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Meinung: Es ist Zeit, Apple seine Sterblichkeit zurückzugeben

Apple
geschrieben von Tobias Gillen

Schade. Das war es, was mir nach der Apple-Keynote gestern durch den Kopf gegangen ist. Apple hat es abermals versäumt, abzuräumen und die großen Erwartungen zu befriedigen, die man sich zu Steve Jobs Zeiten selbst auferlegt hat. Zeit, dem Konzern die Sterblichkeit zurückzugeben. Ein Kommentar. // von Tobias Gillen

Hinweis: Wer sich dafür interessiert, warum wir zum Apple-Event keinen Liveticker gemacht haben und warum wir auch sonst aus dem Hamsterrad der Hype-Berichterstattug ausgestiegen sind, findet hier eine Erklärung.

Tim Cook: Hochsympathisch scheiternd

Was war das für ein großartiger Moment 2007, als Steve Jobs mit seinem schwarzen Rollkragenpullover auf die Bühne trat und der Welt verkündete, dass er soeben die Smartphone-Welt revolutioniert hatte. Das iPhone stand seither für Innovation. Für Mut. Für das Andere. Für das Neue. Für das, was den Kurs der anderen vorgibt. Das hat sich geändert.

Steve Jobs: Who wants a Stylus?

Heute steht ein hochsympathischer Tim Cook auf eben dieser Bühne, der es versucht. Das tut er mit Sicherheit. Aber er schafft es einfach nicht. Dafür sind die Fußstapfen zu groß, die Steve Jobs hinterlassen hat. Das zeigte sich bei der Apple Watch, die – dabei bleibe ich nach wie vor – ein halbfertiges Häufchen Technik ist, das in keinster Weise die Anforderungen an eine wirklich smarte Uhr erfüllt. Nicht von der Steuerung, nicht vom Design, nicht vom Preis, nicht vom Akku, nicht von der Leistung. Es ist eben ein Apfel drauf, das war es dann aber leider auch. Und wenn man dazu noch bedenkt, wie viel Vorsprung Apple der Konkurrenz gegeben hat, dann ist es umso schlimmer.

Who wants a stylus? We want a stylus!

Dann sind da ein iPhone 6 und iPhone 6 Plus, die einen Patzer nach dem anderen produzieren, sich verbiegen lassen, am Gehäuse knacken und sogar die Frontkamera verschwinden lassen. Ein Betriebssystem, das ausgerollt wird, obwohl es zu Verbindungsproblemen führt. Eine Musik-Streaming-Anwendung, die zwar gut gedacht, aber schlecht umgesetzt, zu langsam und zu wenig intuitiv ist. Und von den vielen kleineren Problemen und Rückschritten in den Mac-OS- und iOS-Versionen der vergangenen zwei Jahre will ich gar nicht erst anfangen.

Und gestern? Da steht Tim Cook wieder auf der Bühne. Und präsentiert ein 12,9-Zoll-iPad Pro, das in seiner 128-GB-Version mit dem passenden Tastatur-Case fast so teuer ist wie ein ganzes Macbook Air. Oder einen so genannten Apple Pencil, einen Stylus für eben dieses iPad, mit dem man nun auf dem wundervollen Touchscreen rumtippen kann wie damals auf einem PDA. Und das von dem Unternehmen, das 2007 das Ende eben dieser Stifte eingeleitet hat, als Steve Jobs fragend in die Runde warf: „Who wants a stylus?“

We want a stylus! Applaudiert das Publikum im Saal. Nur eben nicht 2007, sondern acht Jahre später. Weil es eben ein Apple Stylus ist. Und weil es ja so innovativ ist, auf dem iPad, das man unmöglich länger als fünf Minuten in der Hand halten kann, rumzumalen wie auf einem professionellen Zeichenpad. Und zu allem Überfluss kostet das Teil dann nochmal 99 US-Dollar extra. Da schreit der Apple-Fan in mir innerlich.

Wii-Spielen auf dem Apple TV: Seriously?

Vom iPad Pro ging es dann gestern weiter zum Apple TV. Ziemlich überrascht konnte der Zuschauer am Anfang fast annehmen, Apple habe tatsächlich ein Fernsehgerät designt. Am Ende war es dann aber doch nur die kleine Apple-TV-Box in überarbeiteter Form, mit wirklich schicker Benutzeroberfläche, endlich einem App-Store und einer fantastischen Steuerung mit neuer Fernbedienung, die nun Siri und Touch kann. Außerdem wurde die Suche nach Fernsehserien etwa auf Streaming-Angebote wie Netflix und hulu ausgeweitet, was wirklich wunderbar ist.

