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Geldprobleme: Wiki leakt nicht mehr, will eigenes Sicherheitssystem vorstellen

Enthüllungsplattform ohne Geld und Vertrauen: Wikileaks-Aktivisten gaben heute Nachmittag eine Pressekonferenz in London. Darin sagte der Gründer der Plattform, Julian Assange, dass man die Arbeit aufgrund von Geldproblemen vorübergehend einstellen müsse. 95 Prozent der möglichen Spendengelder würden von US-Finanzunternehmen wie PayPal, Western Union und MasterCard zurückgehalten, sagten Assange und seine rechte Hand, der isländische Enthüllungsjournalist Kristinn Hrafnsson. Bis zu 50 Millionen Euro an möglichen Spenden seien so zurückgehalten worden.

Beide sparten nicht mit Kritik an den „korrupten US-Finanzunternehmen“, die sich dem Druck der US-Regierung beugen würden. Seit der Veröffentlichung mehrerer kritischer Dokumente und Videos über die US-Regierung und das US-Militär steht Wikileaks auf der Abschussliste der USA. Wikileaks-Gründer Julian Assange befindet sich im Vereinigten Königreich unter Hausarrest, nachdem er in Schweden aufgrund einer Klage auf sexuelle Nötigung per Haftbefehl gesucht wird.

„Sicheres Protokoll“ soll am Freitag starten

Hrafnsson sagte in der Pressekonferenz, man werde in Großbritannien, den USA, Island und Australien gerichtlich gegen die Spendenblockade vorgehen. Mit welchem Geld das geschehen soll, ist allerdings nicht klar. Assange sagte, man könne Online-Banking und auch keiner https-Verbindung im Web mehr trauen. Deswegen werde man am Freitag ein eigenes, „wirklich sicheres“ System ins Leben rufen, mit dem Informanten der Organisation Geheimdokumente zuspielen könnten.

Die Plattform benötigt Spenden unter anderem für Server-, Personal-, Gerichts- und Anwaltkosten. Alleine der Vorschuss in Höhe von 400.000 Euro, den Assange für eine nicht autorisierte Biographie des schottischen Verlags Canongate erhielt, soll komplett in das Honorar für seine Anwälte geflossen sein.

Assanges frühere rechte Hand, der Deutsche Daniel Domscheit-Berg warf Assange in seiner Biographie „Inside Wikileaks“ den laxen Umgang mit Spendengeldern vor. Nachdem er von Assange gefeuert wurde, gründete er seine eigene Enthüllungsplattform OpenLeaks, handelte sich in diesem Sommer aber Ärger ein, als er den Chaos Computer Club (CCC) dafür instrumentalisieren wollte. Wie man Wikileaks heute noch Geld zukommen lassen kann, ist auf der Website der Organisation beschrieben.

(Jürgen Vielmeier)


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Über den Autor

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.

10 Kommentare

  • Toll zu wissen, dass Wikileaks jetzt etwas WIRKLICH sicheres herausbringen möchte.
    Irgendwie erinnert mich das an Paypal (Slogan: Sichererer).

    Ich meine, wenn es früher unsicher war, denen (also Wikileaks) Informationen zuzuspielen, hält Wikileaks seine Unterstützer zum Narren oder glauben die ernsthaft, dass man ihnen noch eine n-te Chance gibt (n steht für Natürliche Zahl)?

  • Ich finde es schade, dass Wikileaks aufgrund des Drucks durch Banken aufgeben muss. Es zeigt allerdings auch, wie sehr wir inzwischen von den Kreditinstituten abhängig geworden sind.

  • Schade, dass so ein wichtiges Instrument demontiert wurde.
    Aber nicht nur die Regierungen, auch die Macher selbst haben das Projekt gegen die Wand gefahren.

    Hoffentlich gibt es bald ein Nachfolgeprojekt, deren Verantwortliche die Sache professioneller angehen.

  • Ob das Instrument wirklich so wichtig ist? An sich wäre eine solche unabhängige Plattform tatsächlich wichtig. Allerdings bin ich nicht sicher, ob Julian Assanges Jünger dafür gerade die richtigen sind. Die Egozentrik dieses Mannes ist ekelerregend.

    Andererseits ist es auch wirklich skandalös, wie hörig die Finanzinstitute auf einmal sind. Wenn es um die Finanzkrise geht, spuren sie doch auch nicht so!

  • Da bin ich ja froh das auf der Wikileaks Seite nicht wie auf dem Bild oben gleich ein Bild von dem Kerl prangert. Ich finde die Reduktion von Wikileaks auf Assange fatal und auch wenn er viel dafür getan und sich als Gründer beteiligt hat – Wikileaks ist nicht Assange und wenn das die Welt und Assange selbst mal begreifen könnte wäre der Organisation viel geholfen.

    Und Spendengelder bitte einfach per Post senden, ich kenne einen bei der Post der riecht Bargeld in Briefumschlägen über drei Förderbänder hinweg aber da dürfte trotzdem mehr ankommen als über die US Finanzdienstleister 😀

  • Trotzdem ist Wikileaks doch nicht gleichzusetzen mit Assange. Er ist der prominente Kopf dahinter aber ohne seine Mitstreiter wäre er nur ein extrem egozentrischer und merkwürdiger Kerl, auch wenn es ohne ihn wohl kein Wikileaks gegeben hätte.

  • @Max: ich finde Egozentrik nicht schlimm. Außerdem mindern fehlende Sympathien mit einzelnen Mitarbeitern von Wikileaks ja nicht den Wert einer solchen Plattform. Die Macht der Banken, die in dem Fall demonstriert wurde, ist wesentlich schlimmer als persönliche Macken von Assange.

  • Schade schade das ganze, aber die Art der „Enthüllungs Maschinerie“, die dort in Gang gesetzt wurde gefällt. Neben Open Leaks gibt es bereits weitere „Nachahmer“, die auf einen angeblich anonymen Input bauen.

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