Facebooks neue Rolle: eine Plattform für das nächste große Ding

Das Magazin “The Business Insider” weist in dieser Woche auf einen interessanten Trend hin: Zwei Karriere-Netzwerke namens BranchOut und Identified benutzen Facebooks Nutzerbasis, um direkt mit dem Branchenkrösus LinkedIn zu konkurrieren. Identified bringt es laut Zahlen von AppData bereits auf 2,9 Millionen monatliche Nutzer, BranchOut gar auf stolze 11,2 Millionen – und damit auf Augenhöhe mit Xing. Beide Apps geben Facebook-Nutzern etwas, was dem Social Network lange fehlte: ein seriöses, berufliches Netzwerk abseits des Spaßes.

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Karriere ist allerdings nur Teil des Trends. Egal, ob Musikplattform (Spotify), Private Network (Path), Dating (Airtime, Fellody), Web Curation (Pinterest), Social Gaming (Zynga, OMGPOP) oder People Discovery (Glancee, Highlight, Sonar): Alle nutzen Facebooks Nutzerdaten, um ihr eigenes Süppchen zu kochen. Es klingt paradox: Auf Basis des Social Networks entsteht ein ganzer Reigen neuer Social Networks. Die cleveren Dienste liefern zunehmend Drittanbieter, und Facebook scheint nichts dagegen zu haben.

Genug Freunde, her mit Feinden!

Würde ich jetzt die Keule schwingen und behaupten, auf meiner Facebook-Timeline wäre seit Kurzem definitiv weniger los, brächte ich mich in Teufels Küche. Einige Anhaltspunkte dafür aber habe ich. Von meinen derzeit 340 Facebook-Freunden sind es immer die gleichen 80 bis 100, die täglich neue Statusmeldungen posten. Die Mehrheit veröffentlicht oder kommentiert hin und wieder etwas, ein gutes Drittel hat seit Wochen nichts auf der eigenen Pinnwand veröffentlicht. Der Start der neuen Chronik hat die Aktivitäten meiner Facebook-Freunde nicht gerade erhöht. Viele scheint sie dauerhaft abgeschreckt zu haben.

Vielleicht ist es einfach mal an der Zeit für einen richtig neuen Knaller im Web, für das nächste große Ding, abseits von Facebooks heiler “Wir mögen alles”-Welt. Nicht umsonst wurde gestern die (derzeit leider offenbar überlastete) App EnemyGraph zumindest interessiert aufgenommen. Mit ihr können die Anwender Facebooks Nutzerbasis dazu verwenden, um eigene Feindeslisten anzulegen. Aktuelle Topfeinde im Angebot: Justin Bieber, Microsofts Internet Explorer, Rassismus und sämtliche Präsidentschaftskandidaten der US-Republikaner. “Worauf wartet ihr noch?”, fragen die Macher der App auf der Startseite. “Macht euch ein paar Feinde!”

Facebook profitiert von der riesigen Masse “registrierter” Webnutzer, die man im Laufe der vergangenen Jahre angelegt hat und die in diesem Jahr wohl die 1-Milliarde-Marke überschreiten wird. Es wäre die größte Nutzerdatenbank, die je ein Unternehmen angelegt hat. Kein LinkedIn, kein Twitter und auch kein Google Plus kann das auf absehbare Zeit toppen. Facebook kann sich jetzt entspannt zurücklehnen und die anderen machen lassen. Neue Nutzer kommen von selbst, in neue Dienste ist man automatisch involviert, Geld verdient man mit den Aktivitäten der Nutzer. Und was immer das nächste große Ding sein wird: die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass man von Anfang an mit von der Partie ist.

(Jürgen Vielmeier)

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12 Kommentare

  1. Jan

    Das nächste große Ding – ich denke, in unserer kurzlebigen Zeit ist die Gefahr sehr groß, dass der nächste Zug verpasst wird. Klar kommt so schnell keiner an Facebook ran. Aber zurücklehnen sollten die sich nicht. Find ich zumindestens …

  2. Chris

    Ziemlich Banane alles auf nur einer einzigen Plattform vereinen zu wollen. Ist mir persönlich zuviel, unüberschaubar- ich weiss schon jetzt nicht mehr mit wem da kooperiert wird & wo meine Daten landen..haha..erst recht nicht.

  3. frank

    Für Facebook-Integrationen die nur mit der richtigen Identität Sinn machen kommen für mich gar nicht in Frage. In Puncto Datenschutz gibt es in Dtl. eine große Sensibilisierung, daher kann ich mir auch nicht vorstellen, dass man in absehbarer Zeit durch sozialen Druck genötigt wird Facebook-Apps von Drittanbietern zu nutzen. Zumindest bei Menschen die über die Risiken informiert sind

  4. Urlauber

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich Privatleben und Businessplattform auf Facebook jemals verbinden lassen. Natürlich wäre dies sehr vorteilhaft für die Plattform, aber Berufskontakte neben Ferienbildern erscheinen halte ich für zu gewagt.

  5. Mika B.

    das nächste große Ding…..

    Davon träumen alle , nur was sollte nach Google, Facebook , Apple oder Microsoft da noch kommen?
    Spannender finde ich die Frage ob das Internet schon “Durch” ist oder zumindest Aufgeteilt ?, je mehr man es zumidest allseits Reglementieret umso schlechter für einen neuen Knaller im Web. Ich sehe das Web eher auf Konsolidierungskurs die großen Claim sind Abstecket.
    Das Netz wird leider immer mehr zur ABM für Anwälte und Abmahner aller Art dazu wird es immer mehr mit Gesetzen von Law and Order Politikern Geschleift, wie soll da eigentlich noch das nächste große Ding drinn entstehen können?
    Für “das nächste große Ding…..” bräuchte es eines und das ist “Freiheit” und keine Reglementierungen im Netz.

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