So weit, so gut. Bei der Livedemo aber präsentiert die Mitarbeiterin des Apple-TV-Teams dann die passenden Bildschirmschoner so, als hätte Apple gerade das Teleportieren erfunden und die Protagonisten fangen plötzlich an, Spiele auf dem Apple-TV zu spielen wie auf einer Wii, mit Tennis und „Die-Fernbedienung-wie-bekloppt-durch-die-Gegend-Geschleudere“. Ein Stylus, eine Wii und Spiele auf dem Fernseher – das Jahr 2004 hat gerade angerufen. Es ist not amused…

Apple Pencil

„Das fortschrittlichste iPh…zZz“

Trotzdem: Bis hierher ist es dann doch mehr, als man von der Keynote hätte erwarten müssen. Eigentlich sollte es ja um das iPhone gehen. Und das kam dann auch. Tim Cook scheut sich nicht davor, Dinge groß anzukündigen. Der Unterschied zu Steve Jobs ist: Der hat diese Ankündigungen dann auch umgesetzt. So versprach Cook gestern nicht weniger, als dass man beim iPhone alles verändert habe. Alles. 

Im Klartext heißt das dann: Das iPhone 6s und das iPhone 6s Plus sehen genauso aus wie ihre Vorgänger, haben das erwartete Force-Touch („3D-Touch“), ein härteres Glas, einen neuen Chip, eine bessere Kamera und die nächste Touch-ID-Version bekommen. Noch klarer: Das Ding sieht aus wie das alte, kann bessere Fotos schießen und der Touch-ID-Sensor funktioniert jetzt – hoffentlich – endlich vernünftig. Gut, ich muss zugeben: 3D Touch ist wirklich cool. Immerhin.

Apple iPhone 6s iPhone 6s Plus

Aber die Blöße, das der Weltöffentlichkeit als „das fortschrittlichste Smartphone der Welt“ zu präsentieren, hätte sich Steve Jobs niemals gegeben. Preislich liegt das neue iPhone 6s übrigens mit 739 Euro sogar noch über dem Preis des iPhone 6. Das war so alles zu erwarten, die Gerüchteküche ist ja inzwischen ziemlich präzise im Voraussagen der von Apple natürlich nicht gestreuten Informationen. Hust.

Apple: Scheitern am eigenen Anspruch

Was bleibt also von der Apple-Keynote? Erneut nur Enttäuschung über das Gesehene und Geschehene. Über verpasste Chancen und vergessene Ideale. Über Scheitern auf hohem Niveau. Aber auch das ist eben am Ende Scheitern. Der Unterschied zu den anderen ist: Von Apple erwartet man mehr. Wenn Samsung mit einem Modell patzt, dann machen sie es eben beim nächsten Mal besser. Von Apple erwatet man aber das, was Samsung über das kommende Jahr wieder nachbauen kann.

Die Zeiten sind leider längst vorbei. Und Apple watschelt nur noch hinterher wie ein Pinguin, den man zwar gernhat. Aber ein Vorreiter ist er eben nicht. Es ist Zeit, das zu erkennen und von Apple nicht mehr das Unmögliche zu erwarten. Es ist Zeit, Apple die Sterblichkeit zurückzugeben, die es braucht, um die dann niedrigeren Erwartungen wieder erfüllen zu können.

Und damit sollte Apple selbst an vorderster Front anfangen.


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Über den Autor

Tobias Gillen

Tobias Gillen ist seit August 2014 Chefredakteur und seit Mai 2015 Geschäftsführer von BASIC thinking. Erreichen kann man ihn immer per E-Mail oder in den Netzwerken.

46 Kommentare

  • Hallo Tobias,

    ich gratuliere zu der Offenheit und ich kann das Geschriebene nachvollziehen. Bin zwar zeitlebens kein Apple-Fan-Girl gewesen, aber habe ähnliches vor Jahren Microsoft vorausgesagt. Es gibt für alle eine Zeit des Innehaltens und der Einsicht, bei einigen kommt es an, bei anderen dauert es.

    Wie auch immer, ich habe Michael wegen seiner Lobpudelei zu Win 10 getadelt, zu recht wie ich immer noch finde.

    Falls ihr wirklich über den vordergründig/kommerziellen Tellerrand schauen wollt, dann reflektiert doch mal was so die letzte Zeit in der OpenSource BS-Welt los ist. Und damit meine ich nicht nur Android sondern vor allem seine AOSP-Ableger und diverse Ankündigungen auf der PC-BS-Seite.

