Social Media Wirtschaft

Reddit-Verarsche: So leicht lassen sich Nutzer von „Finanztipps“ an der Nase herumführen

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Kann man Finanztipps auf Reddit, wie etwa zur Gamestop-Aktie, trauen? (Foto: Unsplash.com / Tech Daily)
geschrieben von Marinela Potor

Kann man Finanztipps auf Reddit trauen? In einigen Fällen, vielleicht. Ein aktueller Fall zeigt jedoch auch: Es ist sehr leicht, Nutzer an der Nase herumzuführen. 

Sein Nutzername bei Reddit ist TSLAinsider. Als angeblicher Insider bei dem Elektroautobauer sagte er voraus, dass Elon Musk bald Bitcoin kaufen werde. Einige Tage später investiert der Konzern tatsächlich Milliarden in die Kryptowährung und TSLAinsider wird als Investment-Guru auf Reddit gefeiert.

Sein Post geht viral. Er erhält unzählige Nachrichten. Unter anderem bitten ihn andere Bitcoin-Anbieter darum, auch ihre Währungen per Social Media zu bewerben.


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Blöd nur, dass TSLAinsider eigentlich aus Nordhessen kommt und keine Ahnung davon hat, was bei Tesla intern abgeht. Die Geschichte zeigt, wie vorsichtig Nutzer wirklich bei Finanztipps aus den sozialen Netzwerken sein sollten.

Reddit-Verarsche: Alles nur ein Spaß

Als die strikten Lockdown-Maßnahmen in Deutschland im März 2020 starten, sitzt TSLAinsider zu Hause und hat viel Zeit. Er nutzt seine freie Zeit unter anderem dazu, um an der Börse zu spielen.

So sieht er im Reddit-Subforum r/WallStreetsBets zum Beispiel einen Thread über die Gamestop-Aktie und investiert selbst. Als die Aktie einen Wert von 400 US-Dollar erreicht, steigt er aus.

Weil er sich aber auch für Kryptowährungen interessiert, kommt er dann spontan auf die Idee, als angeblicher TSLAinsider selbst eine Finanzprognose abzugeben. Er sagt voraus, dass Tesla Bitcoin kaufen werde.

Dies trifft dann tatsächlich ein und er wird mit einem Schlag berühmt.

In einem Interview mit der Boulevardzeitung New York Post gibt er zu, das sei alles nur ein Spaß gewesen. Er habe LSD genommen und sei high gewesen, sagt er dem Blatt.

Nur: Auch das stimmt nicht. Dem Magazin Finance Forward sagt er nun, er habe sich das alles ausgedacht.

Für das Interview habe ich vorher noch gegoogelt, wie man „göttliche Eingebung“ gut übersetzt, das wollte ich unbedingt unterbringen. Mir war bewusst, dass die Drogenstory in den sozialen Netzwerken eskalieren würde. Tatsächlich habe ich an dem Abend gar kein LSD genommen.

Sind Reddit-Nutzer zu leichtgläubig?

Im Interview mit Finance Forward sagt er auch, dass er kurzzeitig überlegt habe zu sagen, dass Tesla Bitcoin wieder verkauft habe, um so dann bei einem fallenden Kurs günstig selbst Bitcoin zu kaufen.

Das tut er dann aber nicht. Angeblich, damit Nutzerinnen und Nutzer den Glauben an das Netzwerk nicht verlieren.

Nun mag TSLAinsider noch so viel Anstand haben, wenn man ihm die Aussagen im Finance-Forward-Interview glauben will. Doch man kann sich auch sehr gut ausmalen, wie einfach jemand mit weniger Skrupel oder größerem finanziellen Ehrgeiz die Gutgläubigkeit der Menschen hätte ausnutzen können.

Alles, was es in dem Fall brauchte, war ein guter Nutzername und eine glaubwürdige Finanzprognose, um User dazu zu bringen, viel Geld an der Börse zu investieren.

Genau das führt aber, wie man am Beispiel Gamestop-Aktie gesehen hat, zu großem Börsenchaos. Darum hinterfragen nun auch einige, ob soziale Netzwerke bei derartigen Börsentipps stärker kontrolliert werden sollten.

Besonders unerfahrene Nutzer gefährdet

Aufgrund des Chaos, das durch den Gamestop-Hype auf Reddit ausgelöst wurde, musste sich zum Beispiel Reddit CEO Steve Huffman erst vor wenigen Tagen einer Anhörung im US-Kongress stellen. Darin versicherte er: Finanztipps auf Reddit seien sehr sicher.

Schließlich müssten Tausende Nutzer diese zunächst als solide einstufen, bevor sie als „glaubhaft“ im Netzwerk verbreitet würden und jemand wirklich in eine Aktie investiere.

Der Fall des TSLAinsiders zeigt aber, dass es gar nicht so schwierig ist, aus dem Nichts heraus großangelegte Börsenbewegungen loszutreten, bei denen unwissende Privatinvestoren, die gutgläubig den Tipps auf Reddit folgen, viel Geld verlieren können.

Sicher, wenn sich jemand mit dem Aktienmarkt, Finanzen und Investitionen gut auskennt, kann er sehr gut einschätzen, ob er aufgrund eines Tipps auf Reddit eine Aktie kaufen will. Im Fall von Bitcoin war die Einschätzung ja gar nicht so abwegig.

Bei unerfahrenen Nutzern mag es aber ganz anders aussehen. Diese vertrauen möglicherweise auch riskanteren Empfehlungen.

Finanztipps im Netz: Nicht immer ein Trick

Natürlich ist Reddit nicht der einzige Ort im Internet, auf dem dies passieren kann. Tesla-Chef Elon Musk selbst, beweist immer wieder, wie er mit einem einzigen Tweet Börsenkurse von Unternehmen in wenigen Minuten rasant hochtreiben kann.

Anders als TSLAinsider ist Musk aber jemand, den viele Menschen kennen und dem sie vertrauen. Ob es jedoch immer so klug ist, jedem seiner Finanztipps im Internet zu folgen?

In einem Interview mit Bloomberg beantwortet Bill Gates dies sehr diplomatisch so:

Elon hat einen Haufen Geld und er ist sehr kultiviert. Ich mache mir keine Sorgen, dass sein Bitcoin irgendwie beliebig hoch oder runtergeht. Ich glaube, dass Menschen sich von diesen Manien anstecken lassen, die nicht so viel Geld übrig haben. Mein genereller Gedanke wäre, dass du aufpassen solltest, wenn du weniger Geld als Elon hast.

Selbstverständlich heißt all dies nicht, dass du keine zuverlässigen Finanzinformationen im Internet findest. Auch gibt es zahllose sehr kompetente Experten, die auf Blogs oder sozialen Netzwerken sehr gute Tipps geben.

Auch wenn du dir einen festen Betrag zur Seite gelegt hast, mit dem du an der Börse spekulieren willst, mag es nicht so schlimm sein, wenn du beliebigen Finanztipps auf Reddit und Co. folgst und schaust, was passiert.

Doch wenn du ernsthaft Geld investieren möchtest, solltest du selbst vorab gut recherchieren und dich am besten von einem zertifizierten Experten beraten lassen, anstatt all dein Geld blind in eine Aktie zu stecken, nur weil sie auf Social Media gehypt wird.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitäts- und Technologietrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

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