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Energiewende am Limit: Warum unsere PV-Anlage ständig abgeschaltet wird

Jonathan Harsch
Bild: Mit Gemini generiert (KI)

Seit diesem Frühjahr legt der lokale Netzbetreiber unsere PV-Anlage fast jeden Tag um die Mittagszeit lahm. Die Begründung: Das Stromnetz sei überlastet. Das bedeutet für uns nicht nur keine Vergütung für die Einspeisung, sondern auch keinen kostenlosen Strom für den Privatgebrauch. Und die Entschädigung ist ein schlechter Scherz. Ein Kommentar.

Vor einigen Jahren haben ich und meine Frau uns den oft zitierten Traum vom eigenen Haus erfüllt. Eigentlich war es weniger ein Traum und mehr eine Vernunftentscheidung. Corona-Pandemie, russischer Angriffskrieg, Klimawandel – wir wollten als Familie unabhängiger und somit krisenresistenter werden.

Auf den Dächern des Altbaus und der angrenzenden Scheune sind jeweils Panels einer Photovoltaik-Anlage installiert. Das war einer der Gründe, warum wir uns gerade für dieses Haus entschieden haben. Die Anlage hat inzwischen über zehn Jahre auf dem Buckel und im Vergütungsvertrag mit dem hiesigen Netzbetreiber ist eine Klausel verankert, die besagt, dass sie gedrosselt oder abgeschaltet werden darf, falls sich zu viel Strom im Netz befindet.

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Zu der Zeit, als der Vertrag vom Vorbesitzer unseres Hauses unterschrieben wurde, war dieser Fall komplett theoretischer Natur. Niemand hätte damals gedacht, dass es irgendwann zu einem Überangebot an Strom aus privaten PV-Anlagen kommen könnte. Ein gutes Jahrzehnt später ist das jedoch Alltag. Seit April steht unsere Anlage so gut wie jeden Mittag still.

Wenn die eigene PV-Anlage einfach abgeschaltet wird

Die entgangene Vergütung für die Einspeisung ist ärgerlich, aber der eigentliche Skandal liegt an anderer Stelle. Wird die Anlage über einen sogenannten Funk-Rundsteuerempfänger abgestellt, fährt das komplette System runter. Wir können den erzeugten Strom in diesem Moment nicht einmal selbst verbrauchen. Ohne Batteriespeicher und ohne moderne Steuerung kappt der alte Rundsteuerempfänger alle Verbindungen.

Der Auslöser ist offensichtlich: Mittags, wenn die Sonne hoch am Himmel steht, speisen Millionen Anlagen in Deutschland gleichzeitig große Mengen an Strom ein. Mehr als Netz und Nachfrage verkraften. Wie stark das System inzwischen unter Druck steht, sieht man an den offiziellen Zahlen.

2025 rutschte der Börsenstrompreis an 573 Stunden ins Minus. Ja, das bedeutet tatsächlich, dass manche Abnehmer für ihren Verbrauch noch bezahlt werden. Das ist ein Rekord und rund ein Viertel mehr als im Vorjahr. Vier Jahre zuvor waren es gerade einmal 139 Stunden.

Strom ist zur Mittagsspitze im Überfluss vorhanden und es wurde bislang versäumt, genügend Speicherkapazität zu schaffen, um das aufzufangen. Dass der Solarausbau dem Speicherausbau weit vorauseilt, haben die Anlagenbesitzer nicht zu verantworten, aber ausbaden müssen sie es trotzdem.

Das gibt es als Entschädigung für die Ausfälle

Bei meiner ersten Beschwerde beim Netzbetreiber hieß es noch frech, ich solle doch erst mal die genauen Zeiten der Abschaltungen vorlegen. Daten, die bei älteren Anlagen nur dem Unternehmen selbst vorliegen. Inzwischen gibt es laut Auskunft unseres Netzbetreibers auf Geheiß der Bundesnetzagentur auch Entschädigungen für Privatbetreiber kleinerer Anlagen.

Für 2025 wurden uns etwas mehr als 100 Euro gutgeschrieben – nachdem wir am Jahresende über 500 Euro für den vom Netzbetreiber zuviel gezahlen Strom nachzahlen mussten. Eine solche Entschädigung deckt also nicht einmal die entgangene Einspeisung ab und schon gar nicht den weit höheren Wert des Stroms, den man in dieser Zeit selbst genutzt hätte.

Stehen ältere Anlagen ohne Speicher still, müssen die Besitzer mittags den teuren Netzstrom zukaufen. Und die Zahl der Abschaltungen steigt immer weiter an. Was uns in diesem Jahr tatsächlich entgeht, liegt vermutlich im vierstelligen Bereich. Exakt belegen lässt sich das im Einzelfall aber kaum. Man fühlt sich den Verantwortlichen ausgeliefert.

Was bedeutet der Überschuss für Neuanlagen?

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) will die feste Einspeisevergütung für neue PV-Anlagen bis 25 Kilowatt zum Jahr 2027 abschaffen. Künftig sollen Betreiber ihren Strom über die sogenannte Direktvermarktung selbst an die Energieunternehmen verkaufen oder ihn vollständig selbst verbrauchen. Zur Begründung heißt es, Solaranlagen rechneten sich auch ohne Förderung und dass das alte System den Bund Milliarden koste.

Bislang handelt es sich allerdings nur um einen Gesetzentwurf. Fachleute halten die Direktvermarktung kleiner Anlagen für kaum wirtschaftlich, der Bundesverband Solarwirtschaft spricht von einem Frontalangriff auf die Energiewende.

Der Staat weiß also längst, dass er den eingespeisten Sonnenstrom zur Mittagszeit nicht mehr braucht. Gleichzeitig sollen die Bürger munter weiter Anlagen bauen. Nur wenn der Strom zur falschen Zeit kommt, schaltet man uns ab, entschädigt uns mit Almosen und entzieht Betreibern die Geschäftsgrundlage. Dass zumindest die bestehenden Vergütungen vorerst unangetastet bleiben sollen, ist nur ein schwacher Trost.

Niemand bestreitet, dass das Netz bei einer zu hohen Zufuhr entlastet werden muss. Aber die Lösung kann nicht sein, die Last auf kleine private Betreiber abzuwälzen, die in dem Glauben investiert haben, dass sich ihre Anlagen schnell amortisieren und sie unabhängiger machen. Was fehlt, sind ein schnellerer Netzausbau, bezahlbare Speicher und eine Steuerung, die den Eigenverbrauch zulässt, statt die Anlage stumpf vom Netz zu trennen. Ansonsten wird es für den Bund immer schwieriger, die Bürger bei der Energiewende mit ins Boot zu holen.

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