    Grüße,
    Tilo

  • Hallo
    Guter Artikel aber für mich bleibt offen : Was habt ihr erwartet? Was sollte ein Aplle iPhone 2015 können was es nicht kann ?

  • Hallo!

    Danke für deinen ehrlichen Beitrag, als langjähriger Apple-Nutzer kann ich dir in fast allem zustimmen. Gestern Abend war schlicht eine enttäuschung. Ich möchte aber 2 Dinge anmerken:
    1. Apple Watch: Die anderen machen es nicht besser, der einzige Unterschied zwischen Android Wear und Apple Watch ist die Form des Displays. Beide haben die gleichen Probleme, beide haben den gleichen Nutzen. Nämlich keinen. Und beide sind sauteuer. Apple natürlich viel teurer, aber trotzdem, unglaublich teuer. Und beide können es nicht mit der Physik aufnehmen. Auf so einem winzigen Platz eine lange durchhaltende Batterie einzubauen ist nach momentanem Stand der Technik schlicht nicht möglich.

    2. Apple Pen: Es ist eben kein (kursiv!) Stylus. Ein Stylus ist das primäre (wieder: kursiv!) Eingabegerät für ein Gerät mit einem resistiven Touchscreen. Wer sich noch an die dunkle Zeit vor den iPhones (und kapazitativen Touchscreens) erinnert, weiß, dass man sich Fingernägel wachsen lassen musste, um diese winzigen pupsigen Schaltflächen und UI-Elemente treffen zu können. Da war jeder (kursiv!) Finger ein Wurstfinger. Was Apple hier und jetzt raushaut ist wiederum nichts anderes als ein – zugegeben sehr guter – Stift (kursiv!) zum Zeichnen und Malen. Wenn man seinen Stylus damals verlor, konnte man sein Gerät nicht mehr ansatzweise Bedienen (ich hab noch einen guten alten iPAQ von HP mit Windows rumliegen) während wenn man seinen Stift hier verliert, man sein Gerät immernoch sehr gut bedienen kann, da es nicht das primäre Eingabegerät ist – sondern der Finger. Siehe Steve Jobs.

    Aber ja, Apple erfüllt die Erwartungen der Techwelt nicht mehr. Vllt. sollten wir mit einer sehr viel geringeren Erwartungshaltung an Apple rangehen. Auch wenn Apple es immer selber von sich behauptet und das Wort „revolutionär“ verwässert: man kann nicht eine revolution nach der nächsten raushauen…

    • Hi Emse, danke für deinen Kommentar! Was du im letzten Absatz schreibst, wollte ich im letzten Satz sagen. Apple trägt ja nach wie vor dazu bei, die Erwartungen zu streuen. Du kannst doch nicht auf der Bühne ankündigen, dass du das fortschrittlichste Smartphone der Welt gebaut hast – und dann DAS präsentieren. Da braucht man sich nicht wundern, finde ich.

  • Also ich finde dieses einseitige Bashing völlig fehl am Platze und hoffe nicht man plaziert solche polarisierende Meinungsmache nicht zwecks Erhöhung der Auflage dieses Blogs. Warum schreibt ihr nichts über die sehr vielversprechenden Anwendungsfelder von Watch und iPad Pro in Healthcare und Education, die aufgezeigt wurden. Habt ihr die Produkte tatsächlich bereits getestet? Ich glaube nein. Die Erwartungen macht nicht Apple, sondern Menschen die Artikel wie diese schreiben. Würde mir sehr seriösere und objektivere redaktionelle Arbeit wünschen angesichts der hohen Erwartungen an Basic Thinking. Seid gar auch ihr sterblich? 😉

    • Hi Mike.

      Hier geht es weder um Tests, noch um Anwendungsfelder oder Bashing. Und die Erwartungen streut Apple, da muss ich dir widersprechen, einfach auch (!) selbst. Indem es etwa ankündigt, alles zu verändern. Oder das „fortschrittlichste Smartphone“ zu bauen. Und, und, und. Das hier muss nicht objektiv sein, es ist ein Kommentar, so gekennzeichnet und freut sich auf Gegenmeinungen. Um Auflage geht es nicht, dafür hätte ich diesen Kommentar um 22 Uhr schreiben müssen. Oder gleich einen Liveticker aufsetzen (siehe Link am Anfang).

      Übrigens: Sterblich sind wir, habe mich erst eben beim Rasieren geschnitten. Es hat geblutet! 😉

  • An dieser Stelle möchte ich nochmal eure Entscheidung loben, nicht über dieses Event berichtet zu haben. Andere Seiten kann man heute nicht anklicken, da sie nur noch aus Apple-Beiträgen bestehen. Einfach nur krank.

