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Digitale Berufe: Was macht eigentlich ein Head of Therapy?

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geschrieben von Fabian Peters

Die Digitalisierung verändert unsere Arbeitswelt von Grund auf. Deshalb entstehen neue Berufsbilder. Doch was versteckt sich hinter den Bezeichnungen? Das möchten wir in „Und was machst du so?“ greifbar machen. Heute: Johanna Edler und der Beruf des Head of Therapy.

Der Start in den Tag als Head of Therapy

Johanna, du arbeitest als Head of Therapy bei Selfapy. Beschreibe uns doch einmal in vier Sätzen, wie  du deinen Beruf neuen Freunden erklärst.

Ich übersetze psychotherapeutischer Arbeit ins Digitale. Das heißt, dass ich zusammen mit Kolleg:innen dafür sorge, dass die Online-Kursinhalte von Selfapy den Behandlungsleitlinien entsprechen, State of the Art Therapieverfahren enthalten und wir Erfahrungswerte aus der psychotherapeutischen Praxis einbringen.

Daneben beschäftige ich mich damit, welche Wirkfaktoren der Psychotherapie in einen digitalen Kurs integriert werden können und müssen. Was kann ein digitaler Kurs zur Behandlung psychischer Erkrankungen beitragen, was ambulante Psychotherapeut:innnen vielleicht nicht können – solche Fragen stelle ich mir täglich.

Wie sieht ein normaler Tag in deinem Beruf aus?

Fragt mich das in einem Jahr nochmal!

Und womit startest du in den Tag?

Wecker aus, Deutschlandfunk an. Frühstücken. Am Rechner wird dann mit einem Kaffee neben mir der Kalender gecheckt und die To-Do-Liste für den Tag geschrieben. Um 9:30 Uhr starten meistens die ersten Meetings mit dem Team. Da ich nach wie vor als ambulante Psychotherapeutin arbeite, fahre ich alternativ mit dem Rad durch Berlin zu meiner Praxis.

Johanna Edler, Head of Therapy bei Selfapy.

Die Aufgaben als Head of Therapy

Welche Aufgaben fallen in deinen Bereich?

Ich bringe die psychotherapeutische Perspektive in die Arbeit der Kolleg:innen ein, die maßgeblich an der Kursentwicklung beteiligt sind. Darunter fallen besonders User-Research, Content und die Produktentwicklung.

Um beantworten zu können, wie psychotherapeutische Arbeit ins Digitale übersetzt werden kann, muss ich darüber informiert sein, wie es unseren Nutzer:innen im Kurs geht, welches Feedback es gibt und was die aktuellen Forschungsdaten zu digitalen psychotherapeutischen Angeboten im Allgemeinen und konkret zu unseren Kursen sagen.

Hier sieht man wie elementar für meine Aufgaben die Zusammenarbeit mit den Kolleg:innen aus dem Product und (UX) Research Team ist – auf deren Auswertungen fußt meine Arbeit.

Wie definierst und interpretierst du deinen Job als Head of Therapy persönlich?

Als ambulante Psychotherapeutin bekomme ich regelmäßig mit, dass viele Menschen lange auf der Suche nach einem Therapieplatz sind.

Für Betroffene und Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen (noch) nicht den Weg zu:r Psychotherapeut:in gefunden haben, sind digitale Gesundheitsanwendungen eine großartige Sache, um die medizinische Versorgungslage bei psychischen Erkrankungen zu verbessern. Dass ich auch meinen Beitrag dazu leisten darf, ist ein Geschenk.

Wie ist deine Stelle in die Unternehmensstruktur eingegliedert? Das heißt: An wen berichtest du und mit wem arbeitest du zusammen?

Ich bin ganz frisch im Team dabei – dementsprechend sind diese Prozesse noch im Entstehen. Geplant ist, dass ich meine Expertise im Content und Product Team einbringe und ebenso eng mit dem Team für Psychological Guidance & User Research zusammenarbeiten werde.

