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Wettbewerbsklage: Wie groß ist das Google-Monopol wirklich?

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Wie groß und verstrickt ist das Google-Monopol im Jahr 2020 wirklich? (Foto: Unsplash.com / mitchel3uo)
geschrieben von Vivien Stellmach

Die US-amerikanische Regierung klagt wegen unfairen Wettbewerbs gegen Google. Der Konzern schütze seine Vormachtstellung als Suchmaschine und die damit verbundene Werbung illegal. Doch wie groß ist das Google-Monopol wirklich? Eine Analyse.

Das US-amerikanische Justizministerium hat zusammen mit elf Bundestaaten eine Klage gegen Google eingereicht. Die Suchmaschine soll ihre Vormachtstellung missbrauchen und ihre marktbeherrschende Position mit illegalen Mitteln festigen.

Es ist unumstritten, dass Google bei vielen Internet-Nutzern als beliebteste Suchmaschine gilt und standardmäßig Verwendung findet. Doch warum ist das so?


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Mutmaßlich hat das viel mit Bequemlichkeit zu tun. Google steht in vielen Browsern als Standard-Suchmaschine fest – darunter Apples Safari und natürlich Googles hauseigener Browser Chrome.

Nutzer machen sich oft keine Gedanken dazu. Warum sollten sie die Einstellungen für die Standard-Suchmaschine ändern – vor allem, wenn Google ihnen zuverlässig die gewünschten Suchergebnisse liefert?

Google zahlt 1,3 Milliarden Euro an Apple

Gerade an Apple zahlt Google horrende Summen im Milliarden-Bereich, damit die Suchmaschine im Safari-Browser als Standard eingestellt ist – 2019 waren es laut dem Google Watch Blog rund 1,3 Milliarden Euro – alleine in Großbritannien.

Safari-Nutzer können alternativ in den Einstellungen auch nur Yahoo, Microsofts Bing oder Duck Duck Go als Standard-Suchmaschine wählen. Die grüne Suchmaschine Ecosia ist zum Beispiel keine Option.

Das gesamte Google-Monopol stützt sich in erster Linie auf der Suchmaschine. Doch auch bei den Smartphones soll Google laut US-Justizministerium wettbewerbswidrig handeln.

Das Unternehmen verbietet Smartphone-Herstellern nämlich, abweichende Android-Versionen einzusetzen, wenn sie Google-Dienste auf ihren Geräten platzieren.

Zudem zwingt Google Anbieter geradezu, ein ganzes Paket aus Google-Diensten vorzuinstallieren. Die Suche muss dabei laut Klage prominent platziert sein – die tragende Säule im Google-Monopol.

Google-Monopol: Google wehrt sich gegen die Klage

Google nimmt die Klage natürlich nicht einfach hin.

In einem Blog-Eintrag schreibt Kent Walker, Senior Vice President für Global Affairs folgende Worte: „Die Beschwerde der Behörde fußt auf dubiosen Argumenten, die unsere Erfolge, Google zur einfach verfügbaren Suchmaschine für die Menschen zu machen, kritisieren.“

Google zahle wie jedes andere Unternehmen auch, um die eigenen Produkte zu promoten. „Andere Suchmaschinen, wie etwa Microsofts Bing, konkurrieren dabei mit uns“, erläutert Walker weiter. Zudem sollen Googles Verträge „mehrfach Wettbewerbs-Prüfungen bestanden“ haben.

Im Klartext meint Walker also, dass Google schlichtweg die besten Verträge aushandele, um seine Suchmaschine prominent und standardisiert zu platzieren.

Was muss für eine erfolgreiche Klage passieren?

Für eine erfolgreiche Klage muss die Regierung unter anderem nachweisen, dass die US-amerikanischen Nutzer durch illegale Aktivitäten von Google zu Schaden kommen oder gekommen sind.

In der Klage argumentiert sie deshalb unter anderem, dass Google Werbekunden schade, weil sie wegen ausbleibendem Wettbewerb mehr Geld in die Hand nehmen müssen. Schließlich kann sich aktuell keine andere Suchmaschine ernsthaft mit Google messen.

Die Suchmaschine ist die zentrale Einnahmequelle von Google. Werbekunden bewerben sich für Anzeigen, die im Auktionsverfahren vergeben werden. Das passiert an den Inhalt der Suchanfrage angelehnt.

Werbekunden zahlen auch erst, wenn jemand wirklich auf die Werbeanzeige klickt. In den vergangenen Jahren sanken die Erlöse pro Klick kontinuierlich, weil Nutzer immer mehr mobil im Internet surfen und Tarife auf den kleinen Smartphone-Bildschirmen niedriger sind.

Allerdings glich die steigende Zahl der Anzeigen die niedrigeren Auszahlungsquoten wieder aus.

Das Google-Monopol im Marktvergleich: Suche, Smartphone-OS, Browser und digitale Anzeigen

Das Google-Monopol fußt auf vier Standbeinen: Suche, Smartphone-OS, Browser und digitale Anzeigen. Mit diesen Produkten dominiert Google den Markt.

Wie viel Prozent das Unternehmen jeweils im Marktvergleich verwaltet, hat das US-amerikanische Magazin Vox in einer anschaulichen Grafik dargestellt.