    • Lob dass er nicht über das Apple Event schrieb? Hat er doch. Ohne Zeitdruck? Mein Feedreader sagt, dass der Artikel am 10.09. gegen 1:30 Uhr veröffentlicht wurde – vermutlich sogar etwas eher. Mit Sicherheit hat er sofort nach der Keynote angefangen in sein WordPress zu hacken. Lächerlich.

      Er will die Klicks, er braucht die Klicks.

      • 1) Apple ignorieren können wir nicht.
        2) Über das Apple-Event haben wir wie angekündigt nichts gebracht (kein Liveticker, keine Nachbesprechnung, keine Testberichte, …)
        3) DAS (Punkt 2) hätte Klicks gebracht. Dieser Text hier ist im Vergleich klicktechnisch lächerlich dagegen.
        4) Ich habe mich gegen Mitternacht an den Mac gesetzt – die Keynote war gegen 20:30 Uhr dt. Zeit zuende. Für Klicks hätte ich um 20:45 Uhr spätestens draußen sein müssen (siehe Google).
        5) Ich brauche Klicks? Nö. Wofür? Für Werbebanner, die es nicht mehr gibt?

        • Ich hab kein Problem mit Bashing, gibt genug Punkte wo man dazu ansetzen könnte, ich versteh nur nicht warum du gebetsmühlenartig verkündest, man nehme nicht am Hype um Apple teil, um dann bereits um Mitternacht einen „Kommentar“ zu schreiben.

          Wenn du die Klicks nicht brauchst, wenn du kein Zeitdruck hast, dann kannst du dir gern ein oder zwei Tage nehmen und alles in Ruhe überdenken – ein paar Details und Hintergrundinfos abwarten, die natürlich in der Nacht noch nicht bekannt sein können. *Das* wäre ein Kommentar, eine Meinung, die ich gern lesen würde – eine Meinung die wirklich durchdacht ist.

          • Genau das hätte ich getan, wenn diese Infos an meiner Meinung etwas hätten ändern können. Konnten sie nicht, daher habe ich es aufgeschrieben, nachdem ich mir drei Stunden einen Kopf darüber gemacht habe, was gerade passiert ist. Nochmal: Das hier ist genau das Gegenteil vom Apple-Hype und bringt keine (!) Klicks in dem Maße, in dem man es bei Apple sonst kennt, wenn man es wie im vorherigen Kommentar beschrieben macht. Dass ich um Mitternacht schreibe, hat übrigens nichts mit Zeitdruck zu tun, sondern damit, dass ich fast immer nachts schreibe 🙂

  • Gerade hab ich mir einen Panasonic UHD-Fernseher mit Firefox-OS zugelegt, der auch Apps hat und sowas wie Siri, was echt gut funzt. Bin erstaunt, dass sich Apple traut, etwas neu auf den Markt zu bringen, was kein 4k bietet, obwohl das iPhone schon solche Filme aufnehmen kann. Den Preis möchte ich schon gar nicht mehr wissen.

    Der Formfaktor vom 6S folgt einfach dem üblichen Faceliftprinzip. 4S und 5S entprechen optisch auch nur ihren Vorgängern. Trotzdem hätten sie die häßlichen Antennensegmente anders designen können.

    Den Stift finde ich innovativ – Wacom ist sicher nicht amused. Aber ohne Filesystem ist ein professionelles Arbeiten eh nicht gegeben.

    Was ich aber überhaupt nicht verstehen kann: warum bekommen nicht alle Geräte 64 GB Speicher als Grundausstattung? Mein iPhone hat 16 GB, mein iPad 32 GB – beide sind voll. Ich muss schon länger Apps und Musik löschen, weil nichts mehr draufpasst. Seit Jahren habe ich keine Musik oder Apps mehr gekauft – Apple hat mich quasi abgehängt. Es interessiert mich mittlerweile nichts mehr – bin nur noch dran interessiert, dass die Teile laufen.
    Warum schiessen sie sich mit den überteuerten Speichervarianten selbst ins Knie?

