Technologie

Dieser gruselige Disney-Roboter verändert die Mensch-Maschine-Kommunikation

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Der Disney-Roboter besticht durch menschliches Verhalten beim Augenkontakt. (Foto: Screenshot / YouTube)
geschrieben von Christian Erxleben

Humanoide Roboter erzielen in Kombination mit Künstlicher Intelligenz schon heute erstaunliche Ergebnisse. Trotzdem ist die persönliche Interaktion meistens mittelmäßig. Das soll nun ein Disney-Roboter ändern. Er ist gruselig und zugleich sehr authentisch.

Zugegeben: Der Disney-Roboter erinnert uns nicht gerade an entspannte Musik und lange Filmabende in unserer Kindheit, sondern vielmehr an einen tödlichen, gnadenlosen Roboter, der nur dazu erschaffen wurde, die Menschheit auszurotten.

Das liegt einerseits daran, dass sich der Disney-Roboter im Gegensatz zu vielen technischen Kollegen sehr menschlich verhält. Darauf wollen wir jedoch später im Text noch detaillierter eingehen.


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Andererseits – und das dürfte der Hauptgrund für diesen gruseligen ersten Eindruck sein – verfügt der Roboter de facto über keine Haut. Lediglich die Augenlieder und das Zahnfleisch erinnern an einen Menschen. Dem restlichen Corpus fehlt der „weiche“ Faktor des Menschen.

Das größte Problem von Robotern

Entstanden ist der namenlose Disney-Roboter aus einer Zusammenarbeit zwischen mehreren Mitgliedern der Forschungabteilung des Medienkonzerns und je einem Forscher des California Institute of Technology und der University of Illinois.

Die wissenschaftliche Arbeit trägt den Namen „Realistic and Interactive Robot Gaze“ und beschäftigt sich mit der Frage, wie humanoide Roboter noch menschlicher wirken können. Letztendlich offenbart das Projekt das größte Problem von allen menschenähnlichen Robotern: die Mimik und Gestik.

Denn tatsächlich sind viele bekannte Roboter durchaus dazu in der Lage deine Augen zu erkennen. Deshalb können sie auf einer technischen Ebene den Blickkontakt zu Personen halten.

In der Mensch-Maschine-Kommunikation führt das jedoch dazu, dass die Menschen das technische erzeugte Starren sofort als künstlich wahrnehmen. Denn: Egal was um uns herum passiert: Der Roboter hält starr den Augenkontakt – und das ist nicht menschlich.

Nonverbale Kommunikation ist bedeutend wichtiger

Genau an dieser Stelle setzt der entwickelte Disney-Roboter technologisch an. Dabei sind die Forscher auf den wichtigsten Teil der menschlichen Interaktion eingegangen: die nonverbale Kommunikation.

Sie macht im Gegensatz zur in der Gesellschaft weit verbreiteten Meinung 80 Prozent aller Signale in der zwischenmenschlichen Kommunikation aus. Damit spielen die Mimik und die Gestik für uns Menschen eine bedeutend größere Rolle als beispielsweise die Worte, die wir hören.

Deshalb sorgen fortlaufende Zoom-Calls und Video-Meetings bei Arbeitnehmern auch für körperliche Erschöpfung, da das menschliche Gehirn einen Großteil der bekannten und wichtigen Verhaltensweisen nicht sehen kann, weil er außerhalb des Sichtfelds stattfindet.

Der Disney-Roboter imitiert menschliche Bewegungen und reagiert auf äußerliche Ereignisse

Was bedeutet das nun für den Disney-Roboter? Zusammengefasst lässt sich sagen, dass die Entwicklung der Forschungsgemeinschaft nicht starr den Blick hält, sondern auch durch Kopfbewegungen eine menschliche Interaktion simuliert.

Verantwortlich dafür ist ein Brustsensor, der die Bewegungen des Kopfes steuert. Dieser ahmt das natürliche Verhalten eines Menschen nach, denn selbst wenn wir nicht kommunizieren wollen, bewegen wir unseren Kopf in Gesprächen ständig.

Das kann beispielsweise ein unterbewusstes Nicken sein oder die Folge des Hebens und Senkens des Brustkorbs aufgrund unserer Atmung. Dadurch nimmt unser Körper beständig Korrekturen vor, um den Blickkontakt tatsächlich zu halten.

Doch es gibt noch eine zweite, interessante Komponente des blinzelnden Roboters: Er verfolgt nicht nur die Augen des Gegenübers, sondern reagiert ebenfalls auf externe Stimuli und Ereignisse.

Was bedeutet das konkret?

Wenn der Gesprächspartner des Disney-Roboters sich beispielsweise einem zweiten Menschen zuwendet und mit ihm spricht oder sich aufgrund eines lauten Geräuschs umdreht, hält der Disney-Roboter nicht etwa den Blickkontakt. Er schenkt ebenfalls den externen Ereignissen seine Aufmerksamkeit.

Menschen lassen sich ablenken, Roboter (noch) nicht

Und genau das ist der entscheidende Faktor für die menschliche Kommunikation. Wenn unser technisches Gegenüber nicht auch körperlich auf äußere Ereignisse reagiert, sondern stur den technischen Vorgaben folgt, erzeugt das kein Gefühl von Menschlichkeit.

Durch die ständigen Bewegungen der Augen und des Kopfes sowie durch das Blinzeln und die simulierte Reaktion des Kopfes auf das menschliche Atmen sowie die Reaktion auf externe Ereignisse entsteht in unserem Gehirn das Bild des menschlichen Verhaltens.

Und genau das ist schließlich das Ziel aller humanoiden Roboter.

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Über den Autor

Christian Erxleben

Christian Erxleben ist seit Ende 2017 Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Ressortleiter Social Media und Head of Social Media bei BASIC thinking tätig. Durch seine Arbeit im Social-Media- und Marketing-Ressort der INTERNET WORLD Business, am Newsdesk von Focus Online und durch sein Journalismus-Studium sowie sein redaktionelles Volontariat hat er in den Bereichen der Redaktion und des Social Media Managements mehrjährige, fundierte Erfahrung gesammelt. Beruflich und privat beschäftigt er sich mit Social Media, New-Work-Konzepten und persönlicher Entwicklung.

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