Psychotherapie als digitale Lösung

Selbstverständlich wird die Rolle des Head of Therapy in jedem Unternehmen unterschiedlich  ausgelegt. Welche Perspektiven kommen bei dir zu kurz, die grundsätzlich zum  Berufsbild gehören?

Bisher fehlt mir tatsächlich keine Perspektive. Das liegt sicherlich auch daran, dass ich zwei Tage in der Woche weiterhin als ambulante Psychotherapeutin in meiner eigenen Praxis arbeite. Ohne diese Mischung aus psychotherapeutischer Praxis und Konzeption digitaler Inhalten, würde mir definitiv schnell die Arbeit mit Patient:innen fehlen.

Warum? Weil ich erstens die Arbeit sehr gern mache und zweitens die Erfahrungswerte mit in meine Arbeit als Head of Therapy fließen. Daher bin ich ausgesprochen dankbar, für die Möglichkeit, diese zwei erfüllenden Tätigkeiten (Psychotherapie als digitale Lösung und im persönlichen Kontakt) ausführen zu dürfen.

Was macht dir an deinem Job am meisten Spaß?

Selfapy ist ein Unternehmen mit extrem motivierten Mitarbeiter:innen, die es kontinuierlich antreibt, dass sie, den Nutzer:innen helfen können. Diese Begeisterung und Überzeugung an der Sinnhaftigkeit der Arbeit ist dabei im gesamten Team spürbar!

Und zieht sich durch jede Profession und jeweilige Tätigkeit, sei es bei der Entwicklung neuer Kurse oder bei den laufenden Kursen. Gleichzeitig herrscht eine Atmosphäre des aufeinander Achtgebens unter den Kolleg:innen.

Und wofür bist du besonders dankbar?

Zum einen für die gerade beschriebene Atmosphäre bei Selfapy. Und zum anderen dafür, dass ich mich nicht entscheiden muss zwischen einem innovativen Unternehmen, das psychotherapeutische Inhalte für Betroffene niedrigschwellig verfügbar macht und dem psychotherapeutischen Handwerk in der ambulanten Praxis.

Ich kann somit aufrichtig sagen, dass mein Arbeitsalltag zu 100 Pronzent sinnstiftend und erfüllend ist – mehr geht nicht!


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Und wie wird man jetzt Head of Therapy ?

Insbesondere in der Digital-Branche gibt es häufig nicht mehr die klassische  Ausbildung. Wie bist du zu deiner Stelle gekommen?

Das Interesse an beiden Feldern –Digital-Branche und Psychotherapie – war eine wichtige Zutat. Mein fachlicher Hintergrund ist dabei sowohl ein kommunikationswissenschaftliches als auch ein psychologisches Studium mit anschließender Approbation als Psychologische Psychotherapeutin.

Dass ich gern mit Zahlen jongliere und an Wissenschaft Spaß habe, auch zu den Themen Smartphonedaten und Vorhersage psychischer Gesundheit hilft sicher auch. Ich gehe dadurch sehr systematisch und datengetrieben an die Beantwortung von Fragestellungen. Mögliche Barrieren in der technischen Umsetzung sind mir nicht fremd.

Währenddessen habe ich natürlich stets verfolgt, was die digitale Welt im Bereich Mental Health macht. Dann kam auf einmal die Jobausschreibung  – wie in einem Drehbuch, total passend.

Welchen Tipp würdest du einem Neueinsteiger oder interessierten Quereinsteiger  geben, der auch Head of Therapy werden will?

Die Hauptsache ist die psychotherapeutische Ausbildung, eine Portion Erfahrung in psychotherapeutischer Arbeit und ein Faible für digitale Lösungen. Der Rest ergibt sich, wenn man mit Leidenschaft in seinem Feld unterwegs ist.

Vielen Dank, Johanna!

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Über den Autor

Fabian Peters

Fabian Peters ist seit Januar 2022 Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Redakteur und freier Autor tätig. Er studierte Germanistik & Politikwissenschaft an der Universität Kassel (Bachelor) und Medienwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin (Master).