    Die Preise sind jedenfalls abartig hoch mittlerweile. Mein iPhone 4s und mein iPad 3 laufen noch. Das 6s würde mich wg. der Kamera schon reizen, aber ich guck jetzt erstmal nach echten Kameras. 😉

  • Haha, gestern einen Tweet gesehen, der das hier beschriebene in wenigen Worten zusammenfasst.
    Das Bashing auf die fehlende Innovation bei Apple – wie jedes Jahr, um dann doch am Samstag das neue iPhone zu bestellen
    Was sollen sie machen? Das Rad7Smartphone neu erfinden? Wenn sie das könnten, hätten sie es schon lange gemacht. Solange sie ihre aufgewärmten Geräte trotzdem reißend verkaufen, besteht doch kein Grund, was zu ändern. 😉
    Sie haben 2007 die mobile devices revolutioniert und ruhen sich drauf aus. Vielleicht kann ja auch mal wer anders die smarte Welt über den Haufen werfen.
    Aber Applebashing generiert halt Klicks und Kontroversen, daher wird es so gerne gemacht.

    • Also von Apple-Bashing ist das hier weit entfernt, wie ich finde. Apple-Bashing besteht daraus, eine undifferenzierte Meinung einzunehmen und alles schlecht zu reden, was Apple macht – das ist es hier nicht (siehe z.B. den Absatz zum Apple-TV). Was aber richtig ist: Apple ruht sich aus. Wäre ja grundsätzlich kein Problem, wenn man dann nicht immer ein riesen Ding aus den Produkten machen würde. Klicks? Nö, nicht wenn ich den Beitrag um 2 Uhr nachts raushaue, bringt das keine Klicks mehr. Darum ja auch der Hinweis, dass wir eben nicht mehr livetickern. Nur ignorieren können und wollen wir Apple nicht. 🙂

  • Ich kann im wesentlichen auch nur zustimmen, wenn auch vielleicht nicht ganz so niederschmetternd. Mit dem „3D Force“ haben sie (meiner Meinung nach) immerhin etwas umgesetzt, was es bisher so nicht gab, und was sicher einige in naher Zukunft kopieren werden. Zumindest, wenn es sich wirklich so cool verwenden lässt. Ein wenig Innovation ist schon noch dabei – allerdings ist das auch das einzige Mal gewesen, dass dieses Wort begründet verwendet wurde. Was an der Apple TV nun innovativ sein soll erschließt sich mir nicht.

    Apple ist meiner Meinung nach etwas „langsamer“ geworden und hat nicht mehr den Mit (und vielleicht nicht mehr die Voraussicht) um Neuerungen konsequent und frühzeitig durchzusetzen. Steve Jobs erkannte Trends und war mutig genug diese, trotz großem Risiko, konsequent umzusetzen. Tim Cook macht seine Arbeit gut, aber er kann da nicht mithalten. Apple macht nach wie vor gute Produkte usw., aber wie Tobias schon schreibt: die Ansprüche an diesen Konzern sind überzogen und können nicht bedient werden. Die Schuld daran liegt gewiss nicht nur bei Apple, aber gestern hätten sie sich mit einer etwas bewussteren/ehrlicheren Wortwahl dennoch einen großen Gefallen getan.

  • Noch ein Faktor der bei dem allen vielleicht eine Rolle spielt:
    Früher hatte Apple noch die Chance auf ein „one more thing.“ Die ganzen Gerüchte/Leaks waren lange nicht so gut wie heute. Heute weiß man alles schon in voraus und hat sich an manche vielleicht zumindest „teilweise innovative“ Idee schon so lange gewöhnt, dass sie einem veraltet vorkommt.

    Ich habe bewusst vor dem Apple Event keine Gerüchte gelesen und konnte daher einen etwas positiveren Eindruck der Keynote mitnehmen 😉

    • Absolut richtig. Das fing beim iPhone 4 an, wo plötzlich Gizmodo diesen Prototyp in einer Bar gefunden hat. Seither ist weitgehend alles schon vorher raus – da hast du recht.

  • So schlimm ist das alles nicht. Die Erwartungen sind einfach zu hoch. Und die habe schon einige vernünftige sachen vorgestellt.