Die Suche dominiert Google demnach mit 92 Prozent. Bei den Smartphone-Betriebssystemen nimmt der Konzern mit Android 85 Prozent ein, während Apple die übrigen 15 Prozent verbleiben.

Im Browser-Geschäft dominiert Google ebenfalls mit 66 Prozent. Nur bei den digitalen Anzeigen kann das Unternehmen andere Mitstreiter nicht hinter sich lassen: Google verzeichnet hier nur 28 Prozent Marktanteil.

Fairer Wettbewerb oder Geldmacherei? Das Android-System für Suchmaschinen

Wie fair oder unfair geht Google mit dieser prozentualen Vormachtstellung also um? 2018 warf die Europäische Kommission Google unfairen Wettbewerb vor, weil keine alternative Suchmaschine auf Android-Geräten vorinstalliert war.

Google musste eine Geldstrafe von 4,34 Milliarden Euro zahlen und auf die Forderung der EU-Kommission eingehen, drei andere Suchmaschinen auf Android-Geräten schon bei deren Einrichtung zu installieren.

Diese alternativen Suchmaschinen wollte das Unternehmen aber durch ein Auktionsverfahren mit geschlossenen Geboten ermitteln. Die Interessenten sollten einen Preis nennen, den sie jedes Mal bereit zu zahlen sind, wenn ein Nutzer sich beim Einrichten seines neuen Gerätes für ihren Dienst entscheidet.

Der Google-Konkurrent Qwant bezeichnete den Plan als „inakzeptablen Missbrauch der beherrschenden Stellung Googles.“ Immerhin würde das Unternehmen die Macht seines Android-Betriebssystems nutzen, um durch Konkurrenten noch mehr Einnahmen zu generieren.

Das Google-Monopol ist inzwischen also so verstrickt, dass alle Produkte miteinander vernetzt sind und kleine Mitbewerber kaum eine Möglichkeit haben, mit einem einzelnen Google-Produkt zu konkurrieren.

Muss Google seinen Browser Chrome verkaufen?

Deshalb prüft die US-Regierung auch, ob Google möglicherweise seinen Browser Chrome und Teile seines Geschäftes mit Werbeanzeigen verkaufen muss.

Das würde Google schwer treffen. Das Unternehmen nutzt Chrome schließlich seit 2008 dazu, seine Suchmaschine zu unterstützen und sein Werbegeschäft anzutreiben.

In die Kritik war Google bereits Anfang 2020 geraten. Damals hatte das Unternehmen erklärt, keine Cookies von Drittanbietern mehr in seinem Browser verwenden zu wollen, um die Privatsphäre der Nutzer zu schützen.

Cookies sind aber immer noch wichtig für Marketing-Verantwortliche, um nachverfolgen und Werbungtreibenden zeigen zu können, wie effektiv Werbekampagnen laufen. Laut einer Schätzung von Google würden bis zu 62 Prozent der Werbe-Einnahmen auf Nachrichtenseiten ohne Cookies wegfallen.

In jedem Fall ermöglicht es Googles Vormachtstellung, komplette Standards für ganze Branchen zu setzen – und die könnten auch den eigenen Interessen dienen statt denen aller Menschen.

Wie sieht die Zukunft für das Google-Monopol aus?

Es könnte mehrere Jahre dauern, bis der Fall vor Gericht verhandelt wird. Vor ungefähr 20 Jahren lief es im Monopol-Verfahren gegen Microsoft genauso. Damals kam die US-Regierung ihrer Forderung nach einer Zerschlagung des Software-Giganten allerdings überraschend nicht nach.

Demnach besteht auch jetzt wieder die Möglichkeit, dass Google den Prozess gewinnt und eine Zerschlagung verhindern kann. Doch die Frage, die sich die US-Regierung diesmal unbedingt stellen sollte, lautet: Wie weit soll die Marktmacht einzelner Unternehmen im Jahr 2020 noch reichen dürfen?

Die Klage dürfte zum aktuellen Zeitpunkt zumindest dafür sorgen, dass Google in eine Schieflage gerät. Sie könnte das schier unaufhaltsame Wachstum des Unternehmens verlangsamen und Google zumindest vorübergehend daran hindern, seine auf Profit ausgerichteten Geschäftspraktiken fortzusetzen.

Denn ähnlich wie Facebook hat auch Google in der Vergangenheit andere Unternehmen aufgekauft – darunter YouTube und eben auch Android.

Technologie-Riesen dürfen keine Macht mehr über uns haben

Google, Facebook und Co. sind in den vergangenen zehn Jahren so rasant gewachsen, dass sie mittlerweile ungeheure Macht über uns haben. Wie enorm dieses Ausmaß wirklich ist, merken wir erst jetzt, wo es eigentlich schon zu spät ist.

Ohne Smartphone ist ein zivilisiertes Leben heute kaum mehr vorstellbar. Dafür greifen wir in der Regel auf Geräte von Apple oder Google zurück. Suchmaschinen und soziale Netzwerke lösen die Nachrichten aus dem Fernsehen immer weiter ab – allerdings in noch gefährlicherem Ausmaß.

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Über den Autor

Vivien Stellmach

Vivien Stellmach war von Mai 2019 bis November 2020 Redakteurin bei BASIC thinking.

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