Gram: Was von Palm und WebOS noch übrig ist, wird eine neue Firma

Jürgen Vielmeier

Ich möchte nicht in deren Haut stecken, denn wenn ein Schicksal ungewiss ist, dann dieses. Als HP Ende vergangenen Jahres angekündigt hat, seine Global WebOS-Einheit abzustoßen, war das Schicksal der Mitarbeiter und des Systems unklar. Wenig später wurde das eigentlich beliebte aber augenscheinlich mit einem Fluch belegte mobile System frei verfügbar gemacht. Seitdem kümmert sich die Entwicklergemeinde um Open WebOS. Angelockt werden sollen App-Entwickler mit dem Enyo-Framework, das kürzlich in der Version 2.0 erschienen ist. Apps lassen sich damit nicht nur für Open WebOS erstellen, sondern auch für iOS, Android und alle modernen Webbrowser.

Das Problem: Es gibt keine aktuelle Hardware mehr für das System. Die letzte WebOS-Generation hat HP vor einem Jahr in einer spektakulären Aktion verramscht. Jetzt jedenfalls wurde aus den Überresten der HP WebOS Global Business Unit ein neues Unternehmen: Gram. Das ist weiterhin zu 100 Prozent im Besitz von HP, darf sich aber auch um alternative Geldquellen bemühen. Gram will sich um Software, Nutzererlebnis, die Cloud, Entwicklung und Partnerschaften kümmern, wobei niemand so Recht zu wissen scheint, was genau das eigentlich bedeutet.

Keine Endgeräte

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In einem Rundschreiben an seine neue Belegschaft, die webOS Nation vorliegt, bittet der neue, alte Chef Martin Risau seine Mitarbeiter, noch nichts über den Inhalt des Unternehmens an die Öffentlichkeit dringen zu lassen. Vielleicht, weil es noch nichts zu erzählen gibt? Risau sieht Gram als eine Art Startup, das mit einem potenten Investor im Rücken (HP) praktisch bei null anfange.

Laut aktuellen Gartner-Zahlen teilt sich Open WebOS mit den „sonstigen Systemen“ bei Smartphones einen Marktanteil von 0,6 Prozent. Eine neue Hardware-Generation könnte das vielleicht wieder beleben. Aber wer soll die eigentlich herstellen? HP hat wohl für immer genug davon, HTC hat für Experimente kein Geld mehr. Käme allerhöchstens noch Samsung in Frage. Aber die haben zumindest vor einem Jahr bei der Frage nach einer Lizenzierung von WebOS schon einmal abgewunken. Und bei Tablets? Selbst Acer, wo man auf Microsoft nicht mehr gut zu sprechen ist, würde sich ein solches Experiment dreimal überlegen.

Open WebOS könnte dafür aufgrund des gleichen Linux-Kernels auf einigen bisherigen Smartphones wie dem Nokia N9 oder dem Galaxy Nexus installiert werden. Für den, der ein wenig damit experimentieren mag. Die bisherige WebOS-Hardware von Palm und HP ist damit nicht kompatibel. Massenmarkt? Kunden? Bisher sehe ich noch keine. Aber vielleicht wird Gram uns da in den kommenden Monaten aufklären.

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(Jürgen Vielmeier, Bild: Gram via webOS Nation)

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Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.