  • Ich sehe hier auch kein richtiges Apple-Bashing, eher normale konstruktive Kritik.
    Die Frage ist, was erwarten wir? Und was definieren wie als innovativ?
    Apple hat es verstanden, die richtigen Technologien im richtigen Moment benutzerfreundlich oder zum besten Zeitpunkt für den Markt zu bringen.
    Ich glaube an die Uhren. In einer meiner Vorstellungen werden wir für vieles unsere Uhr benutzen können (Zahlen, Schlüssel, Tickets, …) und haben das am Handgelenk…das Smartphone habe ich für Games, Surfen, …. selbst telefonieren wird man über die Uhr können, auch ohne Smartphone, dann wenn es die Technik erlaubt, weil die Bauteile kleiner werden.
    Und beim Apple TV? Konsolen versuchen zusätzlichen Content mit rein zu bringen, Apple hat nun sein AppleTV für Streaming-Dienste (wachsender Markt) und für Games, welche man vom Smartphone kennt und viele nutzen und das spaßige von der Wii können Sie auch (technisch war die Wii keine Innovation, aber aus anderen Gesichtspunkten)
    Das neue iPhone/iPad ist eine solide Weiterentwicklung, aber der Marketing-Bereich wäre ja blöde, wenn er genau nur das sagt und nicht neue Superlativen aufzeigt.
    Gekauft wird vieles, ich glaub besonders an AppleTV für die jüngere Generation.
    Ich selbst habe kein Apple-Produkt, bin also kein Fan-Boy.
    Apple macht weiterhin gutes Marketing für die Masse, für technik-affine ist zwar nicht alles „logisch“, wieso die Masse trotzdem jubelt oder kritisiert. Der Mensch ist aber zum Glück nicht rein logisch und besonders Aktionen/Reaktionen aus Emotionen heraus passen nicht zu den Entscheidungen, die man aus rein logischer Sicht machen würde.
    Zum Glück gibt es also nicht genau das Treffen aller Erwartungen, sondern eine Mischung aus Übertreiben, Geheimhalten usw.

  • Apple hat einen coolen Laptop rausgebracht: Mac Book
    Apple hat ein cooles Mobiltelefon rausgebracht: iPhone
    Apple hat ein cooles Tablet rausgebracht: iPad

    Alles andere ist nicht der Rede wert. Apple war 2000-2010 cool. Jetzt ist es halt nur noch „da“. Trends setzen können die seit Jobs leider nicht mehr. Kopieren jetzt bei Microsoft. Jobs würde sich im Garb umdrehen! Lasst das endlich einen gut ausgebildeten Ingeneur machen wie bei MS und Google, dann bringt Apple auch wieder Ideen und keine Kopien.

  • @Tobias Gillen: Mir ist noch etwas anderes aufgefallen. Früher wurden auf apple.com/de/ nach einer Keynote unter „Aktuelle Pressemitteilungen“ die Übersetzungen der US-Pressemitteilungen veröffentlicht. Die Apple Keynote war gestern um 19:00 Uhr und unter „Ressourcen für Journalisten“ gibt es die aktuellen Pressefotos, doch bis jetzt gibt keine deutsche Pressemitteilung!

  • Ich würde sagen, der Erfolg gibt Apple recht. Ob gestern Alles wahnsinnig innovativ, war läßt sich bestreiten, aber warum führt Apple den Markt seit Jahren an? Wer hat mit Retina angefangen? Wer packt die schnellsten SSDs in die Notebooks? Werläßt das ganze alte Zeug weg, dass alle anderen mitschleppen (Floppy Disks, CDs/DVDs)? Was ist besser? ein iMac oder ein Medion-PC? Mein Tip: Erst überlegen, dann (evtl.) bashen.

  • Hi,
    Apple hat gestern sicher keine Revolution wie mit Mac, iPod oder iPhone losgetreten. Trotzdem ist mit einem iPhone6s und iOS9 drauf (und eben nur in dieser Kombi) ein wirklich beeindruckendes Gesamtpaket da. Da müssen Samsung & Co noch lange basteln (alle 2 Wochen ein neues OS Release…). Es ist eben nicht nur die Zahl der Pixel auf dem Display – es ist die Kombination aus Hard- und Software die den Unterschied macht.
    Hier ist einiges an Innovation zu sehen – weit mehr, als bei den Mitbewerbern. Wer aber, wie in diesem Artikel beispielhaft zu sehen, nur auf schneller, höher, weiter schaut. Wer immer nur „neu“ ruft, egal was drin ist. Der jammert auch in Zukunft immer weiter und träumt von den guten, alten Zeiten als ein Herr Jobs noch da war – egal ob der ne Lisa, die Next oder den Newton gegen die Wand gefahren hat.

  • Das Problem ist, dass die Erwartungen und Hoffnungen zu hoch sind. Dachte man gestern sollte der Warpantrieb vorgestellt werden?

    Apple hat seit dem ersten iPhone brav die Modellpflege durchgeführt: Angefangen beim Retina Display, dann Siri, immer besserer Kamera, neues iOS Design, TouchID, goldenen Farben (ob das eine Innovation ist sei mal dahingestellt), M7/M8 Co-Prozessor, bis hin zum „3D-Touch“ gestern (und noch einiges mehr).

