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Liebe Deine (neue) Stadt! Aber gilt das auch für ihr Online-Bürgerportal?

Als ich vor rund einem Jahr nach Köln zog, fand ich schnell Gefallen an meinem neuen Wohnort. Verantwortlich dafür waren aber nicht nur Lebensart, Kunst, Kultur und die vielen städtischen Parks, sondern auch das Internetportal der rheinischen Metropole. War ich es zuvor gewohnt, unter dem Stichwort „Bürgerservice“ meist eine Übersicht von Ämter-Öffnungszeiten und zugehörigen Anfahrtsskizzen zu finden, überraschte mich stadt-koeln.de mit ein paar Dienstleistungen wie Formular-Downloads, Online-KFZ-Zulassung und Vorab-Terminreservierung, die mir im sonstigen Umzugschaos so einigen Stress erspart haben dürften. Seitdem weiß ich solche Angebote als echten Mehrwert zu schätzen.

Demnächst werde ich erneut umziehen, bleibe diesmal aber vorsorglich innerhalb der Stadtgrenzen. Dennoch kam mir folgender Gedanke: Was wäre, wenn ich stattdessen an einen neuen, mir bis auf einige touristische Ausflüge, unbekannten Ort ziehen müsste – etwa von Köln in eine der übrigen neun größten deutschen Städte? Welche Online-Dienste stünden mir dort zur Verfügung? Geredet wird vom sogenannten E-Government schließlich seit Jahren. Wie sieht es aber im Alltag aus? Bieten Berlin, Hamburg, München, Frankfurt a. M., Stuttgart, Düsseldorf, Dortmund, Essen und Bremen bei Umzügen im Internet sowohl eine schnelle Orientierung im städtischen Ämter-Dschungel als auch die Möglichkeit, unvermeidliche Behördengänge vorab online zu planen oder gar zu erledigen?

Da ich den Großteil der Bürgerportale tatsächlich das erste Mal zu Gesicht bekam, ging es mir dabei wohl genauso, wie jedem frisch Zugezogenen. Beginnen wir mit Berlin. Dort gibt es unter berlin.de den sogenannten „Verwaltungsführer“ über den man ziemlich schnell den „Bürgerservice“ und die verschiedenen Berliner Ämter erreicht. Für die meisten Belange, die nach einem Umzug normalerweise auftreten, sind dabei die Bürgerämter als zentrale Verwaltungszentren zuständig. Online geht es in der Hauptstadt allerdings recht konfus zu. Für jeden Berliner Stadtteil gibt es eine eigene Unterseite, auf der die entsprechenden Ämter mit Dienstleistungen vorgestellt werden.

Leider scheint hier jedes Amt sein eigenes Süppchen kochen zu dürfen. Design und Benutzerführung wirken dementsprechend fragmentiert, unübersichtlich und planlos. Von Stringenz keine Spur. Immerhin bieten die meisten Stadtteilämter für eine mehr oder weniger große Zahl von Angelegenheiten eine Online-Terminbuchung an. Leider gilt aber auch hier: Einheitliche Standards Fehlanzeige. Fairerweise muss jedoch gesagt werden, dass ich häufiger auf Hinweise wie „Datenbank noch im Aufbau“ gestoßen bin. Vielleicht tut sich ja in nächster Zeit noch etwas. Bereits jetzt findet sich eine umfangreiche Sammlung von PDF-Formularen. Im KFZ-Bereich bieten die Berliner Behörden ihren (Neu)-Bürgern neben der Vorab-Terminbuchung die Online-Zulassung von Firmenfahrzeugen sowie eine Reservierung von Wunschkennzeichen.

Wie sieht es dagegen in Hamburg aus? Pluspunkte sammelt die Hansestadt prinzipiell mit ihrem zentralen Willkommensportal für Neubürger. Hier finden sich gebündelt allerlei Infos, die man sich wohl sonst mühsam zusammenklauben müsste. Online-Leistungen sind aber erst einmal nicht zu sehen. Ein paar Klicks später war ich dann aber doch am Ziel – dem zentralen Portal HamburgService. Dort sind sämtliche in Hamburg angebotenen Online-Dienste auf einer Seite zusammengefasst. Die Ummeldung meines Autos könnte ich so problemlos inklusive Wunschkennzeichens veranlassen. Würde mir während des Umzugs etwas abhanden kommen, hätte ich einige Wochen zudem später die Möglichkeit, online im Fundbüro danach zu suchen. Die Anmeldung als Neu-Hamburger lässt sich hingegen leider nicht per Mausklick vorbereiten. Selbst eine Online-Terminbuchung bieten die dafür in den Stadteilen zuständigen „Kundenzentren“ nicht an. Wenigstens könnte ich mich aber über eine Live-Anzeige der aktuellen Wartezeiten darüber informieren, wann der Gang dorthin am wenigsten Nerven kostet – ist ja auch was. Allerdings gelang es mir wiederum nicht, trotz Suchfunktion die nötigen Formulare auf der Website aufzutreiben.

Für das sogenannte Kreisverwaltungsreferat in München ist E-Government hingegen offenbar im doppelten Sinne ein Fremdwort. Immerhin könnte ich mir die etwa zur Anmeldung am Wohnsitz benötigten Formulare vorab herunterladen und Zuhause ausfüllen. Für mein Auto hätte außerdem ich die Möglichkeit, ein Wunschkennzeichen im Internet zu reservieren. Mehr aber auch nicht. Ähnlich dürftig sieht es in Stuttgart, Bremen, Essen und Frankfurt a. M. aus, wobei die beiden Letztgenannten zumindest noch eine Online-Terminvereinbarung anbieten.

