrisiko für die Insassen. Das zusätzliche Gewicht bedeutet aber auch mehr Verantwortung. Zum Glück fahren Führer eines Elektroautos im Schnitt vorsichtiger. Kontrollverluste sind seltener, und auch Unfälle unter Alkohol- oder Drogeneinfluss kommen weniger häufig vor.

Die Sache mit dem Feuer

Eine brennende Batterie ist für viele Fahrer weiterhin die größte Sorge bei einem Elektrofahrzeug. Nach derzeitigem Kenntnisstand fängt ein Elektroauto jedoch nicht leichter Feuer als ein Benziner oder Diesel, und Explosionen gibt es im Regelfall ohnehin nicht. Dass Brände von E-Autos so viel Aufmerksamkeit erhalten, liegt eher an der noch jungen Technik und der menschlichen Neigung, sich stärker für das Ungewohnte zu interessieren.

Kommt es doch einmal zum Brand, gibt es allerdings eine Besonderheit. Wird die Batterie bei einem Unfall stark verformt, kann sich eine Zelle nach der anderen entzünden, wodurch eine Kettenreaktion entsteht, die sich nur mit enormen Wassermengen stoppen lässt. Tückisch ist zudem, dass sich ein bereits gelöschter Akku noch einen Tag später erneut entzünden kann. Deshalb werden ausgebrannte Fahrzeuge oft in Wasserbecken zwischengelagert.

Spielraum für Verbesserungen gibt es immer

Elektroautos haben ihre Probleme, doch Sicherheit gehört nur bedingt dazu. Die neuen Erkenntnisse sind also kein Argument gegen die E-Mobilität, sondern lediglich ein Fingerzeig, wo die Hersteller noch nachbessern müssen. Das betrifft unter anderem deutlich hörbare Warngeräusche und Assistenzsysteme, die beim Anfahren eingreifen.

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