    Und dabei habe ich bewusst nicht etwas wie bessere CPU oder ähnliches erwähnt, da dies einfach mit der steigenden Softwarekomplexität erforderlich ist. Bei anderen Herstellern stehen eher die technische Daten im Vordergrund, bei Apple war das beim iPhone fast nie so.

    Wenn man alles in einem sich anschaut, war Apple bei vielen Features erster: Retina, Siri, goldenes iPhone, Co-Prozessor, TouchID, 3D Touch. Dass man sich nun ein paar Sachen wie bspw. den Pencil abschaut ist normal.

    Die Konkurrenz hat es bis vor Kurzem nicht mal geschafft eine ebenbürtige TouchID Alternative zu bieten (nur mit Finger auflegen). Plötzlich gibt es golgende Galaxy S6, plötzlich können alle ähnliches wie Siri und sicherlich wird es bald Galaxy Handys mit 3D Touch geben.

    Apple mag nicht gleich immer die größte Weltneuheit bringen, aber es ist eine stetige Weiterentwicklung, aber so lange die Konkurrenz nichts besseres bringt, genügt das auch um Geld zu verdienen. Und genau nur darum geht es.

  • Ja, Steve Jobs hat mal einen Stift zur Eingabe lächerlich gemacht, vor allem da der Newton einen hatte und dies das Ideen-Kind seines Vorgängers war, der ihn damals aus der Firma gedrängt hatte. Und ja, auf einen iPhone und man denke an Größe der alten iPhones, macht ein solcher Stift überhaupt keinen Sinn.

    Aber Steve Jobs hat auch gesagt, man braucht keine großen Smartphones, aber die neuen iPhones machen sich gut mit ihrer Größe, also macht Tim Cook damit doch irgendwo was doch richtig und Steve Jobs lag halt doch mal falsch.

    Steve hat Dinge auch so erzählt, wie es gerade mal passend war um sie später dann neu zu erzählen und als seine neue Ideen zu verkaufen. Von daher halte ich nicht so viel von Sprüchen, dass Steve das so nicht gemacht hätte und Tim nur ein grauer Abklatsch dessen ist. Für mich zu viel Heldentum um Steve Jobs, der Ideen auch nur gut klauen konnte. Die große Revolution wird Apple wohl erst mit ihrem Fahrzeug machen und da wird Tim sicher nicht viel verkehrt machen, aber warten wir es erst einmal ab, dazu hat er noch viel Zeit um sich ein Denkmal zu setzen.

    Nun kommen wir auch wieder zur Stifteingabe, welche nun beim iPad Pro auch mal wirklich Sinn macht und sehr gut umgesetzt wurde. Das Teil wird auf jeden Fall seine Kundschaft finden und geht auch wieder den alten Weg hin, Apple-Geräte für kreative Leute zu machen.

    Ich glaube sogar, dass man hier wegweisend in eine Richtung geht, welche auf lange Sicht die Laptops durch solche Tablets zu ersetzen wird und Microsoft kann zuschauen, wie man das mit dem Surface, nach Apple-Art, richtig hinbekommt 😉

  • Leute seid ihr wieder sensibel.
    Das ist ein ganz normaler Beitrag aus einer etwas anderen Persepektive den Tobias hier verfasst hat.
    Es gibt immer grundsätzlich mehrere Meinungen zu einem Thema und wenn ihr BasicThinking hier die Klicks nicht gönnt die durch einen Tech Artikel produziert werden dann klickt doch einfach auf einer anderen Website oder sonst wo rum.

    Tobias kann ich nur zustimmen. Er hat in meinen Augen schlicht recht.
    Ich finde Apple Produkte toll und besitze selbst seit Jahren Ipod, Iphone und Ipad und denke auch immer wieder daran die Produktlinie zu erweitern. Innovativ sind diese Produkte aber schon lange nicht mehr. Die Apple Watch… Was hab ich ewig auf das Ding gewartet. Ich liebe tolle Design Uhren und habe einige. Verbunden mit Hightech und Apple Design ein Traum, aber hey: Es ist eine Uhr! Etwas dass ich jeden Tag nutze und mir den etwas unhöflichen Blick auf mein Iphone ersparen soll denn das sieht immer aus als würde ich Nachrichten oder sonst was checken, manchmal muss ich aber einfach nur die Uhrzeit wissen. Ja klar kann das die Watch aber mit dieser Akkukapazität eben nicht so zuverlässig wie ich es erwarte.
    Sie reiht sich einfach nur ein in eine Reihe von Smarten Uhren. Sicherlich mit der Apple Typischen Qualität aber eben nicht innovativ, nicht außergewöhnlich gut.
    Ich werde weiter Apple Produkte kaufen einfach weil ich sie als sehr performant, schön und qualitativ erachte, nicht aber weil sie mich noch vom Hocker hauen oder Aha Effekte erzeugen.