Diese findet sich gleichermaßen in Düsseldorf. Möglich sind dort außerdem die Online-Zulassung von Fahrzeugen inklusive Wunschkennzeichen sowie ein Download sämtlicher Behörden-Formulare. Wie ein Bürgerportal idealerweise optisch in etwa aussehen sollte, macht aber vor allem Dortmund vor. Das „virtuelle Rathaus“ bietet wichtige Formulare sowie Online-Dienste wie KFZ-Zulassung, Wunschkennzeichen und Online-Suche im Fundbüro unter einem digitalen Dach. Lediglich Termine müssen weiterhin ganz klassisch per Telefon vereinbart werden.

Insgesamt ist da trotzdem noch einiges an Luft nach oben. Besonders gewundert habe ich mich aber über die insgesamt wenig ansprechende Optik der meisten Städteseiten, abgesehen von den teils chaotischen und wenig intuitiven Menüstrukturen. Zudem frage ich mich, wieso Dienste wie Online-Terminabsprache oder Internet-basierte KFZ-Zulassung nicht längst überall Standard sind. Schließlich dürften sich so ja auch Verwaltungskosten sparen lassen. Vermutlich bleibt es aber nur noch eine Frage von wenigen Jahren, bis wir viele Ämtergänge vollständig über das Internet erledigen können – Stichwort neuer Personalausweis. Oft ist es ja einzig die zweifelsfreie Identifikation, die ein persönliches Erscheinen beim Sachbearbeiter nötig macht. Ich für meinen Teil würde diese Entwicklung jedenfalls begrüßen, da ich meine Zeit eben äußerst ungern mit dem Abreißen von Nummernschnipseln in stickigen Warteräumen verbringe. Und ihr?

(Christian Wolf;  Bild: RainerSturm / pixelio.de )


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Über den Autor

Christian Wolf

Christian Wolf wird am Telefon oft mit "Wulff" angesprochen, obwohl er niemals Bundespräsident war und rast gerne mit seinem Fahrrad durch Köln. Er hat von 2011 bis 2014 für BASIC thinking geschrieben.

16 Kommentare

  • Ja E-Government ist eine Baustelle obwohl, die sowohl für die Verwaltung wie auch den Bürger einen echten Vorteil brächte.
    Was mich wundert: Warum gibt es eigentlich keinen Webframework für Kommunen ? Findet sich keine Uni die gemeinsam mit dem Städtebund entsprechende Komponenten entwerfen und umsetzten kann, schließlich sollten die Schnittstellen ja ähnlich bzw ident sein – was wiederum für die Kommunen entsprechend weniger Aufwand/Kosten bedeuten würde, funktioniert ja auch im kommerziellen Bereich.

  • Ich persönlich habe die Onlinefunktion des Personalausweises deaktiviert gelassen – ich stehe zumindest dem doch ein wenig skeptisch gegenüber. Dennoch, ein standardisiertes Angebot an Onlinediensten ist auf jeden Fall wünschenswert, gerade bei Angelegenheiten, die eben keine eindeutige Identifikation erfordern.

  • @Alpenösi:
    Solche Webframeworks gibt es, allerdings nicht frei verfügbar. Der bekannteste Vertreter ist wohl der Government Site Builder, allerdings ist die Technik meines Wissens nicht ganz auf dem aktuellen Stand und das Backend ist, soweit ich weiß, für Redakteure kompliziert zu bedienen. Von einem Open-Source Framework in diese Richtung weiß ich leider nichts. Die bekannten freien CMS sind meist leider auch nicht Verwaltungskompatibel.

  • Ich hoffe für alle Leser hier, dass sie nicht allzu oft in das Vergnügen der überfüllten Ämter von Berlin-Neukölln kommen werden.. 😉

  • arbeite selbst an einer städtischen Webseite: es gibt Vorgaben für das Erreichen von E-Government „Produkten“ bis hin zur kompletten Abbildung von Dienstleistungen übers Internet – zeitlich ist das sogar sehr bald umzusetzen… allerdings seh ich es auch so: das wird keine Stadt schaffen, wenn es nicht mal die „großen“ hinkriegen.
    Allerdings vermute ich: mein Job wird in den nächsten Jahren nicht langweilig werden 😉
    Schauen wir was kommt!

  • Ich arbeite auch bei/an einer Seite der getesteten Städte. Webframeworks speziell für Städte sind m. E. gar nicht nötig, bzw. würden nicht viel bringen.

    Es hakt woanders: Seit 10 Jahren hört man immer die gleichen Lieder – wir brauchen Standards. Die Standards, die dabei rauskommen, sind meist überspezifiziert. Wenn sie denn rauskommen… meist arbeiten irgendwelche praxisfernen Bundesministerien mit ebenso praxisfernen wirtschaftlichen Beratern daran, die dafür aber jede Sonderform berücksichtigen, anstatt für eine einheitliche Regelung von Verwaltungsvorgängen zu sorgen – jede Kommune kocht sein eigenes Süppchen und wird natürlich nicht dazu gezwungen oder ermuntert, die eigenen Strukturen zu überdenken. Und über dieses Chaos wird dann ein „Standard“ gestülpt. Kein Wunder dass das nicht bzw. nur langsam funktioniert…
    Da wundert auch nicht, dass dabei solch ein Produkt, wie von Mathias (#9) beschrieben, heraus kommt.

  • Ich weiß nicht wirklich wieso aber diese Anzeigen wecken bei mir unterbewusst eine Abneigung. Das hat ein wenig was von Massenabfertigung, was es ja auch ist, aber ich denke da gibt es angenehmere Lösungen.

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