    Grüße euch Alleund wünsche noch ’nen schönen Abend,
    Marco

  • Das einzige, was noch vorhersagbarer ist als die langweiligen Innovationen von Apple, sind die Kommentare auf den Abgesang von Apple, die wie das Amen in der Kirche auf diese Keynotes folgen.

    Denn, mal ehrlich, wen interessiert in einem Jahr, ob Deine Vorhersage zutrifft oder nicht. Und weil ihr das auch wisst, schreibt ihr halt irgendwas provokatives, denn keiner wird euch später darauf festnageln. Hat ja auch super geklappt – du bist auf Spiegel online. Strike!

    Aber behaupte bitte nicht, dass hier hätte irgendwas mit Journalismus zu tun. Hat es nicht.

    • Das einzige, was noch vorhersagbarer ist als Abgesang-Texte sind die Kommentare darauf. 😉 Im ernst: Wo genau schreibe ich denn was von Angesang? Oder dass Apple untergeht? Ich sage nur: Erwartungen zurückschrauben, dann passt es auch wieder mit den Produkten – inklusiver Selbstkritik. Es ist immer leicht, nur die Einleitung eines Textes zu lesen und dann zu behaupten, zu wissen, was im Text steht.

  • Einen Micro-SD Slot, auf dem meine komplette Music-Library Platz hätte, wäre ein Anfang. Freie Wahl des robotend. Ein i/OS bei dem ich selbst bestimme, wie ich meine Daten organisiere. System-Apps entfernen können, die ich nicht brauche. Apples iOS entwickelt sich genau in die entgegen gesetzte Richtung.
    Kurz nach Jobs Ableben wurde mir klar, dass Apple sich wieder zurück entwickeln wird, weil keiner vom Board nur annähernd das Feeling eine Steven Jobs hat, der die Dinge, insbesondere Technik aus der Sicht eines unvoreingenommenen Anwenders betrachtet hat. Das Vermächtnis von Jobs ist aufgebraucht. Das merkt man den Produkten an.

  • Wenn Du damit sagen willst, ich hätte den Text nicht gelesen. Falsch.
    Wenn Du damit sagen willst, das Wort Abgesang käme in deinem Text doch gar nicht vor. Richtig. Muss es auch nicht, um es aus dem Text herauszulesen.

    Dein Definitionsspielraum von dem Wort Abgesang scheint mir allerdings etwas eingeschränkt zu sein.

  • Ich finde ehrlich gesagt auch wie einige meiner Vorredner, dass man die Erwartungen auch einfach mal etwas herunterschrauben sollte. Ich habe selbst mit Produktentwicklung zu tun und weiß wie schwer es oft ist, den richtigen Zeitgeist, die Kundenanforderungen oder einfach nur die Mega-Innovation zu entwickeln.

    Die besten Ideen kommen eben einem dann, wenn man nicht darüber nachdenkt und man frei von Druck ist.
    Ich glaube aber, das dieses leider bei Apple derzeit nicht gegeben ist.

  • Man brauch nicht Apple seine Sterblichkeit zurückgeben, sondern sollte den Kommentator lediglich mal in die Realität zurück holen und darauf hinweisen, dass auch Steve Jobs (erwiesenermaßen) nur ein sterblicher war. Wer Apple noch nie so glorifiziert hat wie es der Kommentator scheinbar getan hat, wird jetzt auch nicht enttäuscht.

  • Wenn man erst den Artikel und dann die Kommentare des Autors liest, hat man den Eindruck, der Autor hätte den Artikel nicht gelesen.

  • […] Es war ein enttäuschender Auftritt, den Apple am 9. September hingelegt hat. Statt der erhofften revolutionären Entwicklungen gab es nur eine weiterentwickelte Produktpalette. Die einzige Überraschung an diesem Abend war, der Microsoft-Auftritt auf der Apple-Keynote – ich glaub die Hölle friert zu. Alles andere kam erwartungsgemäß: neues iPhone, neues iPad und neues Apple TV – kein “one more thing” in Form von einem selbstfahrenden Auto, eines Laserschwerts oder eines Hoverboards. So weit so langweilig. Es dauerte nicht lange bis die ersten Expertenmeinungen entsprechend nüchtern ausfielen und manch einer gar wenn nicht das Ende von Apple dann zumindest das Ende der Innovationen prophezeite. […]

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